Unternehmen Aufsichtsrat ringt um Zukunft von Karstadt

Eine Karstadt-Filiale in Düsseldorf

Eine Karstadt-Filiale in Düsseldorf© dpa

Gnadenfrist für Karstadt oder knallharte Sanierung? Das Schicksal des Essener Traditionsunternehmens ist weiter ungewiss. Auch ein mit Spannung erwartetes Treffen des Karstadt-Aufsichtsrats brachte bis zum frühen Abend zunächst keine neuen Ergebnisse.

Es wurde eine Zerreißprobe für die Nerven der rund 17.000 Karstadt-Beschäftigten. Hinter verschlossenen Türen wurde am Donnerstag bei einer Marathon-Sitzung über das Schicksal der seit Jahren ums Überleben kämpfenden Warenhauskette beraten. Auch am frühen Abend war ein Ergebnis zunächst noch nicht absehbar.

Nach dem überraschenden Einstieg des Tiroler Immobilieninvestors René Benko war das zuvor mehrfach verschobene Treffen mit Spannung erwartet worden. Bereits vor der ersten Sitzung nach dem Eigentümerwechsel war über harte Einschnitte unter den 83 Karstadt-Häusern spekuliert worden.

Anzeige

Konkrete Entscheidungen über das Schicksal der einzelnen Filialen stehen nach einem Bericht des „Handelsblatts“ (Donnerstag) jedoch ohnehin erst bei einer Sitzung im Oktober auf dem Programm. Doch nach dem erfolglosen Engagement seines Vorgängers Nicolas Berggruen rechnen Experten nun mit einem energischen Durchgreifen des neuen Eigentümers. „Benko wird einen harten Schnitt machen müssen“, so der Geschäftsführer der Managementberatung Brand Trust, Klaus-Dieter Koch.

Aufsichtsratschef stimmt Beschäftigte auf harten Sanierungskurs ein

Ob der neue Karstadt-Eigentümer persönlich angereist war, blieb zunächst unklar. Nach der Umbesetzung des Kontrollgremiums verfügt Benko jedoch über mehrere Vertraute im neuen Aufsichtsrat. Auch im Management des Warenhausunternehmens stehen nach dem Abgang der Karstadt-Chefin und einstigen Hoffnungsträgerin Eva Lotta Sjöstedt Neubesetzungen an.

Als starker Mann hinter den Karstadt-Kulissen gilt unter Beobachtern weiterhin Aufsichtsratschef Stephan Fanderl. Der Handelsexperte hatte die Beschäftigten schon vor knapp zwei Monaten unmissverständlich auf einen harten Sanierungskurs eingestimmt.

Bis zu 30 Filialen von Schließung beroht

„Es ist klar, dass Karstadt in der derzeitigen Situation alles auf den Prüfstand stellen muss. Und zwar schnell“, betonte Fanderl damals in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“. Bis zu ein Viertel der 83 Karstadt-Filialen bereiteten dem Unternehmen Sorgen und könnten vor der Schließung stehen, so Fanderl in dem Interview. In anderen Berichten heißt es sogar, dass bis zu 30 Filialen bedroht sein könnten.

Betroffen davon seien 3000 bis 4000 Mitarbeiter, hatte die „Bild am Sonntag“ unter Berufung auf Insider berichtet. Für die Gewerkschaft Verdi stehen die Zeichen bei Karstadt auf Sturm: Bei allzu heftigen Einschnitten muss sich Benko auf massiven Widerstand gefasst machen. „Eine Politik der reinen Kostensenkung ist keine Zukunftsstrategie, denn so generiert man keine wachsenden Umsätze“, sagte Verdi-Sprecherin Eva Völpel zuvor. Der Erhalt von Arbeitsplätzen müsse an erster Stelle stehen.

Hinterlassen Sie einen Kommentar

(Kommentare werden von der Redaktion montags bis freitags von 10 bis 18 Uhr freigeschaltet)

Bitte beantworten Sie die Sicherheitsabfrage (Anti-Spam-Schutz): * Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.