Unternehmen Langer Umbau: ThyssenKrupp braucht neue Strategie

ThyssenKrupp-Vorstand Heinrich Hiesinger (m.) auf der Bilanzpressekonferenz am 20. November 2014.

ThyssenKrupp-Vorstand Heinrich Hiesinger (m.) auf der Bilanzpressekonferenz am 20. November 2014.© Krupp

Hektik ist nicht die Sache von ThyssenKrupp-Chef Hiesinger. Mit ruhiger Hand hat er bislang den schwierigen Job als Krisenmanager bei dem Ruhrkonzern gemeistert. Doch nun muss eine Zukunftsstrategie her.

Vom Krisenmanager zum Konzernstrategen: Nach der Rückkehr von ThyssenKrupp in die schwarzen Zahlen muss Vorstandschef Heinrich Hiesinger dem Ruhrkonzern den Weg in die Zukunft ebnen. Doch für große Zukäufe fehlt nach Jahren mit Milliardenverlusten das Geld. Ganz unspektakulär setzt der Manager nun auf eine Stärkung der Zusammenarbeit im Konzern und erteilt dem „Silodenken“ in den Führungsetagen eine klare Absage.

Nach der Abschaffung von Firmenjet, Unternehmensjagd und Privilegien will der 54 Jahre alte Manager damit den 2011 von ihm eingeleiteten Kulturwandel in dem Traditionskonzern weiter vorantreiben. Im Zentrum stehen für ihn dabei nicht nur die Führungskräfte, sondern jeder einzelne Mitarbeiter. „Es reicht nicht, wenn der Kulturwandel nur auf einer höheren Ebene stattfindet“, so der Konzernchef. Kritik sei dabei ausdrücklich erwünscht. „Denn wer Defizite offen anspricht, trägt dazu bei, dass wir uns verändern“, sagt der Manager.

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„Bodenständig und ruhig“

Nach der Mitte der Woche vom Aufsichtsrat beschlossenen Verlängerung seines Vertrags bis 2020 ist der ehemalige Siemens-Manager nun in der Pflicht. „Für den Aufsichtsrat ist entscheidend, dass Hiesinger in der aktuellen Situation bodenständig und ruhig vorgeht“, sagt Harald Linné von der Management-Beratung Atreus. Dass ThyssenKrupp besser dastehe, habe das Unternehmen auch dem Kulturwandel in der Organisation zu verdanken.

Doch bei allen Fortschritten gibt sich der eher zurückhaltend auftretende Konzernchef alle Mühe, überzogene Erwartungen zu dämpfen. „Viele warten auf die schnelle Lösung – den Big Bang aber gibt es nicht“, mahnt er.

Nach schweren Jahren mit immer wieder verschobenen Terminen für die Vorstellung des Jahresberichts, kann sich Hiesinger in diesem Jahr über eine ganz spezielle Premiere freuen: Erstmals in seiner Amtszeit konnte der Konzern am Donnerstag pünktlich seine Jahresbilanz vorstellen.

Gewinnperspektive für Krisen-Stahlwerk

Inzwischen hat das Unternehmen seine Probleme besser im Griff – auch für das Krisen-Stahlwerk in Brasilien, das jahrelang für milliardenschwere Verluste gesorgt hatte, gibt es inzwischen eine Gewinnperspektive.

Und doch ist Hiesinger noch längst nicht zufrieden: „Unsere Bilanz ist noch nicht schön“. Immer noch hat der Konzern mehr Geld im operativen Geschäft ausgegeben als eingenommen. Weiterhin belasten 3,5 Milliarden Euro Schulden. Die Eigenkapitalquote ist die schwächste aller Industriekonzerne im Dax. Trotzdem zahlt ThyssenKrupp erstmals seit zwei Jahren wieder eine Dividende. Elf Cent soll es pro Aktie geben. Hiesinger will das als Geste des guten Willens verstanden wissen. „Es ist ein Signal, dass wir an die künftigen Ergebnisse glauben.“

Im operativen Geschäft legt Hiesinger die Latte hoch und will künftig mindestens zwei Milliarden Euro verdienen. „Das ist das Ergebnis, das wir brauchen, um Pensionen, Zinsen, Steuern und eine höhere Dividende zu zahlen und gleichzeitig in Wachstum zu investieren“. Dabei legt Hiesinger ein klares Bekenntnis zum Erhalt des Konzerns mit seinen vielen verschiedenen Sparten – vom Marineschiffbau über die Stahlproduktion bis hin zu Aufzügen und Autoteilen – ab. „Die Summe der Konzernteile schafft mehr Wert, als jeder einzelne Geschäftsbereich es jemals alleine könnte“, ist er sich sicher.

Die Aussage kann auch als Signal an den neuen Großaktionär Cevian gewertet werden. Die schwedische Beteiligungsgesellschaft verfügt seit ihrem Einstieg vor gut einem Jahr mittlerweile über rund 15 Prozent der Anteile und reklamiert nun auch einen Platz im Aufsichtsrat. Der nach der Krupp-Stiftung zweitgrößte Aktionär des Konzerns gilt als Investor, der sich aktiv in die Geschäftspolitik einmischt, um den Börsen-Wert seiner Unternehmen nach oben zu treiben. Der Druck auf Hiesinger dürfte nicht abnehmen.

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