Netzwerktreffen bei Lambertz Was Unternehmen vom Printenbäcker lernen können

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Impulse Mitgliedern wird bei Lambertz erklärt, wie die Aachener Firma ihre Kekse produziert.

Impulse Mitgliedern wird bei Lambertz erklärt, wie die Aachener Firma ihre Kekse produziert.© Bernd Arnold

Hermann Bühlbecker hat aus dem Aachener Printenbäcker Lambertz eine internationale Süßwarengruppe geformt. Sein bestes Marketinginstrument: er selbst. Was Sie von Lambertz lernen können.

Personalisieren Sie Ihr Unternehmen

„Die stärkste Marke sind Sie selbst“, sagt Hermann Bühlbecker. Er selbst sei das einzige Werbegesicht von Lambertz. Am Anfang hätten sie schlicht kein Geld für Werbung gehabt. Trotz mittlerweile 585 Millionen Euro Umsatz sei er immer noch das einzige Testimonial. „Der Unternehmer ist die Brücke zu den Medien und bester Botschafter“, sagt der Aachener. Personalisierte Geschichten würden besser wirken und überzeugen.

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Machen Sie sich zum Gesprächsstoff

Lambertz schafft immer wieder Anlässe, die Journalisten aufgreifen. Da singt Chris de Burgh bei der jährlichen „Schoko & Fashion“-Modenschau ein Ständchen. Oder eine Spielerfrau plaudert bei ihrem Fotoshooting für den Lambertz-Kalender über die Fußball-Weltmeisterschaft – die Medienberichte folgen garantiert. Und wenn Sylvester Stallone und Arnold Schwarzenegger bei einer Pressekonferenz zu ihrem neuen Film fleißig Kekse essen und in die Mikrofone sagen, wie gut sie ihnen schmecken, dann läuft im Vorabendprogramm wieder beste Werbung für den Keksbäcker.

Dabei macht das Unternehmen – anders als die meisten anderen Süßwarenhersteller – kaum klassische Werbung. Trotzdem tauchen die Firma und in erster Linie Unternehmer Bühlbecker laufend in den Medien auf, vor allem in Klatschzeitschriften. Die typischen Lambertz-Kunden seien Frauen im höheren Alter, die zu genau solchen Blättern greifen würden, sagt Bühlbecker. Einen Werbewert von 3,5 Millionen Euro habe die letzte Party in Köln gehabt, das hätten Experten für ihn ausgerechnet. Der jährliche Kalender mit Models diene dazu, jüngere Kunden anzusprechen. „Bei Facebook schreiben uns Leute, die kennen uns nur von den Fashion-Shows und vom Kalender, die wissen gar nicht, dass wir Kekse herstellen.“

Suchen Sie Wurzeln

Lambertz war Hoflieferant für den König von Preußen und den König von Belgien. Das hat Bühlbecker zum Anlass genommen, wieder den Kontakt zu Königen und Kanzlern zu suchen. Fast jedes Unternehmen habe Wurzeln und Geschichten, die sich vermarkten ließen. „Zu unserem Marketingkonzept gehört eine enge Verbindung zu Staatspräsidenten und Königshäusern.“ Bühlbecker zeigt gern Dankesbriefe aus aller Welt.

Beim letzten G7-Gipfel bekamen die Regierungschefs von Angela Merkel eine Dose mit Lambertz-Lebkuchen überreicht. „Diesen Leuten können Sie ja nicht einfach ein Geschenk schicken, das müssen Sie schon einem Kanzler in die Hand drücken, der das dann übergibt“, sagt Bühlbecker. Als er mit 27 Jahren die Firma seiner Familie übernahm, hatte er zwar einige Erfolge im Tennis hinter sich, trotzdem kannte er keine Könige und Kanzler persönlich.

Das Netzwerk habe er sich mühsam nach und nach aufgebaut. Er pflegt Kontakte stets langfristig und tut ihnen auch mal einen Gefallen ohne Gegenleistung. Sein Kontakt ins Kanzleramt etwa reiche Jahrzehnte zurück. Ein Angestellter der deutschen Botschaft in Kolumbien habe um Gebäck für einen kleinen Weihnachtsmarkt vor Ort gebeten, Lambertz habe als einzige Firma kostenlos Lebkuchen geschickt. „Das rechne ich Ihnen heute noch an“, habe der Mitarbeiter später zu ihm gesagt, mittlerweile ist er im Kanzleramt beschäftigt. In der Vorweihnachtszeit verschenkt Lambertz Produkte für einen guten Zweck, ein Lambertz-Weihnachtsmann sei sechs Wochen in Krankenhäusern und Altersheimen unterwegs. „Keiner hat die Chance, daran vorbeizugehen.“

Netzwerken Sie in der Freizeit

„Wenn ich gestern Abend von 20 bis 21 Uhr Tennis gespielt habe, dann war das keine Freizeit“, sagt Bühlbecker. Frei hat der Unternehmer eigentlich nie. Partys und Events sind für ihn kein Abendvergnügen, sondern Arbeit am Netzwerk. Und das ist in Bühlbeckers Fall prominent besetzt. Angefangen im Kleinen beim Tennisspielen und auf Aachener Weihnachtsmärkten, hat sich Bühlbecker zielstrebig ein Netzwerk aufgebaut, zu dem Musiker, Staatschefs und Wirtschaftslenker gehören.

„Die meisten Unternehmer agieren nur in der Wirtschaft, wenige noch in der Politik“, sagt er. Zu anderen Bereichen hielten sie kaum Kontakte, etwa zu Künstlern wie Schauspielern oder Sängern. Aber genau das sei wichtig, um die eigene Marke bekannter zu machen. So viel Zeit er auch mit Prominenten und Journalisten verbringt – sein Privatleben hält Bühlbecker aus den Medien raus.

 

impulse-Magazin August 2015Ein Artikel aus der impulse-Ausgabe 08/15.

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