Recht + Steuern Kennzeichnungs-Pflicht: Diese neuen Regeln gelten jetzt für Lebensmittel

Für Allergiker war es bislang oft ein Risiko, neue Produkte einzukaufen und auszuprobieren. Mit den neuen Kennzeichnungsplichten soll ihre Ernährung sicherer werden.

Für Allergiker war es bislang oft ein Risiko, neue Produkte einzukaufen und auszuprobieren. Mit den neuen Kennzeichnungsplichten soll ihre Ernährung sicherer werden.© shutterstock/ Lisa S.

Ist das Fleisch auf der Tiefkühlpizza wirklich Schinken oder nur billiges Klebefleisch? Die EU reagiert auf die vielen Lebensmittelskandale der letzten Jahre und verlangt seit Samstag eine bessere Kennzeichnung auf Verpackungen. Auch Allergiker sollen besser über Inhaltsstoffe informiert werden. Was sich ändert – und warum die neuen Regeln bei Gastronomen auf Gegenwehr stoßen.

Können Haselnussspuren in den Keksen sein? Wann wurde der Fisch eingefroren? Ist der Käse auf der Tiefkühllasagne wirklich Käse oder ein Billigimitat aus Pflanzenöl?

Die Lebensmittelindustrie soll für mehr Klarheit sorgen, das verlangen seit diesem Samstag (13.12) EU-weite Vorschriften.

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Die wichtigsten neuen Regeln im Überblick:

Allergie-Kennzeichnung: Die 14 wichtigsten allergieauslösenden Stoffe müssen in der Zutatenliste hervorgehoben werden, zum Beispiel glutenhaltige Getreide oder Sojabohnen. Bei loser Ware wie beim Bäcker können Kunden auch mündlich informiert werden. Eine schriftliche Dokumentation muss aber verfügbar sein.

Lebensmittel-Imitate: Wenn ein Ersatzstoff verwendet wird, muss er direkt neben dem Produktnamen genannt werden – zum Beispiel wenn Pflanzenfett statt Käse als Pizzabelag dient.

Pflanzliche Öle: Bei raffinierten pflanzlichen Ölen und Fetten muss der Ursprung genannt werden – also nicht nur „Pflanzenfett“, sondern „Pflanzenfett (Kokos)“.

Fleisch und Fisch I: Wenn ein Fleischprodukt etwa mit Enzymen aus kleinen Teilen zusammengeklebt wurde, muss aufs Etikett „aus Fleischstücken zusammengefügt“. Das gilt auch für Fischprodukte.

Fleisch und Fisch II: Falls Fleisch oder Fisch mit so viel Wasser aufgespritzt wurde, dass es mehr als fünf Prozent des Gewichts ausmacht, muss dies auf der Packung vermerkt sein. Das gilt nur für Fleisch- oder Fischstücke, die aussehen, als ob sie ein Teil eines Tierkörpers sind – also nicht für Wurst, Pastete oder Fischklöße.

Tiefkühlkost: Bei Fisch und Fleisch muss in einem Aufdruck „eingefroren am…“ das Datum genannt werden.

Nano: Produkte können zugesetzte winzige Nanopartikel enthalten, etwa um Stoffe besser löslich zu machen. Dann muss künftig hinter dem Inhaltsstoff das Wort „Nano“ aufgedruckt werden.

Schriftgröße: Bei Pflichtangaben wie den Zutaten müssen die gedruckten Buchstaben mindestens 1,2 Millimeter groß sein, bei kleineren Packungen mindestens 0,9 Millimeter groß.

Internet: Bei online angebotenen verpackten Lebensmitteln müssen alle Pflichtangaben wie Zutaten, Allergieauslöser und Füllmenge vor dem Kauf-Klick einsehbar sein – das Mindesthaltbarkeitsdatum ausgenommen.

Regeln gelten auch für Bäcker, Metzger und Gaststätten

Die neuen Regeln gelten auch für unverpackte Ware, die über die Theke verkauft werden, etwa beim Bäcker oder Metzger. Diese können die Verbraucher über Allergene jedoch auch mündlich aufklären, wenn die Informationen in Schriftform vorliegen. Darauf muss mit einem Schild an der Theke hingewiesen werden, dasselbe gilt auch für Gaststätten. Bislang hatten Bäcker, Metzger und Gastronomen nur auf Zusatzstoffe wie Geschmacksverstärker oder Konservierungsmittel hinweisen müssen. Der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) hatte wegen des Mehraufwands versucht, die Kennzeichnungspflicht zu verhindern.

Welche Ausnahmen gelten

Um einen neuen Bürokratiewahnsinn zu vermeiden, kennen die neuen Regeln jedoch auch Ausnahmen. Wenn Eltern für die Kita oder den Sportverein einen Salat machen oder Kuchen backen, greifen diese Allergie-Kennzeichnungsvorgaben nicht. Denn der „Verkauf von Lebensmitteln durch Privatpersonen“ und der gelegentliche Umgang damit sind von den neuen Regeln ausdrücklich ausgenommen. Für Wohltätigkeitsveranstaltungen sowie „Märkte und Zusammenkünfte auf lokaler Ebene“ gelten die Auflagen nicht, wie im EU-Gesetz steht.

Dürfen alte Verpackungen noch verkauft werden?

Mit einer schlagartigen Änderung am Stichtag 13. Dezember ist übrigens nicht zu rechnen. Der Handel darf vorhandene Packungen abverkaufen, manche Hersteller haben Aufdrucke schon vorab umgestellt. Und weitere Neuregelungen folgen. Ab 1. April müssen auch bei unverarbeitetem Fleisch von Schwein, Schaf, Ziege und Geflügel die Orte der Aufzucht und der Schlachtung angegeben werden wie schon bei Rindfleisch. Ab 2016 wird eine Nährwerttabelle Pflicht- etwa zu Salz, Fett und Zucker. Diskutiert wird auch über Vorgaben für vegetarische und vegane Produkte, wie es von der Lebensmittelbranche heißt. Etiketten werden also sicher nicht zum letzten Mal geändert.

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