Unternehmen Insolvenzverwalter entlässt Prokon-Gründer

Prokon-Gründer Carsten Rodbertus

Prokon-Gründer Carsten Rodbertus© Felix König/CC-by-sa 3.0/de/via Wikimedia Creative Commons

Prokon-Gründer Carsten Rodbertus muss das angeschlagene Windkraftunternehmen verlassen - auf Anordnung des vorläufigen Insolvenzverwalters. Den Schritt begründet er mit deutlichen Worten. Der Überlebenskampf von Prokon geht unterdessen weiter.

Der bisherige Prokon-Chef und Unternehmensgründer Carsten Rodbertus muss das angeschlagene Windkraft-Unternehmen verlassen. Der vorläufige Insolvenzverwalter Dietmar Penzlin hat ihn sowie Vertriebsleiter Rüdiger Gronau gefeuert und mit sofortiger Wirkung von der Arbeit freigestellt. „Die Tätigkeiten von Rodbertus und Gronau für die Genossenschaft sowie ihre jüngsten Äußerungen über Prokon haben keinen Raum mehr für eine konstruktive Zusammenarbeit gelassen“, sagte der Hamburger Rechtsanwalt am Dienstag.

Penzlin bestätigte, sämtliche Mitarbeiter des Unternehmens in Itzehoe in einer Mail informiert zu haben. Prokon-Gründer Rodbertus wird demnach auch in sämtlichen Tochtergesellschaften der Prokon Regenerative Energien als Geschäftsführer abberufen. In der Mail Penzlins heißt es, er bedauere diesen Schritt, er sei aber notwendig, „um wieder die für die Sanierung erforderliche Ruhe ins Unternehmen zu bringen“. Über Rodbertus und Gronau heißt es in der Mail: „Beide haben das Betriebsgelände dauerhaft verlassen.“

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Rodbertus hatte jüngst die Gründung einer Genossenschaft auf den Weg gebracht und über Medien die Hoffnung geäußert, unter bestimmten Voraussetzungen Geschäftsbereiche von Prokon dort weiterführen zu können. So konnte der Eindruck entstehen, die mit 1,4 Milliarden Euro Genussrechtskapital von 74.000 Anlegern finanzierte Prokon ließe sich in eine Genossenschaft umwandeln. Penzlin stellte klar, das dies in einem vorläufigen Insolvenzverfahren rechtlich ausgeschlossen ist.

Kernbereiche im Fall einer Insolvenz gesichert

Er versicherte – wie bereits in der vergangenen Woche – Prokons Kernbereiche Projektierung und Betrieb von Windparks seien auch im Fall einer Insolvenz gesichert. Jetzt räumte Penzlin ergänzend ein: „Die Perspektiven im Vertrieb sind schwierig und zumindest ein Teil der dortigen Arbeitsplätze wird nicht erhalten werden können.“

Im Januar hatte die Prokon Regenerative Energien GmbH – eine von mehreren Prokon-Firmen – einen Insolvenzantrag gestellt. Die Prokon Regenerative Energien GmbH hat rund 480 Mitarbeiter, die Prokon-Gruppe insgesamt rund 1300.

Rodbertus hatte Prokon 1995 gegründet. Seine Vision: Ökostrom zu produzieren, so gegen den Klimawandel zu kämpfen und zugleich den vielen Kleinanlegern eine hohe Rendite zu geben – sechs bis acht Prozent versprach Prokon. Der unorthodoxe Unternehmer mit dem grauen Haarzopf tingelte durch die ganze Republik und warb auf ungezählten Veranstaltungen um Kapital. Das ging lange gut, aber die hohen Zinsverpflichtungen konnte die Firma zuletzt nicht mehr aufbringen. Verbraucherverbände warnten vor der Anlageform in Genussrechten.

Insolvenzverwalter: Anleger müssen mit Verlusten rechnen

Aus Penzlins Sicht zeigt die Sanierung der Prokon Regenerative Energien GmbH „erste Erfolge“. Allerdings sei damit zu rechnen, dass das Amtsgericht im Mai ein Insolvenzverfahren eröffnen werde. Rund 400 Millionen Euro Genussrechtskapital sind laut Penzlin gekündigt worden. Mit einem Totalverlust müssten Genussrechtsinhaber nicht rechnen, aber durchaus mit Verlusten. Im Falle einer Insolvenzeröffnung würden automatisch alle Gläubiger voraussichtlich bis Mitte Juni angeschrieben werden, um ihre Forderungen zu benennen. Wer seine Genussrechte gekündigt oder Klage erhoben habe, sei nicht im Vorteil, betonte Penzlin.

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