Unternehmen Kaufpreis 1 Euro: Österreichischer Investor übernimmt Karstadt

Der österreichische Immobilieninvestor René Benko übernimmt über seine Firma Signa die Warenhauskette Karstadt mit 83 Filialen.

Der österreichische Immobilieninvestor René Benko übernimmt über seine Firma Signa die Warenhauskette Karstadt mit 83 Filialen. © picture alliance / ROBERT JAEGER / APA

Jetzt ist es offiziell: Der Immobilieninvestor René Benko übernimmt die angeschlagene Warenhauskette Karstadt - für nur einen Euro. Für das Unternehmen könnte der Eigentümerwechsel gravierende Veränderungen bringen.

Der einst als Karstadt-Retter gefeierte Nicolas Berggruen wirft das Handtuch und reicht die angeschlagene Warenhauskette an den Immobilieninvestor René Benko weiter. Schon Anfang kommender Woche soll der Österreicher die Kontrolle über die 83 Filialen übernehmen, wie Benkos Signa-Holding und die Berggruen Holdings am Freitag mitteilten. Auch die verbliebenen Anteile an den Karstadt-Premium-Kaufhäusern und Karstadt Sports gehen an Signa. Der Kaufpreis beträgt laut Berggruen Holdings einen Euro. Arbeitnehmervertreter hoffen, den neuen Eigentümer von ihren Sanierungsplänen zu überzeugen. Der bisherige Eigner Berggruen habe die Beschäftigten „bitter getäuscht“.

Berggruen war lange kritisiert worden, zu wenig Geld in eine Neuausrichtung von Karstadt zu investieren. Der Deutsch-Amerikaner, der Karstadt 2010 ebenfalls für den symbolischen Preis von einem Euro aus der Insolvenz übernommen hatte, will sich komplett aus dem Unternehmen zurückziehen. Der Finanzinvestor betonte, trotz aller Bemühungen sei es ihm nicht gelungen, Karstadt nach der Übernahme aus den roten Zahlen zu führen. „Wir machen daher den Weg frei für einen Neuanfang mit einem neuen Eigentümer“, wurde Berggruen in einer Mitteilung zitiert.

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Arbeitnehmervertreter hielten Berggruen zum Abschied in deutlichen Worten Versäumnisse vor. „Nicolas Berggruen und seine Beauftragten sind an einer Rettung von Karstadt in den letzten Jahren willentlich gescheitert“, sagte Verdi-Bundesvorstandsmitglied Stefanie Nutzenberger in einer Mitteilung. Statt in Karstadt zu investieren, habe Herr Berggruen mehr als 2.000 Arbeitsplätze vernichtet und Kapital aus dem Unternehmen gezogen. „Die Beschäftigten sind von diesem angeblich sozialen Investor Berggruen bitter getäuscht worden“, sagte Nutzenberger.

Benko will über tragfähige Sanierungsstrategie beraten

Der neue Eigentümer Signa hat nach Darstellung der Berggruen Holdings bislang bereits rund 200 Millionen Euro in Karstadt investiert und damit ein klares Bekenntnis zur Zukunft des Unternehmens abgelegt. Der Geschäftsführer der Signa Retail GmbH, Wolfram Keil, sagte, angesichts des bisherigen Engagements sei die komplette Übernahme der Karstadt Warenhaus GmbH in der aktuellen Lage die „logische Konsequenz“. Das Bundeskartellamt muss dem Deal noch zustimmen.

Wichtigstes Ziel sei es jetzt, dass im Warenhauskonzern Ruhe einkehre und die nächsten Schritte einer tragfähigen Sanierungsstrategie zügig beraten, verabschiedet und umgesetzt würden. Karstadt müsse „raus aus den Medien und der zermürbenden öffentlichen Diskussion“, erklärte Keil.

Der Gesamtbetriebsrat hofft, dass der neue Eigentümer die Arbeitnehmervertreter in die Sanierung einbindet. Der Betriebsrat habe Vorschläge für die künftige Strategie des Konzerns, sagte Gesamtbetriebsratschef Hellmut Patzelt dem Fachmagazin „TextilWirtschaft“. Die Warenhaus-Kette hat derzeit noch 17.000 Beschäftigte.

Hoffnungsträgerin Sjöstedt gab auf

Benko hatte sich bereits im vergangenen Jahr die Mehrheit an den lukrativsten Unternehmensteilen – den Sporthäusern und den Premium-Filialen wie dem KaDeWe – gesichert. Im Zuge der Übernahme gebe Berggruen auch seine verbliebenen Minderheitsbeteiligungen an diesen Sparten ab, hieß es in der Mitteilung, ebenso seine Beteiligungen an einzelnen Karstadt-Immobilien.

Karstadt steckt seit langem in einer Krise. Die neue Chefin Eva-Lotta Sjöstedt, die als große Hoffnungsträgerin galt, hatte Anfang Juli nach weniger als fünf Monaten ihre Platz geräumt. Sie sehe keine Basis mehr für den von ihr angestrebten Sanierungsprozess, hatte die Schwedin erklärt. In der kommenden Woche wollte der Karstadt-Aufsichtsrat ursprünglich über einen neuen Sanierungsplan beraten, der nach den Worten der Konzernführung „keine Tabus“ mehr kennen sollte.

Die Bundesregierung forderte den neuen Karstadt-Eigentümer René Benko auf, dabei die Interessen der 17.000 Beschäftigten angemessen zu berücksichtigen. „Unser Appell an den neuen Investor kann im Moment nur sein, die Arbeitnehmerseite intensiv zu beteiligen“, sagte ein Sprecher von Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD).

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