Premium-Login

 
08.06.2009

Insolvenz: Wie Aksys beim Staat abblitzte

Von: Matthias Lambrecht (Worms)
Bernd Lieberoth-Leden, Geschäftsführer von Aksys
Bernd Lieberoth-Leden, Geschäftsführer von Aksys
© FTD/Andreas Varnhorn
Mit Milliarden rettet der Staat deutsche Unternehmen wie Opel. Anderen werden die Hilfen verweigert. Einer davon ist der Autozulieferer Aksys, der nun Insolvenz anmelden muss. Die Geschichte eines stillen Scheiterns.

Vor ein paar Tagen hat Bernd Lieberoth-Leden eine Broschüre aus seiner Sonntagszeitung gefischt. Sie ist schön bunt und von der staatlichen Förderbank KfW. "Sicherer Partner in unsicheren Zeiten" steht in großen Buchstaben auf der ersten Seite, darunter schaut KfW-Chef Ulrich Schröder lächelnd aus dem blauen Infobus, mit dem seine Berater in diesen Tagen durch das Land touren.

Lieberoth-Leden, Chef des Autozulieferers Aksys, sieht auf das Blatt und wirft es auf einen Tisch in seinem Büro. Nein, sein Partner ist die KfW nicht geworden. Er hat in den vergangenen Wochen erfahren müssen, dass die Wirklichkeit für sein Unternehmen anders aussieht als auf dem bunten Werbeblatt.

Wochenlang hat man hier, im Hauptsitz am Rande von Worms, gehofft und gebangt. Auf Hilfe aus dem Wirtschaftsfonds Deutschland. 115 Milliarden Euro stellt die Bundesregierung im Rahmen ihres Kredit- und Bürgschaftsprogramms zur Verfügung. Geld, das Unternehmen helfen soll, die ohne eigenes Verschulden in die Krise gerutscht sind.

Die in Existenznot geraten sind, weil Banken ihnen keinen Kredit gewähren. Unterstützung für Firmen wie Aksys: "Wir haben uns als ein typisches Unternehmensbeispiel gesehen, für das genau dieses Programm aufgelegt wurde", sagt der Chef.

Aber die Hilfe wird es nicht geben. Während Opel sich in Nachtaktionen im Kanzleramt den Beistand des Staates gesichert hat und Arcandor mit Politikern an der Seite um Steuergelder buhlt, bekommt der Autozulieferer keinen Cent aus dem Hilfsfonds.

 

Die Absage der KfW, über die die Kredite vergeben werden, hat den Mittelständler in die Pleite rutschen lassen. Ende Mai ist bei Aksys, einem Spezialisten für Dämmstoffe, der vorläufige Insolvenzverwalter eingezogen. Noch wird weiterproduziert. Doch 1900 Beschäftigte an elf deutschen Standorten fürchten um ihre Jobs.

Seite   1 | 2 | 3 | 

© 2009 ftd

Versenden | Leserbrief | Druckversion | Zurück

Diesen Artikel bookmarken bei...

Tausendreporter BlinkList del.icio.us Folkd Furl Google Linkarena Mister Wong oneview Yahoo MyWeb YiGG Webnews