Unternehmen Kreativwettbewerb: „Familienunternehmen können diskreter mit Informationen umgehen“

impulse.de stellt jeden Tag ein Plakat und die Köpfe dahinter vor. Dieses Mal: Christian Daul von Kastner & Partners.

Christian Daul (r) und sein Team von Kastner & Partners

Christian Daul (r) und sein Team von Kastner & Partners

Herr Daul, „Die nächste Generation – das nächste Quartal“ – was steckt hinter Ihrem Plakat?

Wir haben dem kurzfristigen, quartalsgetriebenen Denken von großen Konzernen die nachhaltigen Strategien von Familienunternehmen gegenübergestellt. Ein Unternehmenschef, dessen nachfolgende Generation noch von der Firma leben soll, hat in der Regel nicht den Drang, zu sagen: nach mir die Sintflut.

Optisch haben wir uns von der russischen Avantgarde der 1920er Jahre inspirieren lassen, weil sie ebenfalls eine spannende Phase war, in der das Aufeinanderprallen von unterschiedlichen Arbeitskulturen für Umbrüche sorgte.

Sie haben noch zwei weitere Plakate eingereicht…

Auf dem zweiten Plakat zeigen wir eine Biedermeier-Familie – wie ein original Ölgemälde aus dem frühen 18. Jahrhundert. Die Großfamilie sitzt bei Tisch, durch das geöffnete Fenster sieht man sehr moderne Windräder. Am Rahmen steht „Deutsche Familienunternehmen # ZukunftausTradition“ – und das auch noch mit Hashtag. Wir haben hier bewusst über drei Jahrhunderte den Bogen gespannt.

Und das dritte Plakat?

Das dritte Plakat ist ein Konstrukt in den deutschen Farben. Wenn Sie genau hinsehen, erkennen Sie die Wörter „Pass genau Land“. Das sind die deutschen Tugenden, für die vor allem Familienunternehmen stehen – und das wird oft vergessen.


Die Plakate von Kastner & Partners


Woran liegt es aus Ihrer Sicht, dass Familienunternehmen so wenig präsent sind in der Öffentlichkeit?

Zum einen sind Familienunternehmen kleiner und haben keine Publizitätspflicht. Das ist ein großer Unterschied zu den prominenten Dax-notierten Unternehmen. Das bedeutet, dass sie diskreter mit Informationen umgehen können und das auch tun. Die PR-Notwendigkeit ist also nicht so zwingend gegeben.

Ein weiterer Grund dürfte sein, dass viele mittelständisch geprägte Familienunternehmen im B2B-Bereich, beispielsweise als Zulieferer, aktiv sind. Deshalb sind die Marken beim Endkonsumenten nicht ganz so präsent.

Und Familienunternehmer wollen oftmals auch nicht so extrem in der sozialen Umgebung auffallen. Nach dem Motto: Man verdient gut, behält es aber für sich.

Welchen Unterschied sehen Sie zwischen Konzernen und mittelständisch geprägten Firmen?

Ich glaube, dass es ein höheres Bewusstsein für die Konsequenzen des eigenen Handelns und das der Firma gibt. Bei Familienunternehmen wird von vornherein überlegt, wie man bestimmte Prozesse verschwendungsarm fahren kann, weil diese auch sofort durchschlagen. Da geht es auch um Geld, das dann der Familie fehlt. Bei Konzernen gibt es oft eine gewisse Entfremdung, weil das Kapital einem unbekannten Aktionär gehört.

Ein paar Wort zu Ihrer Agentur…

Wir wurden 1982 von Johannes Kastner gegründet. Wir zählen damit zu den älteren deutschen Inhaberagenturen, das ist schon etwas Besonderes. Dadurch, dass der Gründer noch wirkt, haben wir durchaus Ähnlichkeiten zu einem Familienbetrieb. Auch die Atmosphäre ist so geprägt.

Wo soll das Plakat hängen?

Das Plakat macht an einer Stelle Sinn, wo man die beiden Ebenen – Konzerne und familiengeführte Unternehmen – tangiert. Alle Orte also, wo größeres Wirtschaften stattfindet.

 

Sie sind innovativ, bilden aus und prägen ihre Region: Familienunternehmen. Doch in der öffentlichen Wahrnehmung spielen sie bislang nur eine untergeordnete Rolle, auch als attraktive Arbeitgeber stehen sie nur selten im Mittelpunkt.

Das Hamburger Institut für Familienunternehmen, impulse und die Beratung Francis Drake Agenturnavigator wollen mit einem Kreativwettbewerb den Fokus neu justieren. 27 Agenturen haben Plakatvorschläge eingereicht. Eine Jury aus Wissenschaft und Praxis entscheidet über die besten Motive, die in impulse abgedruckt werden.

Auch Ihre Meinung ist gefragt: impulse lobt zusätzlich einen Publikumspreis aus. Auf der Website stellen wir jeden Tag ein Plakat vor. Ab dem 20. Oktober können Sie dann hier für Ihren Favoriten stimmen.

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