Unternehmen KfW warnt: Alterung im Mittelstand bringt Jobs in Gefahr

Bis 2017 planen die Chefs von rund 580.000 mittelständischen Firmen die Übergabe oder den Verkauf an einen Nachfolger.

Bis 2017 planen die Chefs von rund 580.000 mittelständischen Firmen die Übergabe oder den Verkauf an einen Nachfolger.© Marco2811 - Fotolia.com

Generationswechsel im Mittelstand: Binnen der nächsten zwei Jahre suchen 580.000 Unternehmer einen Nachfolger. Die Alterung hat Konsequenzen für die gesamte Wirtschaft, warnt nun die KfW.

Der deutsche Mittelstand braucht nach einer Studie dringend nachrückende Jungunternehmer. Denn das hohe Alter vieler Firmenlenker wird schon bald zu einem einschneidenden Generationenwechsel an der Spitze deutscher Mittelständler führen, wie die Förderbank KfW am Donnerstag in Frankfurt berichtete.

Nach der Analyse des Instituts planen bis 2017 die Chefs von rund 580.000 mittelständischen Firmen die Übergabe oder den Verkauf an einen Nachfolger. „Das ist jeder sechste Mittelständler in Deutschland. Etwa vier Millionen Arbeitsplätze hängen vom Gelingen dieser Unternehmensnachfolgen ab“, sagte KfW-Chefvolkswirt Jörg Zeuner.

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Alternde Unternehmenschefs investieren weniger

Der Alterungsprozess im Mittelstand hat laut KfW-Analyse erhebliche Folgen: Unternehmenschefs zögen sich mit steigendem Alter aus Investitionen zurück, zudem lasse die Innovationstätigkeit nach. „Je länger die Phase der Zurückhaltung dauert, desto stärker sinken möglicherweise die Ertragskraft und die Wettbewerbsfähigkeit“, schreibt KfW-Expertin Juliana Gerstenberger in ihrer Analyse.

Dies könne potenzielle Übernahmeinteressenten abschrecken oder einen möglichen Kaufpreis drücken. Damit könne eine negative Spirale in Gang gesetzt werden: „Der Fortbestand des Unternehmens sowie die daran gekoppelten Arbeitsplätze wären schlimmstenfalls gefährdet.“

Alterung im Mittelstand bringt Arbeitsplätze in Gefahr

Zudem investierten die älteren Firmenchefs in erster Linie in die Pflege des Kapitalstocks, kaum noch in die Kapazitätserweiterung. Dadurch sinke mit der Zeit der Wert des Unternehmens. „Je älter der Inhaber, desto wahrscheinlicher ist ein Substanzverlust“, schreibt Gerstenberger.

Damit gefährde die Alterung im Mittelstand den künftigen Geschäftserfolg, bremse die Modernisierung und reduziere das gesamtwirtschaftliche Wachstum. Bei sinkender Wettbewerbsfähigkeit seien häufig Arbeitsplätze gefährdet. „Der demografische Wandel wird die Wettbewerbsfähigkeit des deutschen Mittelstands mittelfristig stark beeinflussen“, sagte Zeuner.

„Deutschland fehlt der Unternehmernachwuchs“

Nach den Angaben sind die Inhaber von 1,3 Millionen kleinen und mittleren Unternehmen inzwischen 55 Jahre oder älter. Ihr Anteil sei seit 2002 um 16 Prozentpunkte auf 36 Prozent gestiegen. Zeuner warnte: „Die Alterung im Mittelstand findet im Zeitraffer statt.“

Das Problem dabei ist nach der KfW-Analyse, dass zu wenige Jungunternehmer nachrücken. Laut KfW sank die Zahl der Existenzgründer seit der Jahrtausendwende stark – von jährlich rund 1,5 Millionen im Jahr 2001 auf knapp 900.000 im Jahr 2013. „Deutschland fehlt der Unternehmernachwuchs“, sagte Zeuner.

Trotzdem hat sich nach der repräsentativen KfW-Mittelstandsumfrage über die Hälfte (54 Prozent) der über 60-Jährigen Firmenlenker noch keine Gedanken über die Nachfolge gemacht. Jeder Fünfte suche eine externe Nachfolge, also etwa den Verkauf an einen Mitarbeiter, an ein anderes Unternehmen oder an einen Finanzinvestor. Gut jeder Vierte (26 Prozent) strebe eine Firmenübergabe innerhalb der Familie an.

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