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05.02.2010
Expertenhinweise

Toyota soll Pedalproblem seit 2007 kennen

Von: Kristina Spiller und Martin Kölling (Tokio)
Toyota-Besitzer bekommen demnächst Post
Zoom Toyota-Besitzer bekommen demnächst Post
© reuters

Der japanische Autohersteller hat deutlich früher von Schwächen der Gaspedale erfahren als bisher eingeräumt. Untersuchungen brachten Hinweise auf Fehlfunktionen. Das Management soll davon gewusst, aber nicht reagiert haben.


Nach Informationen der Financial Times Deutschland (FTD) haben von Toyota in Auftrag gegebene Prüfungen, dass Gaspedale in Autos des Konzerns während der Fahrt festklemmen können. So blieb innerhalb eines monatelangen Testzeitraums beim Auris mehrmals das Gaspedal in durchgedrückter Position stecken. Das belegen Unterlagen, in die die FTD Einblick hatte. Insgesamt drei verschiedene Modelle seien damals getestet worden - alles Serienfahrzeuge, die sich so auch im Verkauf befanden, hieß es. Das Management sei mehrmals darüber informiert worden.

Bislang ist unklar, wie das Unternehmen darauf reagierte. Wie es hieß, hätten die Verantwortlichen die Probleme nicht erkennbar ernst genommen. Ein Sprecher bestätigte die Langzeittests 2007 durch Toyota Europe. Es habe maximal "vereinzelt ein leichtes Klemmen des Gaspedals gegeben". Der Fall sei daraufhin an Tokio weitergegeben worden.

Die Vorkommnisse nähren die Kritik an Toyota, nur zögernd über die Probleme etwa mit den Gaspedalen zu informieren. So sagte US-Chef Jim Lentz vor wenigen Tagen, man habe erst im Oktober 2009 von klemmenden Gaspedalen erfahren. Kurz darauf räumte Toyotas Vizepräsident Shinichi Sasaki ein, bereits vor drei Jahren Kundenbeschwerden erhalten zu haben, die Probleme mit dem Gaspedal beim Geländewagen Tundra berührten. Anders als bei offiziellen Tests bleibt bei Reklamationen von Kunden jedoch oft unklar, ob sie tatsächlich auf Technikfehlern beruhen. Zudem gab Sasaki zu, dass Toyota erst auf Drängen der US-Behörden den Rückruf startete - obwohl das Problem mit tödlichen Unfällen in Verbindung gebracht wird.

Wegen der Gaspedale sowie sich verhakender Fußmatten hat Toyota über acht Millionen Autos weltweit zurückgerufen. In Deutschland sollen ab kommender Woche rund 216.000 Wagen in die Werkstatt. Die Kosten für die Reparaturen sowie drohende Umsatzeinbußen beziffert Toyota für das laufende Geschäftsjahr auf rund 1,4 Milliarden Euro. "Das wird Toyota weltweit zurückwerfen und insgesamt etwa 2 bis 3 Milliarden Euro kosten", sagte Willi Diez vom Geislinger Institut für Automobilwirtschaft.

Behörden ermitteln

Zusätzlicher Ärger droht dem Konzern beim Vorzeigemodell Prius. Über 100 Kunden in Japan und den USA haben sich bei den Behörden beschwert, dass die Bremsen des neuen Prius bei sanfter Betätigung teils verzögert griffen. Der zuständige Manager Hiroyuki Yokoyama gestand am Donnerstag das "Phänomen" ein und erklärte, es sei in den Modellen ab Januar behoben worden. Toyota schloss einen Rückruf nicht aus. US-Verkehrsministerium und Kraftfahrbundesamt haben offizielle Untersuchungen eingeleitet.

© 2010 ftd.de

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