Recht + Steuern Leserfrage: Ab wann sind Unternehmer umsatzsteuerpflichtig?

impulse will Einzelunternehmer unterstützen. Deshalb beantworten wir zusammen mit Experten Ihre Fragen rund um das Thema Selbstständigkeit. Dieses Mal geht es um die Frage, ab wann Unternehmer unter die Umsatzsteuerpflicht fallen.

Die Leserfrage: Ich bin als Vermittler von Finanzdienstleistungen von der Umsatzsteuer befreit. Nun möchte ich jedoch ein Netzwerk übernehmen, das aktuell durch eine GbR betrieben wird. Durch das Netzwerk fallen Jahresgebühren zuzüglich Mehrwertsteuer zu meinen Gunsten an. Falle ich damit wieder unter die Umsatzsteuer? Muss ich für die Übernahme des Netzwerks eine GmbH gründen?

Die Antwort des Experten: Ob Sie unter die Umsatzsteuer fallen, d.h. mit Ihren Leistungen umsatzsteuerpflichtig sind, hängt von der einzelnen Leistung ab. Die Übernahme und das „Innehaben“ des Netzwerks haben auf umsatzsteuerliche Behandlung Ihrer Vermittlungstätigkeit im Finanzdienstleistungsbereich grundsätzlich keine Auswirkungen. Entscheidend ist allein, ob Ihre Vermittlungstätigkeit die Voraussetzungen für die Steuerfreiheit erfüllt. Ist dies, wie bislang, der Fall, bleiben Ihre Vermittlungsumsätze weiterhin umsatzsteuerfrei. Dies ändert sich auch dann nicht, wenn Sie neben diesen umsatzsteuerfreien Leistungen weitere, ggfs. Umsatzsteuerpflichtige, Leistungen, z.B. an das Netzwerk erbringen. Für umsatzsteuerliche Zwecke hätten Sie als Einzelunternehmer dann ein einheitliches Unternehmen mit zwei Leistungsbereichen, eine umsatzsteuerfreie Finanzmaklertätigkeit und eine umsatzsteuerpflichtige Dienstleistungserbringung.

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Leistungen im oder gegenüber dem Netzwerk sind von den Vermittlungstätigkeiten separat zu beurteilen. Fallen diese Leistungen nicht unter einen Befreiungstatbestand, müssen Sie für diese Leistungen Umsatzsteuer abführen. Bleiben die gesamten umsatzsteuerpflichtigen Umsätze, vereinfacht ausgedrückt, unter EUR 17.500 im Jahr, können Sie die sog. Kleinunternehmerregelung in Anspruch nehmen und müssten für diese Umsätze keine Umsatzsteuer abrechnen und abführen. In die Berechnung des Gesamtumsatzes für die € 17.500-Grenze sind Ihre steuerfreien Umsätze aus der Vermittlung von Finanzdienstleistungen i.d.R. nicht einzubeziehen.

Aus den Eingangsrechnungen, die unmittelbar mit umsatzsteuerpflichtigen Leistungen zusammenhängen, können Sie die Vorsteuer voll geltend machen. Dagegen können Sie aus Eingangsrechnungen, die unmittelbar der umsatzsteuerfreien Vermittlungstätigkeit zuzurechnen sind, nach wie vor keine Vorsteuer abziehen. Betreffen Eingangsrechnungen sowohl den umsatzsteuerfreien als auch den umsatzsteuerpflichtigen Bereich bzw. Eingangsleistungen nicht unmittelbar zugeordnet werden (z.B. allgemeine Verwaltungskosten wie Telefon oder Strom), kann die Vorsteuer in Höhe des prozentualen Anteils der umsatzsteuerpflichtigen Umsätze am Gesamtumsatz geltend gemacht werden. Insoweit resultiert aus den neu hinzukommenden umsatzsteuerpflichtigen Umsätzen sogar ein umsatzsteuerlicher Vorteil, da aus bestimmten Eingangsrechnungen nun ein anteiliger Vorsteuerabzug möglich ist.

Die Gründung einer GmbH ist aus rein umsatzsteuerlicher Perspektive nicht notwendig. Es können aber ggf. andere (steuerliche und außersteuerliche) Argumente für die Gründung einer GmbH sprechen (steuerliche Gesamtbelastung, Beteiligung eines Investors, leichtere Veräußerbarkeit des Netzwerks etc.). Das kann sinnvoll jedoch nur unter Abwägung aller Gesamtumstände entschieden werden.

 

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kaikoenigKai König ist geschäftsführender Gesellschafter der Dornbach GmbH Rechtsanwaltsgesellschaft und der Dornbach GmbH Wirtschaftsprüfungsgesellschaft-Steuerberatungsgesellschaft in München. Er berät schwerpunktmäßig mittelständische Unternehmen und Unternehmen der öffentlichen Hand bei rechtlichen Fragen aus dem unternehmerischen Bereich.

 


 

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