Unternehmen Wie Unternehmen mit dem Kita-Streik umgehen

Das Kind mit zur Arbeit nehmen, weil die Kita streikt? In einigen Unternehmen ist das möglich.

Das Kind mit zur Arbeit nehmen, weil die Kita streikt? In einigen Unternehmen ist das möglich.© bella - Fotolia.com

Tausende Kitas bleiben geschlossen, weil 40.000 Mitarbeiter kommunaler Kindertagesstätten bundesweit die Arbeit verweigern.  Bei der Kinderbetreuung ist nun der Erfindergeist von Unternehmen gefragt.

Not macht erfinderisch. Wenn Zehntausende Erzieher oder Sozialpädagogen bundesweit ihre Arbeit niederlegen, werden nicht nur Mütter und Väter unfreiwillig zu Improvisationstalenten. Auch Unternehmen und Behörden müssen sich einiges einfallen lassen, um ihren Betrieb am Laufen zu halten. Dann werden Animatoren zu Betreuer und Konferenzräume zu Spielzimmer.

Notfall-Kindergarten

„Tui – discover your smile“: Diesen Slogan hat der Reiseveranstalter sprichwörtlich in diesen Tagen in der Konzernzentrale in Hannover umgesetzt. In drei Konferenzräumen haben Mitarbeiter hier kurzerhand einen Betriebs-Kindergarten eingerichtet.

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Bis zu 50 Mädchen und Jungen basteln, malen oder tanzen in einer Kinderdisco. Die Betreuung der Zwei- bis Sechsjährigen übernehmen unter anderem auch Profis – wenngleich es die firmeneigenen Animateure sind. Beim Hamburger Versandhändler Otto können die Beschäftigten ihre Kinder ebenfalls mit zur Arbeit bringen. Hier ist auch für die Verpflegung gesorgt. Und ein Notfallservice vermittelt Tagesmütter für Kinder unter drei Jahren.

Eine improvisierte Kita hat auch Drogerieriese Rossmann in Burgwedel eingerichtet. Ein Notfallprogramm – nicht nur für die Streiktage – gibt es zudem beim Chemiekonzern BASF. Das Unternehmen wappne sich damit, falls bei einzelnen Mitarbeitern ungeplant die Betreuung ausfallen würde, hieß es.

Eltern-Kind-Büro

Was zunächst nach Mutter-Kind-Kur klingt, hat mit Erholung zunächst nichts zu tun. Eltern-Kind-Büro, das bedeutet: Mama tippt am PC, Tochter sitzt malend daneben. So etwa in der Geschäftsstelle der IHK in Stuttgart. Bei SAP, der Software-Schmiede im baden-württembergischen Walldorf, können sich Kinder auch im Büro beschäftigen oder im extra eingerichteten Nachbarzimmer herumtollen.

An einigen Standorten in NRW hat auch ThyssenKrupp Büros für Kinder hergerichtet; die Hochschule Ludwigshafen stellt ebenfalls zwei Zimmer mit Spielzeug bereit. Beim Energieanbieter EWE in Oldenburg (Niedersachsen) können Mitarbeiter außerdem ein Büro mit Spielecke buchen.

Home-Office

Wo andernorts händeringend nach einer Lösung gesucht wird, dient der Kita-Streik dem Softwareunternehmen SAP als weitere Probe für ein neues Arbeitsmodell. Über Computer können sich die Mitarbeiter von zu Hause in das Arbeitsgeschehen einklinken. Man versuche ohnehin, auf flexible Arbeitszeiten umzustellen, teilt eine Firmensprecherin mit.

Auch bei ThyssenKrupp und Eon stellen Mitarbeiter dank Home Office ihre Präsentationen vom heimischen Sofa zusammen oder wählen sich in Telefonkonferenzen ein. Das geht auch beim nordrhein-westfälischen Familienministerium. „Man hat dann natürlich ein Problem, wenn man vor Ort eine Besprechung hat“, sagt eine Sprecherin. Doch in solchen Fällen könne man das Kind auch kurzfristig ins Büro mitnehmen.

Mobiles Basislager

Für das niedersächsische Forschungsministerium ist Kinderbetreuung keine Wissenschaft. Kinderbett, Wickeltisch und Spielzeug: All die Ausstattung, die zum Kindeswohl beiträgt, finden die Mitarbeiter auch am amtlichen Arbeitsplatz. Ein auf- und abbaubares Betreuungsset macht es möglich. Damit könnten die Beschäftigten auch kurzfristig ihre Kinder zur Arbeit mitbringen, sagt eine Ministeriumssprecherin, die ihre Behörde als familienfreundlich bezeichnet. Denn die mobile Lösung sei längst vor dem Kita-Streik eingerichtet worden.

Urlaub

Die Autobauer von Opel im hessischen Rüsselsheim müssen in den Streikwochen nicht mit stressigen Notlösungen jonglieren. Die Mitarbeiter könnten unter anderem „unbürokratisch und flexibel“ Urlaub, unbezahlten Sonderurlaub oder Freischichten nehmen. Dies sei bei den Angestellten gut angekommen, sagt ein Firmensprecher.

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