Unternehmen Legendäre Automarke Borgward feiert Comeback

Ein Borgward Isabella, Baujahr 1959/60, bei einem Borgward-Treffen in Andernach.

Ein Borgward Isabella, Baujahr 1959/60, bei einem Borgward-Treffen in Andernach.© Lothar Spurzem/Wikimedia Commons 2.0

Vor mehr als einem halben Jahrhundert ging der Autobauer Borgward pleite. Nun will der Enkel des Firmengründers die damals legendäre Marke reanimieren – und bald bis zu 800.000 Autos pro Jahr verkaufen. Experten sind skeptisch, ob der ehrgeizige Plan tatsächlich aufgeht.

Christian Borgward hat sich auf dem Autosalon in Genf einen Traum erfüllt. Mehr als ein halbes Jahrhundert nach der Pleite des Autobauers Borgward verkündete der Enkel des Firmengründers Carl F. W. Borgward am Dienstag das Comeback der Marke. „Der Relaunch von Borgward ist ein Kindheitstraum von mir, der nun Realität wird“, sagte er.

Schon seit Anfang des Jahrtausends feilt er an der Wiederbelebung – zusammen mit Karlheinz Knöss, einst Manager bei General Motors und Daimler. Das erste neue Modell soll im September auf der IAA in Frankfurt präsentiert werden: ein sportlicher Geländewagen (SUV). Die Ziele sind ehrgeizig: Bis 2020 will der Hersteller Knöss zufolge weltweit 800.000 Autos pro Jahr verkaufen, 2025 sollen es schon doppelt so viele sein. Die Zentrale kommt nach Stuttgart.

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Bereits in den 1950er-Jahren war Borgward eine Erfolggeschichte – allerdings ohne Happy End. Firmengründer Borgward, der bis heute als genialer Konstrukteur gilt, brachte zunächst kleine Autos wie den Lloyd LP 300 mit Sperrholzkarosserie auf den Markt, später waren es Oberklassewagen wie der Hansa 2400. Im Rampenlicht stand besonders das Modell Isabella, das als Vorzeigestück deutschen Automobildesigns gilt. Nach einem rasantem Abstieg aber ging Borgward 1961 pleite.

Kann der einstigen Vorzeige-Marke Borgward wieder dauerhaft Leben eingehaucht werden?

Künftig soll das Auto in Deutschland und anderen wichtigen Märkten produziert werden. Knöss zufolge hat Borgward internationale Partner, darunter auch den chinesischen Hersteller Foton, der im Lkw-Bereich bereits ein Gemeinschaftsunternehmen mit dem Autobauer Daimler hat.

Deutsche Experten sind allerdings skeptisch, ob Bordward der Marke wieder dauerhaft Leben einhauchen kann. „Es geht um sehr viel Geld, um so eine Marke zu etablieren. Das sind Milliarden-Investitionen, wenn man es richtig machen will“, sagt Autoexperte Stefan Bratzel vom Center of Automotive Research an der Hochschule Bergisch Gladbach. „Eine Luxusmarke lebt ja vom Status und den muss man erstmal wieder etablieren.“

„Wir sind für Jahrzehnte solide aufgestellt“

Mit einem Wiederbelebungsversuch scheiterte jüngst etwa der Motorradhersteller Horex – ebenfalls ein großer Name aus der Wirtschaftswunderzeit. Die Marke hatte 1956 ihre Produktion eingestellt und wurde 2010 neu gegründet. 2014 meldete Horex Insolvenz an.

Borgward will künftig unter anderem mit neuester Technik punkten: Man arbeite an einem „hochmodernen E-Mobilitätssystem“, hieß es. Auch die Vernetzung der Autos sei ein wichtiges Thema. „Ein Borgward wird zum persönlichen Assistenten und Begleiter, der unterhält, informiert und sich um seinen Fahrer kümmert“, teilte das Unternehmen mit.

Offen bleibt freilich, ob das reicht, die Marke wieder zu etablieren, oder ob sich Geschichte wiederholt. Knöss indes betonte in Genf: „Wir sind für Jahrzehnte solide aufgestellt.“

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