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03.02.2010

Preiskampf auf dem Rücken der Zulieferer: Sparzwang senkt Qualität der Autos

Von: Margret Hucko, Hamburg
Sparen am falschen Ende: Qualitätsprobleme verursachen massive Imageschäden
Zoom Sparen am falschen Ende: Qualitätsprobleme verursachen massive Imageschäden
© Getty Images
Die weltweit größte Rückrufaktion bei Toyota zeigt die angespannte Lage zwischen Autokonzernen und ihren Zulieferern. Durch den Einbau billigerer Teile und durch simplere Fahrzeugkonstruktionen versuchen die Autobauer verzweifelt, die Kosten zu senken.

Den Druck geben sie an die Zulieferer weiter. "Es gibt ein Interesse daran, günstigere Lösungen zu finden", sagte ein Sprecher von ZF Friedrichshafen, einem der größten Zulieferer für Antriebs- und Fahrwerkstechnik. Durch diesen Effizienzzwang, der sich nach Expertenansicht in der Krise verschärft hat, besteht nicht zuletzt auch ein erhöhtes Risiko für Qualität und Sicherheit.

Als beispielhaft für dieses Dilemma steht die Rückrufaktion von Toyota, die immer größere Kreise zieht. Mittlerweile sind 8,1 Millionen Fahrzeuge davon betroffen, außerdem 4400 Peugeots in Deutschland, die das Toyota-Gaspedal des Zulieferers CTS verbaut haben. In den USA fürchtet auch General Motors einen Rückruf. Ursache ist eine elektrische Servolenkung, die ausfallen kann.

Durch die Qualitätsprobleme entsteht nicht nur ein Schaden fürs Image, Toyota erwartet auch schwere finanzielle Einbußen für das neue Geschäftsjahr. "Wir machen uns große Sorgen um die Absatzprognose", sagte Vizechef Shinichi Sasaki gestern in Tokio. Diese wird am Donnerstag mit den Quartalszahlen erwartet. Bisher war der weltgrößte Autobauer für 2010 von einem Umsatzplus von sechs Prozent ausgegangen.

Die Fahrzeugbauer sparten an der Grenze des Machbaren, weil die Umsatzrendite der Hersteller - mit wenigen Ausnahmen - drastisch sinkt, sagte Autoexperte Helmut Becker vom Institut für Wirtschaftsanalyse und Kommunikation. Wachstum finde nicht mehr über steigendes Volumen statt, sondern durch Einsparungen am Produkt. "Die Autoindustrie hat sich angewöhnt, auf Kante zu nähen."

Die Toyota-Tochter Daihatsu hatte 2009 beim neuen Modelljahrgang des Kleinwagens Cuore auf das elektronische Stabilitätsprogramm (ESP) verzichtet. Erst nachdem es lebensbedrohliche Auffälligkeiten beim Fahrverhalten gab, führten die Japaner die sicherheitsrelevante Elektronik wieder ein. Und Daimler hat bei der aktuellen E-Klasse das Fahrwerk von einer Fünf- auf eine Dreilenkervorderachse abgespeckt. Das schmälert zwar nicht die Sicherheit, aber den Komfort für den Kunden.

Gefunden bei
ftd.de

Für den Stuttgarter Konzern spart das pro Auto laut Branchenkennern eine niedrige dreistellige Summe. "Beim Produkt geht es jetzt um jeden Cent", sagt Stefan Reindl vom Institut für Automobilwirtschaft in Geißlingen. Die Krise in der Autobranche habe den López-Effekt der 90er-Jahre (siehe Kasten) noch mal verschärft.

2009 sank laut der Unternehmensberatung Roland Berger der Umsatz der Zulieferer weltweit um etwa 25 Prozent, die Rendite fiel von durchschnittlich 5,7 Prozent im Jahr 2007, also vor der Krise, auf minus 1,5 Prozent in 2009. Zulieferer wie Bosch schrieben erstmals Verlust.

Eiskalter Kostenkiller

Der Guru Der spanische Manager Ignacio López hat in den 80er- und 90er-Jahren als Einkaufschef bei Opel, GM und später VW die Kosten radikal gedrückt.

Die Lehre Der sogenannte López-Effekt ist heute ein stehender Begriff für eine besonders harte Verhandlungstaktik gegenüber Zulieferern. Zudem gilt er oft als Synonym für fehlerhafte Bauteile.

© 2010 ftd.de

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