Unternehmen Laudatio auf Stefan Fuchs: Fundamentaldaten und Fundamentalwerte

Stefan Fuchs, Vorstandschef des Mannheimer Schmierstoffkonzerns Fuchs Petrolub, ist "Familienunternehmer des Jahres 2014". Hier lesen Sie die Laudatio von impulse-Chefredakteur Nikolaus Förster.

Meine sehr geehrten Damen und Herren!

Wir ehren heute Abend einen besonderen Unternehmer – einen, der seine Firma nicht nur äußerst erfolgreich weiterentwickelt hat; er hat den Umsatz in den vergangenen zehn Jahren fast verdoppelt, den Gewinn verdreifacht –, sondern auch jemanden, dem es gelungen ist, zwei zuweilen fremde Welten miteinander in Einklang zu bringen: die Welt der Familienunternehmer – werteorientiert, traditionsreich, generationenübergreifend – und die des börsennotierten Konzerns, kapitalmarktorientiert.

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Es gibt ein Reizwort, das in den 1980er-Jahren von einem amerikanischen Ökonomen geprägt wurde und zur Jahrtausendwende auch in Deutschland Karriere machte. Es ist ein bis heute umstrittenes Konzept: Ich spreche vom Shareholder Value.

Shareholder Value – dieser Begriff wird heute oft als Synonym verwendet für kurzfristiges Profitdenken, für außer Kontrolle geratene Exzesse an der Börse, für eine Wirtschaft, in der das Geld regiert. Und sonst nichts. Dabei ist der Sachverhalt nüchtern betrachtet recht simpel, wenn man für einen Moment die Emotionen ausblendet, die der Begriff bei vielen hervorruft. Ein Fokus auf „Shareholder Value“ bedeutet nichts anderes, als dass versucht wird, den Wert der Anteilseigener zu mehren. Wo also ist das Problem?

Kurzfristige Anreize contra langfristige Interessen

Natürlich, das wissen Sie, ist dies nicht ganz so einfach – weil oft kurzfristige Anreize gesetzt werden, die einen Kurs ansteigen lassen, aber nicht immer im langfristigen Interesse eines Unternehmens sind. Selbst eine Managerikone wie der langjährige Vorstandschef von General Electric, Jack Welch, zeigte sich vor ein paar Jahren geläutert. Jahrzehntelang hatte er das Konzept des „Shareholder Value“ verteidigt – und selbst verkörpert. 2009 bezeichnete er „Shareholder Value“ dann in der „“inancial Times“ als „blödeste Idee der Welt.“ Einen stetigen Ergebnisanstieg und Steigerungen des Aktienkurses als überragendes Ziel festzusetzen, sei falsch. Shareholder-Value sei „ein Ergebnis, keine Strategie; die wichtigsten Interessensgruppen sind die eigenen Mitarbeiter, die eigenen Kunden und die eigenen Produkte.“

Und was sagt Stefan Fuchs zu Shareholder Value? Er sagt ganz einfach: „Den Begriff finde ich gut.“

Ist unser Preisträger etwa naiv, verblendet oder gar unbelehrbar? Nein, keineswegs.

Stefan Fuchs, der seit mehr als zehn Jahren an der Spitze von Fuchs Petrolub steht, weiß sehr genau, wie die Kapitalmarktmechanismen funktionieren: „Es gibt immer mal kurzfristige Themen, die eine Aktie treiben“, räumt er ein. Prognosen werden formuliert, Zwischenberichte abgegeben, Ziele formuliert – und dann passiert das, was eben passiert, wenn bereits schwache Signale eine Bedeutung erlangen: Die Kurse reagieren. Nicht nur auf das, was ist. Sondern auch auf das, was sein könnte. Was gesagt wird, was passieren könnte. Was erwartet wird, was gesagt werden könnte, was passieren könnte. Kurz: Kurse bilden die Erwartungen ab. Nur: Die Zukunft kennt keiner.

„Nur gute Fundamentaldaten überzeugen auf lange Sicht“

Und doch können auch Aktienmärkte – trotz Verzerrungen und Asymmetrien im Zugang zu Informationen – Entwicklungen präzise widerspiegeln, nicht immer, aber immer wieder. Stefan Fuchs glaubt daran, „dass nur eine nachhaltige Entwicklung auch zu nachhaltigem Erfolg an der Börse führt“. Und dann formuliert er einen entscheidenden Satz: „Nur gute Fundamentaldaten überzeugen auf lange Sicht.“

Vielleicht ist es ja das, was ein börsennotiertes Unternehmen wie Fuchs Petrolub mit der Welt der Familienunternehmen verbindet: Fundamentaldaten. Oder auch Fundamentalwerte – also das, was tiefer geht und nicht an der Oberfläche bleibt, unabhängig davon, was gerade hoch im Kurs steht.

Also lassen Sie uns einen Moment auf die Fundamentaldaten von Fuchs schauen. Jahrzehntelang wuchs die Firma: von einem kleinen Ölhändler, den Stefan Fuchs‘ Großvater Rudolf 1931 in Mannheim gründete, zu einem expandierenden Unternehmen. Der Großvater starb unerwartet früh 1959 – als sein Sohn und designierter Nachfolger, Manfred Fuchs, gerade einmal 20 Jahre alt war und noch studierte. Vertraute Prokuristen überbrückten ein paar Jahre, bis der Vater schließlich 1963 selbst übernahm – und eine starke internationale Expansion vorantrieb. Als er startete, lag der Umsatz umgerechnet bei 17 Millionen Euro. 40 Jahre später, als er an Sie, Herr Fuchs, übergab, hatte Ihr Vater beim Umsatz die Milliardenschwelle erreicht.

Die Erdölkrisen in den 1970er-Jahren

Es gab viele Schlüsselerlebnisse: Ganz wichtig wurden die Erdölkrisen in den 1970er-Jahren. Die Ölpreise und die Preise ölabhängiger Rohstoffe stiegen damals stark an. Sie blähten das Vorrats- und Forderungsvermögen der Firma so stark auf, dass Manfred Fuchs zusätzliches Kapital brauchte. Fuchs öffnete sich damals erstmals externen Kapitalgebern und entschied sich für einen Börsengang, zunächst in der Schweiz, schließlich in Deutschland – keineswegs eine Selbstverständlichkeit für einen Mittelständler Mitte der 1980er-Jahre.

Es war ein Pioniervorhaben, das sich auszahlen sollte. Seit dem Börsengang hat Fuchs seinen operativen Gewinn Jahr für Jahr, in der Regel zweistellig, gesteigert, die Verschuldung wurde zurückgeführt. Und seit Stefan Fuchs Vorstandschef ist, zog das Wachstum noch einmal stark an. Seit 2004 hat sich der Umsatz – mit inzwischen mehr als 4100 Mitarbeitern – auf 1,8 Milliarden Euro fast verdoppelt, der Gewinn verdreifacht, der Aktienkurs von 3 auf 30 Euro verzehnfacht. Und auch die Dividende steigt Jahr für Jahr.

Just am vergangenen Freitag hat Fuchs die Zahlen des dritten Quartals vorgestellt. Der Gewinn konnte erneut leicht gesteigert werden; das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) wurde auf 84,7 Millionen Euro hochgeschraubt. Ein konjunktureller Abschwung, so wie er von vielen erwartet wurde, hat sich bislang nicht niedergeschlagen. Und auch die Prognosen sind positiv. Stefan Fuchs erwartet eine Wiederholung des Rekordergebnis aus dem vergangenen Jahr: als 312 Millionen Euro (operatives Ergebnis) oder mehr. Und wie es sich für solide geführte Familienunternehmen geziemt, ist auch die Kapitalausstattung äußerst gut: Fuchs ist schuldenfrei, die Eigenkapitalquote liegt (Ende 2013) bei komfortablen 73,5 Prozent.

„Familiengeprägter Kapitalmarktkonzern“

Es sind also starke Fundamentaldaten, die Fuchs vorweisen kann. Und so ist Stefan Fuchs ein herausragendes Beispiel dafür, wie man in der Welt der vermeintlich kurzfristigen Kapitalmarktorientierung über viele Jahre hinweg kontinuierlich erfolgreich agieren kann.

Wenn man – neben dem starken Fokus auf Forschung & Entwicklung sowie der klaren strategische Ausrichtung auf eine Nische – nach einem Grund für den Erfolg sucht, so stößt man schnell auf die Grundwerte, die Stefan Fuchs und seine Familie vertreten: Fundamentalwerte.

Stefan Fuchs selbst spricht von einem „familiengeprägten Kapitalmarktkonzern“ – ein Begriff, der beiden Sphären gerecht zu werden versucht. Natürlich gibt es eine starke Prägung durch die Familie, die Stefan Fuchs – als dritte Generation – vertritt. Auch wenn die Familie „nur“ etwas mehr als ein Viertel am Gesamtkapital hält, so verfügt sie doch über die Mehrheit der Stammaktien. Und damit über die Mehrheit der Stimmrechte.

Leistung zählt, nicht Familienzugehörigkeit

Trotz dieser machtvollen Position regiert die Familie nicht durch. Dass seit zehn Jahren zum dritten Mal ein „Fuchs“ an der Spitze des Vorstands steht, ist keineswegs selbstverständlich. Nach dem Familienstatut wird nach Leistung, nicht nach Familienzugehörigkeit entschieden. Nur wer die Anforderungen tatsächlich erfüllt, hat eine Chance. Das Kalkül ist simpel: Nur wenn das Unternehmen erfolgreich agiert, lässt sich auf Dauer die Unabhängigkeit von anderen Konzernen oder Investoren sichern.

Einen wichtigen Beitrag dazu leistet auch der Aufsichtsrat, der – wie Stefan Fuchs beteuert – 100 Prozent des Kapitals vertritt, nicht nur die Familie als Mehrheitseigner. Ein Garant dafür ist der ehemalige BASF-Chef Jürgen Hambrecht, der an der Spitze des Aufsichtsrats steht – so wie auch bei der Trumpf-Gruppe. Deren Inhaber, die Leibingers, erhielten ja 2013 den Preis „Familienunternehmer des Jahres„.

Professionalität als fundamentaler Wert: Die Werteorientierung spiegelt sich auch im Leitbild („Lubricants, Technology, People“), das Stefan Fuchs 2012 veröffentlicht hat – angesichts eines weiter gewachsenen globalen Unternehmens, das weltweit an Dutzenden Standorten produziert. Während die Familie für Kontinuität und Nachhaltigkeit steht, soll das neue Leitbild „ein Wegweiser für das tägliche Handeln“ sein.

Vertrauen und Integrität

Vertrauen („Gegenseitiges Vertrauen ist die Grundlage unserer Zusammenarbeit“) und Integrität („Wir glauben an moralische Werte“) bilden die Klammer des Wertekanons.

Ein weiterer Wert lautet Werte zu schaffen – dazu gehört auch das Bekenntnis, dass jeder – wie es im Leitbild heißt – „Unternehmer im Unternehmen“ sei. Verantwortung werde an die Mitarbeiter delegiert, ihnen würden „motivierende und transparente Ziele“ gesetzt.

Ein vierte Wert lautet „Respekt“: „Wir fordern nur das, was wir auch selbst einhalten“, heißt es im Leitbild. Und: In offenen Diskussionen solle „das beste Argument gewinnen“, unabhängig von Hierarchieebenen.

Der letzte Wert schließlich ist die Verlässlichkeit: „Wir überzeugen durch persönlichen Einsatz und Leidenschaft für unser Fachgebiet. Wir leben Motivation und Höchstleistung vor“, heißt es dort. Und: „Wir sind stolz auf unsere Erfolgsgeschichte, die sich auf Leistung, innovative Produkte und herausragenden Kundenservice gründet.“ Und: „Wir sind Vorbild und leben die Unternehmenswerte“.

Übersetzung in 25 Sprachen

Stefan Fuchs hat das Leitbild in 25 Sprachen übersetzen lassen, damit alle Mitarbeiter direkten Zugang haben. In Deutschland und den USA, wo bereits die zweite und dritte Generation von Mitarbeitern im Unternehmen ist, gibt es längst eine gelebte Fuchs-Kultur. Anders sieht es in jüngeren Märkten aus, etwa in China: Dort muss solch ein Leitbild oft erst noch mit Leben gefüllt werden. „Wir sind überzeugt, dass Erfolg nur entstehen kann, wenn unsere Worte und Werte mit unserem Handeln übereinstimmen“, heißt es im letzten Satz dieses Leitbild.

Stefan Fuchs – er ist ein Unternehmer, der beides verbindet: die Professionalität eines internationalen agierenden Konzernmanagers und die Weitsicht und Empathie eines werteorientierten Familienunternehmens.

Es gibt ein drittes Element, das für Stefan Fuchs und seine Familie stets eine große Rolle gespielt hat: der Mut. Ich erinnere an das Gründungsjahr des Unternehmens: 1931, mitten in der Weltwirtschaftskrise, kurz nach dem Börsencrash 1929. Großvater Rudolf Fuchs war gerade Anfang 20 und zweifelte dennoch nicht daran, dass er von der zunehmenden Motorisierung profitieren würde. Und so startete er in Mannheim, anfangs aus einer Box des Mannheimer Schlachthofs, quasi aus dem Nichts ein Import- und Vertriebsunternehmen für hochwertige Raffinerieprodukte. Ein Auto besaß er nicht, er fuhr Fahrrad. Er hatte auch nicht viel Kapital – aber den unbedingten Willen, erfolgreich zu sein. Warum sollte es nicht möglich sein, mit herausragendem Öl den Verschleiß von Motoren zu verzögern? Der Mut zahlte sich aus. Schnell wuchs die Firma, bald stellte Fuchs die ersten Mitarbeiter ein, schaffte Lastwagen an – und begann die eigene Fabrikation.

Bescheidenheit und Zurückhaltung

Manchmal muss der Tüchtige auch Glück haben – das spielte auch in Ihrer Unternehmensgeschichte eine Rolle. Glück war, dass Sie die Farben Blau und Rot, die Farben Mannheims, zu Ihren Firmenfarben gemacht hatten. Wahrscheinlich war dies einer der Gründe dafür, warum die Mannheimer Firmenzentrale im Zweiten Weltkrieg weitgehend verschont wurde. Die Alliierten dachten offenbar angesichts der blau-roten Farben an den Eingängen und Umzäunungen, es handle sich um ein französisches Unternehmen.

Und so ergab sich nach 1945 die Chance zum Neuanfang. Wieder war Mut gefragt – auch als Ihre Familie später weitere wichtige Entscheidungen traf. Denken Sie an die starke Internationalisierung, die Zukäufe etlicher Firmen, die Öffnung für externe Kapitalgeber und natürlich den Börsengang. Schritte, die – wie wir heute wissen – richtig waren, aber die eben zum Zeitpunkt der Entscheidung großen Mut erforderten.

Sie, Herr Fuchs, haben dieses Erbe wie selbstverständlich weitergeführt, das Unternehmen weiter professionalisiert und ausgebaut und sich dabei etwas ganz Wichtiges bewahrt: eine Bescheidenheit. Auch wenn man von vielen Managern börsennotierter Konzerne gewohnt ist – Sie trumpfen nicht auf, Sie machen nicht viel Aufhebens um das, was Sie tun – auch wenn Sie guten Grund dazu hätten. Sie halten sich zurück, bleiben gerne im Hintergrund und lassen stattdessen die Fakten sprechen.

Auch das, Herr Fuchs, ist ein sympathischer Zug. Es geht eben nicht um den schönen Schein und kurzfristige Bewertungen. Es geht um das, was den Erfolg Ihres Unternehmens und Ihrer Familie im Kern ausmacht – Fundamentaldaten und Fundamentalwerte.

Herr Fuchs, im Namen der gesamten Jury gratuliere ich Ihnen zu diesem Preis. Sie sind der Familienunternehmer des Jahres 2014. Herzlichen Glückwunsch!

 


 

Redaktionshinweis: Ein großes Porträt zu Stefan Fuchs lesen Sie in der kommenden impulse-Ausgabe 12/14.

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