Unternehmen Kampf um die Führung bei Electronic Partner

Die Auseinandersetzungen um die Führung bei Electronic Partner (EP) geht in die nächste Runde: Ex-Geschäftsführer Oliver Haubrich will den Fachhändlerverbund übernehmen und stößt auf Widerstand in der Famiile.

Der Kampf um die Führung bei Electronic Partner (EP) geht in die nächste Runde: Oliver Haubrich geht in die Offensive. Der Neffe des Verwaltungsratschefs Hartmut Haubrich arbeitet derzeit zusammen mit seinem Rechtsberater Mark Binz an einem Übernahmeangebot, das den übrigen Gesellschaftern – Oliver hält 11,7 Prozent am Unternehmen, zusammen mit seinen beiden Schwestern kommt er auf ein Drittel, der Rest teilt sich zwischen dem Familienstamm Hartmut und dem Stamm Edgar Haubrich auf – möglicherweise schon Ende Januar vorgelegt werden soll. Die Größenordnung: 300 bis 400 Mio. Euro, wie Binz avisiert. Haubrich junior hat Binz zufolge Privatinvestoren „mit unternehmerischem Hintergrund“ im Rücken.

Ob sein 71-jähriger Onkel zustimmt, ist derzeit noch völlig offen. Man habe „keinerlei Informationen über ein Übernahmeangebot“, heißt es im Unternehmen. Oliver war Anfang 2010 im Streit aus dem Unternehmen ausgeschieden, als Nachfolger holte sein Onkel mit Jörg Ehmer erstmals einen familienfremden Manager in die Geschäftsführung von EP. Neun Jahre zuvor hatte alles noch ganz harmonisch angefangen: Hartmut und Edgar, Söhne des Gründers Karl Friedrich, holten Oliver 2001 ins Unternehmen und beförderten ihn 2005 zum Chef.

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Hartmut, der als eigensinniger Patriarch gilt, habe es dann aber zunehmend nicht gefallen, dass sein Neffe eigenständige Entscheidungen traf, heißt es im Umfeld des Geschassten. Zudem legte der Junior, ein Pfarrerssohn, studierter Physiker und Ex-McKinsey-Berater, einen komplett anderen Führungsstil an den Tag: eher teamorientiert als autoritär. Bei den Mitarbeitern sei der 42-Jährige deshalb sehr beliebt, heißt es im Umfeld des Unternehmens. Auch seien dem Onkel Olivers Pläne – unter anderem der Ausbau des Internetgeschäfts – ein Dorn im Auge gewesen.

Olivers Schwester Marion steht hinter ihrem Bruder. Die Juristin sitzt nach wie vor im Verwaltungsrat von EP und stellte hier zuletzt unbequeme Fragen – sowohl zur Internetstrategie als auch zum defizitären Geschäft in Italien.

Hoffnung auf Einigung

Ein gedeihliches Zusammenwirken der Gesellschafter scheint unter diesen Bedingungen nur schwer möglich. Oliver könnte seinen Anteil zum Kauf anbieten – doch das kommt für ihn offenbar wegen ungünstiger Regelungen im Gesellschaftsvertrag nicht in Frage. Im Falle seines Ausscheidens steht ihm Binz zufolge nur eine „unangemessen niedrige“ Abfindung zu, die er für „nichtig“ hält.

Binz hofft trotzdem auf eine Einigung. Er hat Erfahrung mit Familienfehden: Beim Gummibärchenhersteller Haribo wirkte er zuletzt erfolgreich mit, eine Nachfolgeregelung für die zerstrittenen Familienstämme zu finden. „Hartmut Haubrich hat sich in der Vergangenheit zweifellos große Verdienste erworben“, sagt Binz. „Aber jetzt muss er aufpassen, dass er sein Lebenswerk nicht gefährdet.“

Noch läuft es rund: Im ersten Halbjahr 2010 verzeichnete EP einen zweistelligen Umsatzzuwachs. 2009 war der Umsatz der europaweit rund 5500 selbstständigen Fachhändler über das Verbundunternehmen allerdings um 1 Prozent auf 2,18 Mrd. Euro zurückgegangen.

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