Unternehmen Insolvenz des Lübecker Flughafens: Einzelfall oder böses Omen?

Der Regionalflughafen in Lübeck

Der Regionalflughafen in Lübeck© .myahya/Flickr/Wikimedia Creative Commons/CC BY-SA 2.0

Sinnvoll für die Infrastruktur, sagen Befürworter. Betriebswirtschaftlich zweifelhafte Prestigeprojekte, bemängeln Kritiker. Fakt ist jedenfalls: Nur ein Viertel der internationalen Flughäfen in Deutschland macht überhaupt Gewinn. Haben die Airports eine Zukunft?

Rote Zahlen, weniger Passagiere als erhofft und eine Insolvenz: Regionalflughäfen bereiten ihren Eigentümern häufig Sorgen. Viele Provinzairports hängen am Tropf des Steuerzahlers. Manch öffentlicher Eigentümer sucht sein Heil im Verkauf der teuren Last an Privatinvestoren. Andere denken über Kooperationen nach – auch über Landesgrenzen hinweg. Welche Zukunft haben die zahlreichen Regionalflughäfen überhaupt?

„Regionalflughäfen stellen vielfach eine wichtige Infrastrukturmaßnahme für ihre Region dar und besitzen Ergänzungs- und Entlastungsfunktionen“, betont der Flughafenverband ADV.

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Kritiker bemängeln jedoch seit langem die hohen Fixkosten und zu geringe Einnahmen. „Die Entscheidung für einen Flughafen ist in erster Linie eine politische Entscheidung“, sagt Eric Heymann, Luftfahrtexperte in der Reserach-Abteilung der Deutsche Bank. Die meisten kleinen Airports könnten den Betrieb ohne staatliche Unterstützung nicht aufrechterhalten.

Nur sechs Regionalflughäfen machen überhaupt Gewinn

Auch verkehrswirtschaftlich hätten die Airports oft nur eine geringe verkehrswirtschaftliche Bedeutung, meint Heymann. „Viele bieten nur einige Verbindungen in Urlaubsländer an, für Geschäftsreisende vor Ort gibt es kein ausreichendes Angebot“. Die Zukunft der Airports hänge davon ab, ob die Politik weiter die Verluste ausgleichen könne und wolle.

Fakt ist: Nur 6 der 22 internationalen Verkehrsflughäfen hierzulande haben nach Angaben des Flughafenverbandes im vergangenen Jahr unter dem Strich überhaupt einen Gewinn erwirtschaftet. Insgesamt gibt es den Angaben zufolge 59 Airports mit einer sogenannten Instrumentenflugzulassung.

Das Problem ist vor allem die geringe Auslastung vieler kleiner Flughäfen. „Man braucht 9 bis 10 Millionen Passagiere im Jahr, um mit einem Flughafen in Deutschland Geld zu verdienen“, sagte Germanwings-Geschäftsführer Oliver Wagner jüngst der „Frankfurter Allgemeine Zeitung“. Knapp 30 Flughäfen in Deutschland haben nach ADV-Angaben allerdings weniger als 5 Millionen Passagiere jährlich.

Millionengrab am Flughafen Kassel-Calden

Wie teuer ein Flughafen die Steuerzahler zu stehen kommen kann, zeigt unter anderem das Beispiel Kassel-Calden. 271 Millionen Euro kostete alleine der Bau. Beim Betrieb fällt derzeit ein jährliches Minus zwischen sechs und sieben Millionen Euro an. Den Löwenanteil der Investitionen hat das Land Hessen getragen.

Ein Verkauf an private Investoren ist allerdings auch keine Erfolgsgarantie, wie die Insolvenz des Lübecker Flughafens zeigt. Der ehemals städtische Flughafen Lübeck-Blankensee wurde Ende 2012 vollständig privatisiert. Am Mittwoch musste der Betreiber nun ein vorläufiges Insolvenzverfahren eröffnen. 100 Flughafenmitarbeiter warten seit dem 15. April auf ihren Lohn für diesen Monat.

Die Insolvenz ist längst kein Einzelfall: Im April vergangenen Jahres musste ein Insolvenzverfahren gegen den Black Forest Airport (Schwarzwaldflughafen) in Lahr (Baden-Württemberg) eröffnet werden.

Andernorts versucht man es mit Kooperationen. So haben Rheinland-Pfalz und das Saarland ihre Gespräche über eine Zusammenarbeit der verschuldeten Flughäfen Saarbrücken und Zweibrücken wieder aufgenommen. Bis Mitte Mai soll ein Konzept für eine gemeinsame Betriebsgesellschaft stehen. Das Ziel ist demnach eine „schwarze Null“ bis 2024 für beide Airports, die nur 30 Kilometer voneinander entfernt liegen.

Ungemach droht auch aus Brüssel

Ein gemeinsamer Betrieb von Flughäfen könne grundsätzlich durchaus sinnvoll sein, sagt Luftfahrexperte Heymann. „Aber ob es ausreicht, ist fraglich“. Das Problem vieler Regionalflughäfen: Hohen fixe Betriebskosten stehen relativ wenig Starts und Landungen und damit wenig Einnahmen gegenüber.

Weiteres Ungemach droht aus Brüssel. Die EU-Kommission gibt Flughäfen noch zehn Jahre Zeit, dann müssen sie ihren Betrieb aus eigener Kraft aufrechterhalten. Das trifft vor allem die kleinen, defizitären Airports. Luftverkehrsexpertin Yvonne Ziegler von der Fachhochschule Frankfurt hält es für möglich, dass jeder zweite Regionalflughafen verschwindet. Heymann ist weniger pessimistisch. „Das Signal ist eindeutig, aber ich glaube nicht, dass das letzte Wort schon gesprochen ist. Ich halte Sonderregelungen für durchaus vorstellbar“.

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