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28.01.2010

Streit um Bonuszahlungen: Bosch kündigt erster Bank die Zusammenarbeit

Franz Fehrenbach greift zu drastischen Mitteln
Zoom Franz Fehrenbach greift zu drastischen Mitteln
© AP
Der weltgrößte Autozulieferer hat seine Boykottdrohung wahr gemacht: Unternehmenschef Fehrenbach brach zu einem Geldhaus die Geschäftsbeziehungen ab. Die Reaktionen auf seinen Vorstoß sind verhalten.

Bosch-Chef Franz Fehrenbach meint es mit seiner Drohung ernst, die Geschäftsbeziehungen zu Banken abzubrechen, die seiner Meinung nach übertrieben hohe Boni an ihre Manager zahlen. Der Konzern löste schon vor Wochen die finanziellen Bande zu einem Geldhaus. Das erfuhr die FTD aus Unternehmenskreisen. Um welches Institut es sich handelt, ist nicht bekannt.

Fehrenbach hatte seine Drohung am Mittwoch öffentlich gemacht, als er die Bilanz für 2009 vorlegte. "Ist eine Bank der Meinung, die Finanzierung von Boni sei ein Unternehmenszweck, dann machen wir mit ihr keine Geschäfte mehr", sagte der Chef des weltgrößten Autozulieferers. Er nannte es verantwortlungslos, wenn Gedhäuser trotz der Kritik und den Erfahrungen der jüngsten Zeit zur Praxis aus Zeiten vor der Finanzkrise zurückkehrten. Bosch musste 2009 das erste Verlustjahr der Nachkriegszeit hinnehmen.

Fehrenbachs ungewöhnlicher Schritt könnte die Debatte um Boni auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos anheizen. Dort treffen sich traditionell Banker und Spitzenpolitiker. Einige Geldhäuser stehen in der Kritik, da sie wieder Milliardenboni zahlen, obwohl sie kurz zuvor durch Steuergelder gerettet worden sind.

Fehrenbachs Vorstoß rief geteiltes Echo hervor. "Ich halte das für keine gute Idee. Die Bonidiskussion ist ein Nebenschauplatz", sagte Klaus Engel, Chef des Mischkonzerns Evonik. Wichtiger wäre, Konflikte zwischen spekulativen Geschäftsmodellen der Banken und Bedürfnissen der Realwirtschaft zu entschärfen - etwa bei den Rohstoffpreisen. Vor einer Woche hatte Post-Chef Frank Appel das Eigenhandelsgeschäft von Banken kritisiert. Eine Drohung blieb aus.

Der Bosch-Chef rief Unternehmen auf, die Finanzbranche unter die Lupe zu nehmen und die Omnipotenz großer Banken nicht unkritisch zu dulden. "Das macht das Leben für uns nicht leichter, aber sicherer." Fehrenbach ist in einer vergleichsweise komfortablen Lage. Der Konzern nimmt so gut wie keine Kredite auf und verfügt trotz Krise über liquide Mittel von 8 Milliarden Euro. Im vergangenen Jahr hat Bosch nur Anleihen und Schuldscheindarlehen für 1,8 Milliarden Euro ausgegeben. Bankdienste nutzt das Unternehmen vor allem für seinen weltweiten Zahlungsverkehr.

Fehrenbach forderte regulatorische Schritte für mehr Transparenz und besseres Risikomanagement. Dies sei notwendig, denn die "teilweise kriminellen und verantwortungslosen Praktiken" bei Verbriefung und Veräußerung von Krediten hätten das Finanzsystem beinahe zum Einsturz gebracht. Für seine Initiative nannte er persönliche Gründe. Vor der Finanzkrise hätten viele die Gefahr gesehen, aber nicht genug unternommen. "Ich habe mir vorgenommen, in dieser Sache meine Stimme künftig zu erheben."

Quelle: ftd.de
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