Unternehmen Ivar und Billy statt Eiche rustikal: 40 Jahre Ikea Deutschland

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© Ikea

Nordisches Design für den Massengeschmack: Ikea ist eine feste Größe im globalen Möbelgeschäft geworden. Vor 40 Jahren startete das schwedische Familienunternehmen in Deutschland und stellte die Branche auf den Kopf.

In jeder langjährigen Beziehung gibt es Höhen und Tiefen – so ist es auch mit dem Möbelgiganten Ikea und seinen deutschen Kunden. Vor vier Jahrzehnten mischte die schwedische Kette den deutschen Möbelmarkt mit der Eröffnung einer ersten Filiale in Eching bei München auf.

Do-It-Yourself statt Lieferung frei Haus – für die Branche war das eine Revolution, die manch ungeübten Schrauber vor schwierige Aufgaben stellte. Heute prägen Rekordumsätze und ehrgeizige Wachstumsziele, aber auch Probleme mit der Suche nach neuen Standorten und die wachsende Konkurrenz mit Onlinehändlern das Geschäft.

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Auf 48 Filialen und rund 100 Millionen Besucher jährlich kommt Ikea mittlerweile in seinem wichtigsten Einzelmarkt Deutschland. Zuletzt kam mit Hamburg-Altona der erste Innenstadt-Standort dazu, als nächstes sollen Häuser in Bremerhaven und Kaiserslautern folgen. Schon der Deutschland-Start am 17. Oktober 1974 in Eching sorgte für einen regelrechten Ansturm, wie eine Unternehmenssprecherin sagt.

1987: Erste deutsche Filiale in München eröffnet

Von Anfang an mit im Sortiment: Das Holzregal Ivar, dessen nordisch-schlichte Optik die Kunden damals in Erstaunen versetzte. Schrankwände und Eckbänke in Eiche rustikal, mit denen man es sich bis dahin in deutschen Wohnzimmern und Küchen gemütlich gemacht hatte, suchten sie in dem neuen Möbelhaus vergeblich. Auch deshalb dürften sich von Anfang an vor allem junge Leute und Familien von Ikea angesprochen gefühlt haben, die bis heute als Kernzielgruppe des Unternehmens gelten.

Aber auch in der Branche sorgte die massive Expansion der Schweden, die auch in Niedriglohnländern fertigen lassen, für einige Unruhe. Zudem standen die Arbeitsbedingungen zeitweise in der Kritik. Die Gewerkschaft Verdi sieht aber durchaus Fortschritte bei dem Branchenprimus: Dass die Schweden seit einigen Jahren tarifgebunden sind und Betriebsräte in jedem Einrichtungshaus sowie einen Gesamtbetriebsrat haben, sei „gerade im Möbelsektor die gute Ausnahme“, lobt der Bundesfachgruppenleiter Einzelhandel von Verdi, Ulrich Dalibor.

Gewerkschaft kritisiert Personalkostendruck

Luft nach oben gebe es dennoch: Der Gewerkschafter beklagt einen stetigen Personalkostendruck, der in befristete Arbeitsverhältnisse und Teilzeitverträge münde, mit denen die betroffenen Beschäftigten häufig nicht über die Runden kämen. „Das sehen die Betriebsräte mit großer Sorge“, sagt Dalibor.

Geschäftlich können solche Stimmen Ikea kaum etwas anhaben. Mittlerweile steuern die deutschen Kunden knapp vier Milliarden Euro zum Konzernumsatz von insgesamt 28,5 Milliarden Euro bei, die Erlöse hierzulande sollen sich in den nächsten Jahren in etwa verdoppeln. Allerdings könnte das Wachstum angesichts der Standortdichte auch an Grenzen stoßen. „Es wird eng“, sagt ein Branchenkenner. Das Unternehmen müsse aufpassen, dass sich die einzelnen Ikea-Häuser nicht gegenseitig kannibalisieren.

Kein Erfolg in Deutschland: Ikea-Fertighäuser

Neue Zahlen zum Deutschland-Geschäft will das Unternehmen bei einer Pressekonferenz am kommenden Dienstag (14. Oktober) veröffentlichen. Die aktuellen politischen Krisen, die einigen anderen Branchen Kopfschmerzen bereiten, dürften den Möbelriesen aber bisher kaum sonderlich belasten. Die Unternehmenssprecherin spricht von einer stabilen Entwicklung im deutschen Markt. Schon die Finanz- und Wirtschaftskrise vor einigen Jahren hatte Ikea unbeschadet überstanden.

Eine der wenigen Niederlagen erlebte das erfolgsverwöhnte Unternehmen 2012, als die Ikea-Fertighäuser – in Skandinavien und Großbritannien durchaus beliebt – auf dem deutschen Markt floppten. Zuletzt machten die Schweden Ende August mit einem lebenslangen Umtauschrecht für ihre Produkte von sich Reden.

A propos Reden: Die vielen Klischees – vom Familienkrach beim Ikea-Einkauf über das schwedische Einerlei in Studentenbuden bis hin zum Bastlerfrust beim Aufbau von Schrank Pax oder Küche Faktum – trägt das gelb-blaue Möbelhaus mit Fassung. Es gebe eben viele Menschen, die sich für Ikea interessieren, sagt die Sprecherin. Dass das stimmt, zeigt auch ein Blick in soziale Netzwerke wie Twitter: Fast sekündlich meldet sich dort irgendwer aus der weiten Welt mit seinen ganz persönlichen Ikea-Erfahrungen zu Wort.

Fünf Fakten über das blaugelbe Möbel-Imperium:

Die Anfänge: Mit Holz hat vor Jahrzehnten schon alles begonnen. Schon als Kind handelte der heute 88-jährige Firmengründer Ingvar Kamprad mit Streichhölzern, bevor er sich 1943 gut 30 Euro Startkapital lieh und Ikea gründete. Der Name setzt sich aus Kamprads Initialen und den Anfangsbuchstaben seiner Heimatorte zusammen.

Ikea heute: Das Unternehmen hat sich zum Milliardenkonzern mit mehr als 300 Standorten und 135.000 Beschäftigten weltweit entwickelt. Allein in Deutschland hat Ikea fast 16.000 Mitarbeiter.

Nur Möbel bei Ikea? Nein – in Schweden können Kunden in einigen Filialen neuerdings auch Unfallversicherungen für Kinder und Schwangere abschließen. Bisher ist das aber nur ein Versuchsballon. Auch Fertighäuser bietet Ikea in manchen Ländern an.

Promis bei Ikea: Politiker, Schauspieler, Profisportler – auch viele prominente Kunden zieht das schwedische Möbelhaus an. Dazu gehörten einst Altkanzler Helmut Schmidt (SPD) und der frühere sächsische Ministerpräsident Kurt Biedenkopf (CDU), der sich mehrfach Rabatt von Ikea gewähren ließ und dies nach seinem Rücktritt auch einräumte.

Ikea in den Medien: Bei aller Anerkennung für den Geschäftserfolg muss sich Ikea auch immer wieder mit Kritik auseinandersetzen. Neben Kamprads Vergangenheit als Jung-Nazi in den 40er Jahren sorgte etwa der Einsatz politischer Häftlinge in der DDR für die Möbelproduktion von Ikea für Negativ-Schlagzeilen.

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