Unternehmen Japans Wirtschaft schrumpft so stark wie seit fünf Jahren nicht mehr

Japans Regierungschef Shinzo Abe (2. v. l.): Seine Politik aus lockerer Geldpolitik und Konjunkturspritzen hatte die Gewinne der Unternehmen zunächst deutlich steigen lassen.

Japans Regierungschef Shinzo Abe (2. v. l.): Seine Politik aus lockerer Geldpolitik und Konjunkturspritzen hatte die Gewinne der Unternehmen zunächst deutlich steigen lassen.© APEC 2013/Flickr/CC BY 2.0

Dass eine Anhebung der Verbrauchssteuer Japans Wirtschaft belasten würde, war klar. Aber der erwartete Einbruch fiel deutlich heftiger aus als erwartet. Auch die Investitionen von Unternehmen sind stark gesunken. Zieht die Regierung nun weitere Konjunkturspritzen auf?

Die japanische Wirtschaft ist in Folge einer Anhebung der Verbrauchssteuer so stark geschrumpft wie seit mehr als fünf Jahren nicht mehr. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) der drittgrößten Volkswirtschaft der Welt sank zwischen April und Juni um eine hochgerechnete Jahresrate von real 7,1 Prozent und brach damit noch stärker als erwartet ein, wie die Regierung am Montag bekanntgab. Zunächst hatten die Statistiker einen Rückgang um 6,8 Prozent berechnet.

Zum Vorquartal sank das BIP um 1,8 statt um 1,7 Prozent. In Marktkreisen wird nun bereits über eine mögliche weitere Lockerung der Geldpolitik sowie über neue Konjunkturspritzen spekuliert.

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Mehr als die revidierten BIP-Zahlen, die in etwa den Erwartungen entsprachen, bereiten Ökonomen jedoch die stark nach unten korrigierten Daten zu den Unternehmensinvestitionen Sorgen: Sie gingen zum Vorquartal um 5,1 und nicht wie gedacht um 2,5 Prozent zurück. Zudem waren die Lagerbestände höher als geschätzt.

Das signalisiert nach Auffassung von Ökonomen, dass die Unternehmen noch unsicher sind, ob die „Abenomics“ genannte Wirtschaftspolitik von Regierungschef Shinzo Abe langfristig tatsächlich zu einem selbsttragenden Wachstum führt. Abes Politik aus lockerer Geldpolitik und Konjunkturspritzen hatte die Gewinne der Unternehmen sowie die Aktienkurse zunächst deutlich steigen lassen.

Dies schürte die Zuversicht, dass die Wirtschaft stark genug ist, die Anhebung der Verbrauchssteuer von 5 auf 8 Prozent im April gut zu verkraften. Die Steuer ähnelt der deutschen Umsatzsteuer (Mehrwertsteuer), liegt aber deutlich niedriger.

Unerwartet schwacher Privatkonsum

Die jüngsten Daten deuten darauf hin, dass die höheren Firmenprofite bisher nicht wie erhofft die Kaufkraft der Haushalte anhebt. Zwar stiegen die Einkommen zuletzt um 1,6 Prozent, die Verbraucherpreise zogen jedoch deutlich stärker um 3,4 Prozent an. Die Ausgaben privater Haushalte sanken im Juli um 5,9 Prozent zum Vorjahr und damit stärker als befürchtet. Zudem fiel das Wachstum der Industrieproduktion im Juli mit 0,2 Prozent schwächer aus als erhofft.

Zwar gehen Ökonomen laut Japan Center for Economic Research davon aus, dass Japans Wirtschaft zwischen Juli und September wieder anziehen wird. Dennoch bereitet der unerwartet schwache Privatkonsum, der in Japan 60 Prozent zur Wirtschaftsleistung beiträgt, der Regierung Kopfschmerzen. Sollte das Wirtschaftswachstum im laufenden Quartal schwach ausfallen, könnte dies die Bemühungen der Regierung und der Notenbank erschweren, die Deflation dauerhaft hinter sich zu lassen. Manche Ökonomen halten es auch für möglich, dass die Bank von Japan die ohnehin schon extrem losen geldpolitischen Zügel schon bald weiter lockern wird.

Steigt die Verbrauchssteuer weiter?

Außerdem könnte eine schwächelnde Wirtschaft die Bemühungen um eine Gesundung der maroden Staatsfinanzen erschweren. Zwar gehen Ökonomen angesichts einer Staatsverschuldung von über 240 Prozent des BIP davon aus, dass Regierungschef Abe wie geplant die Verbrauchssteuer zum Oktober 2015 weiter von 8 auf 10 Prozent anhebt. Eine Entscheidung darüber will er Ende des Jahres treffen.

Abe wird nach Meinung von Experten jedoch vermutlich nicht umhinkönnen, eine weitere Konjunkturspritze aufzuziehen. Finanzminister Taro Aso hat bereits angedeutet, dass die Regierung einen Nachtragsetat für das bis 1. April 2015 laufende Steuerjahr schnüren könnte. Es sei wichtig, einen solchen Etat vorzubereiten.

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