Laudatio auf Martin Viessmann „Ein Visionär, der im positiven Sinne ein Pedant ist“

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Martin Viessmann

Ein Visionär, der früher als viele andere sein Unternehmen auf Nachhaltigkeit ausgerichtet und in den digitalen Wandel investiert hat: Martin Viessmann, Familienunternehmer des Jahres 2016.© Heiko Meyer / impulse

Martin Viessmann, Inhaber des gleichnamigen Herstellers von Heiz- und Kühlsystemen, ist Familienunternehmer des Jahres 2016. Wofür er den renommierten Wirtschaftspreis erhält und was ihn auszeichnet, lesen Sie in der Laudatio von impulse-Chefredakteur Nikolaus Förster.

Meine sehr geehrten Damen und Herren, lieber Herr Viessmann!

Manchmal kann es ganz gut tun, in die Zukunft zu schweifen, um im Rückblick besser zu erkennen, was einen ausmacht. Lassen Sie also für einen Moment den heutigen Tag hinter sich, den 8. November des Jahres 2016. Folgen Sie mir in die Zukunft – ins Jahr 3000: Stellen Sie sich vor, wie Archäologen – ja, diese seltene Spezies wird es dann noch immer geben – in Nordhessen auf die Reste der Allendorfer Werke stoßen. Die Wissenschaftler sind angesichts der Funde fest überzeugt: Hier muss einmal die bedeutendste Papierfabrik des 20. Jahrhunderts gestanden haben. Papier, lauter Papier. Die Indizien sind überwältigend. Nur eine Sache kommt ihnen rätselhaft vor: Warum nur sind sie – um Himmels willen – an dieser Stelle auf so viele Heizkessel gestoßen?

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Die kleine nordhessische Gemeinde Allendorf, Viessmanns Firmensitz, begraben unter Papier. Warum Papier? Weil Martin Viessmanns Vater stets alles dokumentiert haben wollte. Der Tüftler und Techniker, der nach dem Krieg aus einem kleinen Handwerksbetrieb einen der größten Heizungshersteller in Europa gemacht hatte, der seine Firma durch zwei Ölkrisen führte, wollte alle Vorgänge im Blick behalten – auch als er bereits tausende Mitarbeiter beschäftigte. Nichts sollte an ihm vorbei laufen. Bitte dokumentieren! Am besten schriftlich. Auf Papier.

Sein Vater war ein Patriarch

Hans Viessmann war ein Patriarch. Als er mit 74 Jahren die Geschäfte an seinen Sohn Martin übergab, räumte er seinen Schreibtisch, verließ das Werksgelände und betrat es fortan nie mehr. Er zog sich zurück in seine bayrische Geburtsstadt Hof an der Saale. Von dort aus führte er die Kühlsystem-Sparte, die er aus dem Unternehmen ausgegliedert hatte und die er später einer Stiftung vererbte. Seine Dokumente ließ er sich aus Allendorf nach Bayern schicken: Allein seine Korrespondenz umfasste 1300 Ordner.

Als er zehn Jahre später starb, an Karsamstag 2002, zitierte der Pfarrer bei der Beerdigung Psalm 31,16: „Meine Zeit steht in Deinen Händen“. Der Geistliche erinnerte daran, wie der Tüftler und Ingenieur über Jahrzehnte hinweg ein Zeitplanbuch geführt hatte. Inspiriert vom Rationalisierungsfachmann Dr. Gustav Großmann hatte Hans Viessmann einen eigenen „Arbeitsstil“ entworfen, den er Mitte der 1960er-Jahre für alle Mitarbeiter verpflichtend einführte und später mehrmals neu kodifizierte: ein straffes Zeitmanagement, klare Aufgaben- und Ergebnisvereinbarungen, Kontrollen, schriftliche Anträge und – nicht vergessen! – bitte stets den Chef in den Verteiler nehmen!

„Ganz oben“, beschrieb der Historiker Peter Neumann die Organisationsstruktur, „ganz oben stand er selbst, der Allzuständige, darunter bewegte sich die Masse der Mitarbeiter vom Facharbeiter bis zum Prokuristen.“ Die Belegschaft glich, so der Historiker, „einer Mönchsgemeinschaft mit einem Abt an der Spitze“. Und viele deuteten die Initialen „H. V.“ für Hans Viessmann kurzerhand als Kurzform für „Heiliger Vater“.

Neumann spricht von einem „Überwachungs- und Kontrollsystem“. Dem Chef blieb das Recht vorbehalten, bei sämtlichen Entscheidungen einzuschreiten, selbst bei unwichtigen. Alles war so stark auf ihn fokussiert, dass ohne ihn schlicht keine Entscheidung fiel. Fast alles wurde schriftlich dokumentiert. Zu Zeiten, als es noch keine Mails und kein Intranet gab, bedeutete dies eine Menge Papier. Nicht überall stieß er damit auf Gegenliebe. Und so kam diese Geschichte aus dem Jahr 3000 zustande. Die Geschichte vom Papierberg.

Er führte das Unternehmen ins 21. Jahrhundert

Seitdem ist viel passiert. Was würden die Archäologen über unsere heutige Zeit, einige Jahrzehnte nach Hans Viessmann, mutmaßen? Was würde aus dem Hier und Jetzt überdauern?

Die gute Nachricht lautet: Es wird kein Papierberg sein. Papier – als Symbol für eine untergegangene alte Welt – spielt nur noch eine untergeordnete Rolle. Und statt eines einsamen Patriarchen an der Spitze, der allein alle Entscheidungen trifft, sind es die Mitarbeiter, die im Großen wie im Kleinen mitwirken. Sie sind eingebunden in die Entwicklung neuer Strategien und sorgen mit hunderttausend Verbesserungsvorschlägen im Jahr mit dafür, dass das Unternehmen dort bleibt, wo es steht: an der Spitze.

Dieser Wandel ist vor allem einem Mann zu verdanken: Martin Viessmann. Er wuchs nicht nur in die Rolle des Nachfolgers hinein, der die Tradition bewahrte. Er schuf zugleich etwas Neues, indem er das Unternehmen ins 21. Jahrhundert führte und jetzt fit macht für die Zukunft.

Er verbindet Tradition und Innovation

Wichtige Traditionen, die ihn mit seinem Vater verbinden, hat Martin Viessmann fortgeführt: etwa die starke Werteorientierung oder die Treue zum Standort Allendorf. Noch in Bayern hatte Großvater Johann 1928 den ersten Heizkessel gefertigt, nicht aus Gussteilen, wie damals üblich, sondern aus Stahl. 1938 zog die Familie ins nordhessische Allendorf – ein Glücksfall für die Region. Allein dort beschäftigt Viessmann 4000 Mitarbeiter – in einer Gemeinde mit nicht einmal 6000 Einwohnern. Zudem engagiert sich die Familie stark sozial und kulturell. Es gab auch einmal Streit, und nicht immer stand die Beziehung zwischen der Unternehmerfamilie und den jeweiligen Bürgermeistern zum Besten. Aber die Konflikte wurden beigelegt – zum Vorteil aller. Seit drei Jahren ist Viessmann gar Ehrenbürger der Gemeinde.

Mit dem Vater verbindet Martin Viessmann auch die Leidenschaft für das Fliegen. Seit Mitte der 1960er-Jahre gibt es einen eigenen Flugplatz – direkt neben dem Werk. Das Kalkül: Wenn man mitten im Nirgendwo residiert und bis zur nächsten Autobahn eine Stunde – oder länger – braucht, dann verschafft man sich auf diese Weise einen deutlichen Wettbewerbsvorteil. Man ist flexibler und kann Geschäftspartner zu Verhandlungen, Konferenzen oder Werksbesuchen einfliegen.

Auch den 1963 gegründeten Werkschor gibt es weiterhin – nur hat Martin Viessmann ihn 2013 in „Sounds of Viessmann“ umbenannt und auch Frauen zugelassen, um „dem Zeitgeist Rechnung zu tragen“, wie er sagt.

Martin Viessmann steht also in der Tradition – und hat zugleich durch viele Innovationen dafür gesorgt, dass das Unternehmen weiterhin erfolgreich ist. Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Martin Viessmann hat in seiner Zeit den Umsatz mehr als verdoppelt – auf inzwischen mehr als 2,2 Milliarden Euro. Sein Verdienst liegt vor allem darin, dass er Grundlegendes verändert hat: Er hat neue Produkte eingeführt, die Firma internationalisiert, die Fertigungsprozesse modernisiert, eine transparentere Kommunikation zugelassen und – last but not least – in die Digitalisierung investiert.

Er verhinderte, dass sein Unternehmen von den Wettbewerbern abgehängt wurde

Lassen Sie mich kurz auf die einzelnen Punkte eingehen:

Dass sich Firmen neu erfinden müssen, ist nicht ungewöhnlich. Das gilt auch für Viessmann. Standen anfangs Kohleöfen in jedem Zimmer, wanderten sie später in die Keller und wurden dann von Ölheizungen ersetzt. Die Ölkrisen in den 1970er-Jahren und ein wachsendes Umweltbewusstsein führten dazu, dass Öl zunehmend durch Gas verdrängt wurde. Angetrieben vom genialen Ingenieur Hans Viessmann entwickelte das Unternehmen bei jeder Veränderung neue Heizungskessel und erweiterte das Sortiment.

Als sich mit dem Fall der Mauer Anfang der 1990er-Jahre im Osten ganz neue Märkte auftaten, kaschierten die wachsenden Umsatzzahlen allerdings, dass Viessmann eine gefährliche offene Flanke hatte: Bereits seit einigen Jahren kauften Hausbesitzer zunehmend kompakte Gaswandgeräte, nicht mehr auf dem Boden stehende Ölheizkessel. Ihr Marktanteil stieg rasant. Es war klar: Diesen Geräten würde die Zukunft gehören. Eine gefährliche Situation, denn die Nordhessen hatten diese Geräte gar nicht im Programm, weil Hans Viessmann nicht daran glaubte. Es kam zu Meinungsverschiedenheiten zwischen Vater und Sohn, der zu diesem Zeitpunkt bereits in die Geschäftsführung berufen worden war. Aber der designierte Nachfolger konnte sich nicht durchsetzen – eine schwierige Phase. Hans Viessmann konnte einfach nicht loslassen.

Freie Hand erhielt Martin Viessmann erst 1992, nach dem Rückzug des Vaters; die anderen Geschwister hatten schon vorher, nach kurzem Intermezzo, das Unternehmen verlassen. Martin Viessmann gelang es, zügig ein konkurrenzfähiges Produkt zu entwickeln. So sorgte er dafür, dass sein Unternehmen nicht von den Wettbewerbern abgehängt wurde. „Ohne diese Wandgeräte wäre es eng geworden“, sagt er heute. Auch später bewies er eine glückliche Hand: Er schuf, als wichtiges Alleinstellungsmerkmal, Komplettangebote für jeden Anwendungsfall und jedes Budget. Den Anteil erneuerbarer Energien steigerte er auf über 30 Prozent, auch erhöhte er die Energieeffizienz: Den Verbrauch fossiler Energie senkte er in seiner eigenen Fabrik in Allendorf um zwei Drittel, den CO2-Ausstoß um 80 Prozent. So zeigt er am eigenen Standort, dass die energie- und klimapolitischen Ziele der Bundesregierung für das Jahr 2050 schon heute erreicht werden können – und zwar wirtschaftlich und mit bereits heute verfügbaren Technologien.

Er wurde zum Experten für multikulturelles Geschäftemachen

Es gab eine zweite offene Flanke: Viessmann war stark abhängig vom Heimatmarkt. Auch das war auf Dauer zu gefährlich. Ging auf dem gesättigten Markt die Nachfrage zurück, so konnte dies nicht anderswo ausgeglichen werden. So bemühte er sich um neues Auslandsgeschäft. Mit Erfolg. Er profitierte vom guten Ruf, den „Made in Germany“ im Ausland bis heute – trotz Dieselskandal – genießt und von seiner Akribie: Pedantisch arbeitete er sich ein in die Gepflogenheiten ferner Länder, wurde zum Experten für multikulturelles Geschäftemachen. War der Auslandsanteil Anfang 1992 noch sehr gering, so schraubte Viessmann ihn auf über 50 Prozent hoch – ohne dabei die Basis in der nordhessischen Heimat zu schwächen. Trotz Geschäftstätigkeit in aller Welt arbeiten in Allendorf und den anderen deutschen Standorten heute mehr Menschen als damals.

Die Internationalisierung brachte nicht nur neue Umsätze. Sie öffnete auch das Tor zu neuen Ideen. Eine seiner wichtigen Reisen führte Viessmann nach Japan, unter anderem zu einer Honda-Motorradfabrik und zu einem Wettbewerber. Dort wurde ihnen vor Augen geführt, dass sie keineswegs all ihre Kräfte auf die Wertschöpfung konzentrierten – also noch großes Potenzial hatten, wenn sie ihre Fertigung umstellen würden. Die Rüstzeiten – sie lagen anfangs zum Teil über drei Stunden – mussten kürzer, die Qualitätskontrolle besser werden. Viessmann schulte die Mitarbeiter, wandelte zunächst einzelne Arbeitsplätze, dann die gesamte Fertigung um. Das Lean Management brachte Viessmann Effizienzgewinne im zweistelligen Bereich.

Mit seinem Sohn Maximilian sog er im Silicon Valley Ideen auf

Eine andere Reise führte in den tiefen Westen: nach San Francisco, ins Silicon Valley, zu Google, aber auch zu anderen boomenden Unternehmen, beispielsweise dem Zimmervermittler Airbnb, der jetzt schon mit 30 Milliarden Dollar bewertet wird. Martin Viessmann nahm seinen Sohn Maximilian, der sich seit Jahren mit digitalen Geschäftsmodellen beschäftigt, mit auf die Reise. Sie sogen Ideen auf – und dann legten sie „den Schalter um“, wie sie sagen. Wie das eben so läuft in manchen Familienunternehmen: „wenn, dann wird der Schalter so richtig umgelegt“.

Vielleicht kann man es so beschreiben: Bis zu diesem Zeitpunkt ging es darum, die eigenen Produkte möglichst effizient herzustellen und sie diszipliniert an möglichst viele Kunden zu verkaufen. Alles musste stimmen: die Qualität der Produkte, die Vertriebskanäle, die Logistik, der Kundenservice.

Dann aber kam die Digitalisierung – und sie warf grundlegende Fragen auf. Mit einem Mal ging es nicht mehr nur noch um das „Wie viel“, sondern um das „Was überhaupt“. Welche Rolle spielt künftig die Wärme- oder Kälteerzeugung? Womit wird Viessmann in Zukunft Geld verdienen – angesichts wachsender digitaler Konkurrenz? Und wie sehen die nächsten Schritte aus, um nicht zur verlängerten Werkbank von Google & Co. zu werden?

Wie real die Gefahr ist, wurde sichtbar, als Google Anfang 2014 für mehr als drei Milliarden Dollar das Start-up „Nest Labs“ übernahm, das lernfähige Thermostate und Rauchmelder herstellt – im Apple-Design. Auch hierzulande ist längst Bewegung in den Markt gekommen, wenn man beobachtet, mit welcher Geschwindigkeit neue Geschäftsideen umgesetzt werden, beispielsweise vom Berliner Start-up Thermondo, das sich auf die Digitalisierung des Heizungswechsels spezialisiert hat: Kunden füllen auf der Website einen Fragebogen aus, Thermondo sucht dann eine passende Heizung, die CO2-Emissionen spart. Bislang sind die Berliner nur in einzelnen Regionen präsent, bald aber werden sie ganz Deutschland abdecken. Ihr Wachstum in den vergangenen beiden Geschäftsjahren: 650 Prozent. Die Digitalisierung hat die Hürden für Angreifer kleiner werden lassen: Es kann jederzeit passieren, dass neue Start-ups vermeintlich etablierte Geschäftsmodelle angreifen.

Wie also geht das Familienunternehmen mit diesen Veränderungen um? Welche Rolle kann Viessmann einnehmen, wenn sich Hard- und Software zunehmend miteinander verbinden – Stichwort „Big Data“, „Internet der Dinge“ oder „Smart Home“? Und welche Tools kann Viessmann beispielsweise Handwerkern zur Verfügung stellen?

Er erkannte die radikalen Veränderungen – und zog Konsequenzen

Viessmanns Reaktion ist ungewöhnlich, aber intelligent: Wenn schon jemand sein Geschäftsmodell zerstören will, dann doch lieber jemand aus der eigenen Familie! Und so rückte der Sohn auf den Posten des „Chief Digital Officer“. Mit voller Rückendeckung des Vaters nimmt er sich des Themas an und treibt es voran. Dazu arbeiten sie mit einem Venture-Capital-Fonds und einem Company Builder zusammen, um auch auf diese Weise besser zu verstehen, was sich in den digitalen Märkten tut. Dass ein Familienunternehmen mit dieser Tradition so offensiv das Thema Digitalisierung für sich entdeckt, ist äußerst selten – und vorbildhaft.

Die Digitalisierung zwingt zu einem kulturellen Wandel und einem Umdenken – auch über die Art und Weise, wie gearbeitet und kommuniziert wird, weg von straffen Organisationsformen hin zu neuen Freiräumen. Wie können Informationen schneller und transparenter fließen? Mehr Vertrauen, weniger Hierarchie – auch das ist eine Abkehr von dem, was Viessmann lange ausgemacht hat.

Vielleicht ist es eine der größten Leistungen von Martin Viessmann, dass er die radikalen Veränderungen in seiner Branche nicht nur früher als andere erkannt hat, sondern daraus auch handfeste Konsequenzen gezogen hat. Eine Selbstverständlichkeit ist dies nicht – für einen Visionär, der im positiven Sinne ein Pedant ist: Sein Unternehmen war jahrzehntelang vollständig auf Perfektion ausgerichtet, in der Produktion durfte es keinen Fehler geben. Keinen. Alles musste seine Ordnung haben.

Und nun die Digitalisierung – in der die Geschwindigkeit die Genauigkeit übertrumpft, in der niemand weiß, was in ein paar Jahren sein wird. Für diese neue Phase muss Viessmann nicht nur anders arbeiten, sondern sich auch – zumindest in Maßen – von einem überzogenen Perfektionsanspruch verabschieden. Man muss auch einmal Dinge ausprobieren und „fehlertoleranter werden“, wie Martin Viessmann selbst sagt. Er hat begriffen, dass jetzt andere Regeln gelten. „Wir müssen uns im Zuge der Digitalisierung neu justieren“, sagt er. Dass er das mit Mitte 60 nicht nur akzeptiert, sondern geradezu befeuert, ist bemerkenswert. Rennrodler Georg Hackl, der dreimalige olympische Goldmedaillengewinner, der wie viele andere Wintersportler durch Viessmann gefördert wurde, sagt: „Martin Viessmann ist im Wesen ein Leistungssportler. Er versucht in seinem Unternehmen immer, alles zu optimieren, alles weiter zu entwickeln, um dann das Maximale herauszuholen.“

Er ist zurückhaltend, bodenständig und bescheiden

Dies gilt auch in Sachen Digitalisierung, die starre Strukturen auflöst und neue Kommunikationswege ermöglicht. Die Digitalisierung – sie ist ein Transformator, der alles ergreift: die Produkte, die Prozesse, die Vertriebskanäle, die Arbeits- und Denkweisen, die Firmenkultur. Und so überrascht es nicht, dass Martin Viessmann bei der jüngsten Überarbeitung der Unternehmenswerte zwei neue hinzugefügt hat: „Agilität“ und „Unternehmertum“ – als kritische Erfolgsfaktoren in der digitalen Welt. Kreativität und Eigenverantwortung sollen gestärkt werden – als Voraussetzung, um die Innovationskraft und die schnelle Umsetzung guter Ideen zu fördern.

Dazu gehört auch eine neue Kultur des Experiments: Ja, es ist gut, Neues auszuprobieren und mutige Projekte zu starten. Und, ja, es ist auch okay, einmal zu scheitern, nur sollte dies im Fall des Falles nicht zu lange hinausgezögert werden – nach dem Motto: „Fail fast!“ Scheitere schnell! Dazu passt auch der Claim, den Viessmann vor zehn Jahren neu eingeführt hat. Er heißt nun: „climate of innovation“. Viessmann, so der Anspruch, schafft nicht nur angenehme Temperaturen – nicht zu warm und nicht zu kalt –, sondern auch ein fruchtbares Innovationsklima.

So radikal der Wandel auch sein mag, den Martin Viessmann angestoßen hat, er selbst lässt sich meist kaum etwas anmerken. Er ist zurückhaltend, trotz seiner Flugleidenschaft bodenständig und bescheiden: Was für seine Geräte gilt, gilt auch für ihn selber: Man muss erst den richtigen Schalter finden, bis er warm wird. Aber dann – seien Sie sicher – dann können Sie sich darauf verlassen, dass er mit großer Leidenschaft bei der Sache ist.

Er hat das Starre aufgebrochen, ohne die eigenen Traditionen zu verleugnen

Was also – um auf unsere Anfangsgeschichte zurückzukommen – werden die Archäologen im Jahr 3000 in Allendorf finden? Ja, keine Papierberge, wohl auch keine Heizkessel mehr, so wie wir sie heute kennen. Was aber dann?

Die gute Nachricht ist: Es fällt ziemlich schwer, eine Antwort auf diese Frage zu finden. Denn das Unternehmen Viessmann ist – im guten Sinne – unberechenbar geworden. Und damit überlebens- und zukunftsfähig. Aus Hans Viessmanns Unternehmen, das zwar Jahrzehnte lang stark wuchs, den eigenen Spielraum aber zugleich zunehmend einengte, weil alles auf den Patriarchen ausgerichtet war, wurde ein lebendiges, sich schnell veränderndes Unternehmen. Genau dies ist das Verdienst von Martin Viessmann. Er hat, ohne die eigenen Traditionen zu verleugnen, das Starre aufgebrochen – auf allen Ebenen. Eine Meisterleistung, die nur wenigen Familienunternehmern in dieser Konsequenz gelungen ist.

Lieber Martin Viessmann, Sie sind ein Vorbild für viele andere! Gemeinsam mit Dominik von Au, dem Geschäftsführer der INTES Akademie für Familienunternehmen und unserem Gastgeber des heutigen Abends, sowie im Namen der gesamten Jury gratuliere ich Ihnen: Sie sind der Familienunternehmer des Jahres 2016! Herzlichen Glückwunsch!

1 Kommentar
  • Dieter-Georg JOSCHKO 9. November 2016 16:44

    Eine excellent recherchierte Laudatio mit viel Charm formuliert; für einen Unternehmer der es mit Weitblick mehr als nur verdient hat!
    Von dieser „VIESSMANN-Kultur“ braucht unser Land noch deutlich mehr……. Unternehmen.
    Eine glückliche und erfolgreiche Hand für die nächste Generation und dem neuen Visionär Maximilian Viessmann.
    Man(n) / Frau kann nur stolz sein in einem solchen Familienunternehmen zu arbeiten.
    mit luftigen Grüßen aus dem vorderen Odenwald

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