Ein Paukenschlag ist dieser Auftritt in Detroit gewiss nicht. Da präsentiert Audi einen Blick in die Zukunft. Doch mit seinen bescheidenen 3,93 Metern Länge versteckt sich der Elektrowagen E-Tron auf der Showbühne hinter den wuchtigen Kernmodellen der Volkswagen-Tochter, duckt sich flacher als ein Rednerpult weg. Einsam, geradezu wie ein Feigenblatt im Luxusfuhrpark wirkt der Miniatur-Stromer im Januar auf der wichtigsten Automesse Amerikas.
Dabei plant Audi mit dem E-Tron mehr als ein grünes Alibi. E-Tron soll in Zukunft nicht nur das erste Elektroauto des Ingolstädter Herstellers heißen, sondern gleich eine eigene Marke etablieren - so wie "Quattro" für Audis Allradfahrzeuge steht. Auch Konkurrent BMW entwickelt ein eigenes Label für strombetriebene Autos. Unter dem Arbeitstitel "Project i" entsteht ein Megacity-Vehikel, mit dem BMW eine neue Submarke gründen will.
"Clevere Vorsichtsmaßnahme"
Was auf den ersten Blick wie ein purer Marketingtrick aussieht, kann sich für die deutschen Hersteller zu einem geschickten Schachzug entwickeln. "Es ist eine Vorsichtsmaßnahme, die sehr clever ist", sagt Autoexperte Helmut Becker vom Institut für Wirtschaftsanalyse und Kommunikation in München. "Sollte eines der neuen Angebote zum Flop werden, strahlt das nicht auf die etablierten Marken der Hersteller ab", stellt der ehemalige Chefvolkswirt von BMW fest.
Die Gefahr ist nicht zu unterschätzen. Denn Elektroautos sind technisch noch lange nicht ausgereift. Die Batterieladungen haben nur eine kurze Reichweite, und sie dürfen auch keinesfalls wegen Überlastung in Flammen aufgehen, was bei Laptop-Akkus durchaus mal vorkommt. Das wäre ein Super-GAU für die Autobauer. "Wenn nur ein einziges dieser Auto brennt, ist das Thema tot", sagt der Chef eines Herstellers. Dramatisch wäre es, würde dadurch auch das Image der Kernmarken des betroffenen Unternehmens beschädigt.
Versuchsflotten für den Praxistest
Alle großen Hersteller versuchen derzeit zudem, mit Versuchsflotten erst einmal auszuloten, wie der Kunde auf die neue Technik reagiert: Funktioniert das Tanken an der Steckdose reibungslos? Harmonieren Elektromotor und Batterie? Wie die neue Technik sich später in einer Großserienfertigung verhalten wird, kann noch kein Entwickler mit Sicherheit sagen.
Auch aus Sicht von Jürgen Pieper vom Bankhaus Metzler ist eine Abspaltung der neuen Technologien von den Kernmarken vorerst die richtige Strategie. "Mit speziellen Marken für Ökoantriebe signalisieren sie den Kunden den Aufbruch in eine neue Welt für die Branche", sagt der Autoanalyst. Das sei ein wichtiges Zeichen, könnte der Branche doch ein Umwälzung bevorstehen. Experte Becker geht noch einen Schritt weiter. "Das sollten alle Hersteller so machen", lobt er die Extramarken für E-Antriebe.
Bislang stehen die Deutschen damit allein da. Renault etwa verfolgt mit seinem Allianz-Partner Nissan eine andere Strategie. Sie werden ihre ersten benzinfreien Minis mit den Logos der Muttermarken starten. Ähnlich agieren andere Konzerne. Viele haben aber noch nicht einmal ihre künftige Strategie festgezurrt.
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