Unternehmen Katastrophale Arbeitsbedingungen? Zalando wehrt sich gegen Vorwürfe

Kartons von Zalando

Kartons von Zalando© Zalando

In einem Fernsehbeitrag hat der Sender RTL massive Vorwürfe gegen den Onlinehändler Zalando erhoben: Von hohem Druck auf die Mitarbeiter und ständigen Kontrollen ist die Rede. Auch im Internet wird Kritik gegen Zalando laut. Das Unternehmen ist unterdessen um Schadensbegrenzung bemüht.

Permanenter Leistungsdruck für die Lagerarbeiter, ständige Kontrollen, Laufwege von bis zu 27 Kilometern am Tag: Es sind schwere Vorwürfe, die der Fernsehsender RTL am Montagabend wegen vermeintlich katastrophaler Arbeitsbedingungen gegen den Online-Versandhändler Zalando erhoben hat.

Reporterin Caro Lobig arbeitete drei Monate lang verdeckt im Erfurter Lager von Zalando, dokumentierte dort die Arbeitsbedingungen mit versteckter Kamera. „Wir standen ständig unter Kontrolle und enormem Leistungsdruck“, berichtete die Journalistin.

Anzeige

In dem am Montag ausgestrahlten Beitrag war zu sehen, wie Lobig zwischen 18 und 27 Kilometer Wegstrecke während einer Acht-Stunden-Schicht im Lager zurücklegte, und bei einer kurzen Sitzpause von einem Vorgesetzten ermahnt wurde: „Sitzen geht gar nicht. Es ist nicht verboten, aber es ist nicht gern gesehen.“ Wenn sie mehrfach „auffällig“ werde, müsse sie im schlimmsten Fall zum Abteilungsleiter, erklärte der unkenntlich gemachte Mitarbeiter der Reporterin.

„Es vergeht kaum ein Tag, an dem dort kein Rettungswagen gerufen wird“

RTL berichtete, Mitarbeiter müssten bis zur Belastungsgrenze arbeiten. „Es vergeht kaum ein Tag, an dem dort kein Rettungswagen gerufen wird“, sagte ein Mitarbeiter eines ortsansässigen Rettungsdienstes im Beitrag des Privatsenders.

Dazu seien ständige Überwachung und Diebstahlkontrollen alltäglich. Die Arbeit der Mitarbeiter werde lückenlos erfasst: Wenn ein Mitarbeiter ein Produkt im Lager scanne, lande das direkt auf den Bildschirmen der Vorgesetzen, berichtete RTL. In den knapp bemessenen Pausen gebe es immer wieder Diebstahlkontrollen. „Am Ende ist es nicht machbar, eine erholsame Pause zu haben“, sagte ein unkenntlich gemachter Mitarbeiter.

Zalando wehrt sich gegen Vorwürfe

Zalando wehrte sich am Dienstag in einer Pressemitteilung gegen die Vorwürfe: „Aus unserer Sicht entspricht die Darstellung des Berichts in keiner Weise der Unternehmenskultur und Mitarbeiterstimmung an unseren Logistikstandorten.“ Das Unternehmen zitierte aus einer Mitarbeiterumfrage, die „ein positives Arbeitsklima“ am Standort Erfurt bestätige.

„Diese Ergebnisse und Einschätzungen unserer Mitarbeiter und unabhängiger Prüfinstitute stehen im krassen Widerspruch zu dem im Bericht gezeichneten Bild“, erklärte David Schröder, Geschäftsführer von Zalando Operations. „Wir nehmen die erhobenen Vorwürfe sehr ernst und werden selbstverständlich alle Kritikpunkte gründlich und selbstkritisch prüfen.“

Nach dem Beitrag kritisierten zahlreiche Internetnutzer den Versandhändler in sozialen Netzwerken, unter anderem auf der Facebook-Seite von Zalando finden sich viele kritische Stimmen. Das Unternehmen ist unterdessen um Schadensbegrenzung bemüht: In einer online veröffentlichten FAQ nimmt Zalando zu den einzelnen Vorwürfen Stellung.

Wie Handelsblatt Online berichtet, ist zwischen Zalando und der RTL-Reporterin Caro Lobig inzwischen ein Rechtsstreit entbrannt. Als die Tarnung der Reporterin am 28. März aufgeflogen sei, sei es zu einem Polizeieinsatz gekommen, bestätigte Zalando gegenüber dem Handelsblatt – noch am selben Tag habe man eine Anzeige eingereicht. Der Vorwurf: Verrat von Geschäfts- und Betriebsgeheimnissen. „Wir müssen verhindern, dass unsere Prozesse und Systeme, die wir zum Teil auch selbst entwickelt haben, irgendwo auf Film verfügbar sind“, sagte Zalando-Sprecher Boris Radke.

Hinterlassen Sie einen Kommentar

(Kommentare werden von der Redaktion montags bis freitags von 10 bis 18 Uhr freigeschaltet)

Bitte beantworten Sie die Sicherheitsabfrage (Anti-Spam-Schutz): * Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.