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23.02.2010

Grenzwerte für Spritverbrauch: Deutsche Autobauer laufen Sturm gegen US-Regierung

Von: Matthias Ruch (New York) und Margret Hucko (Hamburg)
Seit den 80er-Jahren haben Daimler und BMW Millionen-Strafen gezahlt
Seit den 80er-Jahren haben Daimler und BMW Millionen-Strafen gezahlt
© AP
Verschärfte CO2-Regelungen provozieren Autohersteller: Gemeinsam wollen sie gegen ein neues Gesetz vorgehen. Auch die Energiekonzerne sind aufgerüttelt.

Die großen deutschen Autohersteller wollen in den USA gemeinsam gegen neue Grenzwerte für den Verbrauch vorgehen. "Wir setzen jetzt auf eine konzertierte Aktion aller deutschen Hersteller", sagte ein Porsche-Sprecher.

Den Stuttgarter Sportwagenbauer trifft ein neues Gesetz besonders hart, das im Mai verabschiedet werden soll und bis 2016 hohe Einsparungen beim Verbrauch fordert. Allerdings müssten auch Daimler, BMW und Volkswagen mit ihrer heutigen Flotte mit empfindlichen Strafen rechnen.

CO2 offiziell als "Schadstoff" eingestuft

Das Gesetz soll erstmals landesweit einheitliche Grenzwerte festlegen und wurde auf Anweisung von Präsident Barack Obama gemeinsam von der Verkehrs- und der Umweltbehörde erarbeitet. Treibende Kraft hinter dem Vorstoß war Kalifornien, wo bereits vor Jahren strengere Werte eingeführt wurden.

Grundlage für den Vorstoß ist ein Urteil des Obersten Gerichtshofs von 2007, das CO2 offiziell als "Schadstoff" einstuft. Dieses Urteil wird derzeit vor einem Gericht in Texas juristisch angefochten. Neben der Autoindustrie fürchten vor allem Energiekonzerne eine verschärfte Regulierung.

Strafen für deutsche Hersteller

Für die Autoindustrie gelten in den USA bislang die Standards der Verkehrsbehörde, die seit 1975 nur zögerlich angehoben wurden. Auch diese Vorgaben hatten die deutschen Hersteller in den vergangenen Jahren mehrfach verfehlt und dafür Millionenstrafen zahlen müssen. Seit den 80er-Jahren haben Daimler und BMW jeweils deutlich mehr als 200 Millionen Dollar gezahlt. Volkswagen wird durch die Konzerntochter Audi belastet, deren Modelle A8 und Q7 den Flottenverbrauch in die Höhe treiben. Italienische und britische Hersteller mussten ebenfalls zahlen.

Ohne Strafen kamen bislang die amerikanischen und die asiatischen Autobauer davon. Deutsche Lobbyisten führen das vor allem darauf zurück, dass die Formel zur Berechnung der individuellen Grenzwerte gezielt an den Vorgaben der amerikanischen Modelle ausgerichtet sei: Je länger und breiter ein Auto ist, desto mehr darf es verbrauchen. Die Deutschen verkaufen dagegen gut motorisierte Modelle, die im Vergleich zu den US-Autos aber kompaktere Abmessungen haben. Von ihren Kleinwagen profitieren sie bisher kaum, weil sie in den USA überwiegend ihre Spitzenmodelle verkaufen.

Tendenziell wolle man die Modellpalette künftig hin zu kleineren Autos und sparsameren Motoren verschieben, bestätigen die Hersteller einstimmig. BMW will künftig auch Vierzylindermotoren einführen, Volkswagen dürfte nach dem Touareg schon bald weitere Modelle mit Hybridantrieb anbieten.

Gefunden bei
ftd.de

Für ihren politischen Widerstand gegen den Gesetzentwurf läuft den Deutschen in Washington nun aber die Zeit davon. "Die Behörden müssen den Entwurf bis Ende März fertig haben. Das Gesetz wird dann im Mai veröffentlicht und tritt im Modelljahr 2012 in Kraft", sagte Stephan Schläfli, Cheflobbyist von Porsche, der Financial Times Deutschland (FTD). Das US-Modelljahr 2012 beginnt bereits mitten im Kalenderjahr 2011.

Die FTD hatte am Montag über die drohenden Strafen für Porsche berichtet. Die Aktie des Sportwagenbauers fiel daraufhin zwischenzeitlich um mehr als zwei Prozent.

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