Konkurrenzkampf im Einzelhandel So wollen Amazon und Aldi kleinen Händlern die Kunden abluchsen

Keine Paletten mehr: Aldi-Süd trimmt seine Filialen auf Wochenmarkt - und sagt damit kleinen Händlern den Kampf an.

Keine Paletten mehr: Aldi-Süd trimmt seine Filialen auf Wochenmarkt - und sagt damit kleinen Händlern den Kampf an.© picture-alliance / dpa

Harte Zeiten für kleine Einzelhändler: Aldi-Süd baut Filialen im Marktstand-Stil, Amazon liefert in einer Stunde. Damit werden die Konzerne zu Konkurrenten für den Laden von nebenan.

Keine Paletten mehr, keine ollen Pappkartons und im Kassenbereich erwartet den Kunden eine Sitzecke mit Kaffeeautomat. Wer in Zukunft bei Aldi-Süd einkauft, soll sich wie auf dem Wochenmarkt fühlen. In der „Filiale der Zukunft“ leuchten LED-Strahler taghell, die Gänge sind breit. Neu ist auch ein Snackregal mit Sandwiches, Salat und gekühlten Getränken. Und wer mal muss, der geht auf die Kundentoilette. Drei Jahre hat sich der Konzern Zeit gegeben, dann – so der Plan – wird jede Filiale herausgeputzt sein.

Es ist ein neuer Frontalangriff des Discounters auf Supermärkte wie Edeka und Rewe, aber auch auf den Fleisch- und Gemüsehändler von nebenan. Weil immer mehr Kunden nicht nur auf den Preis achten, sondern sich beim Einkauf auch wohlfühlen wollen, war der der Umsatz der Discounter zuletzt weniger stark gestiegen als der der Konkurrenz: Von Neujahr bis Ostern stiegen die Umsätze der Supermärkte um 3,8 Prozent – die Discounter legten nur um 2,9 Prozent zu. Jetzt will Aldi-Süd neu angreifen und sich verlorengegangene Marktanteile zurückholen.

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Klopapier per Lieferdienst

Es ist die zweite Hiobsbotschaft für den kleineren Einzelhandel innerhalb von einer Woche. Denn auch von anderer Seite naht Konkurrenz: Zuvor hatte der Internethändler Amazon angekündigt, in Berlin Bestellungen innerhalb von einer Stunde zuzustellen. Andere Städte sollen folgen. Zum Start seien für die schnelle Lieferung rund 20.000 Artikel verfügbar, das Sortiment solle ausgebaut werden, sagte Amazon-Deutschlandchef Ralf Kleber der Nachrichtenagentur DPA.

Schaut man sich das Sortiment an, das der Kunde innerhalb einer Stunde geliefert bekommen kann, so wird klar, dass das neue Angebot eine Kampfansage auf den Händler um die Ecke ist. Denn es geht um Produkte mit einem geringeren Warenwert, die man aber, wenn sie aus sind, zeitnah braucht: Lebensmittel und Getränke etwa, oder auch das Last-Minute-Geschenk für den Kindergeburtstag. Sogar wenn das Toilettenpapier alle ist, will Amazon innerhalb von einer Stunde Abhilfe schaffen. Der Mindestbestellwert liegt bei 20 Euro.

Ober das neue Angebot aber tatsächlich erfolgreich sein wird, muss sich noch zeigen. Schließlich sollen die Amazon-Prime-Kunden für die Turbo-Lieferung 6,99 Euro mehr bezahlen.

Aldi darf nicht zu hübsch werden

Auch der Erfolg der neuen Aldi-Filialen bleibt abzuwarten. Der Discounter bewegt sich schließlich auf schwierigem Terrain. „Sie dürfen ihre DNA als Discounter nicht verlieren. Man kann sich auch zu chic machen“, sagt etwa Marketingexperte Martin Fassnacht von der Wirtschaftshochschule WHU. Lidl etwa nähere sich vom Einkaufserlebnis sich schon zu sehr den Supermärkten an: „Damit riskieren sie ihren Markenkern“, warnt Fassnacht. Wenn das weitergehe, „entfernen sie sich zu sehr von ihren Wurzeln“. Denn: „Die Leute gehen zum Discounter, weil er in ihren Augen günstig ist.“

Marktführer Aldi Süd hat sich daher Mühe gegeben, nicht zu edel zu wirken. Die Waren im Regal stehen noch in Kartons, was Holz scheint, ist teilweise Kunststoff. Kleine Einzelhändler, etwa Metzgereien, Bäcker, Kioske oder Gemüsehändler, bleibt also die Chance, sich durch besonderen Service und besondere Einkauferlebnisse im Kampf um die Kunden abzuheben.

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