Unternehmen Liefern statt Schleppen: Wenn der Paketbote den Weihnachtsbaum bringt

Guido Veth, Gründer des Online-Shops meinetanne.de, in seinem Weihnachtsbaumlager in Berlin. Veth betreibt den Online-Shop seit diesem Jahr.

Guido Veth, Gründer des Online-Shops meinetanne.de, in seinem Weihnachtsbaumlager in Berlin. Veth betreibt den Online-Shop seit diesem Jahr.

Nicht nur Klamotten, Schuhe und Spielzeug werden zu Weihnachten gern im Internet bestellt. Auch der Christbaum ist nun online zu haben. Auf die Idee kam Gründer Guido Veth nach einem frustreichen Weihnachtsbaumkauf.

Sie werden charmant als „Fiete“, „Greetje“ oder „Michel“ angepriesen. Wer in der Vorweihnachtszeit seinen Christbaum nicht durch die halbe Stadt schleppen mag, kann ihn inzwischen auch bequem im Internet bestellen. Dann kann sich der Spediteur oder Paketzusteller damit plagen, die Ware – wie vom Kunden gewünscht – direkt vor die Tür zu stellen. Mittlerweile gibt es zahlreiche Anbieter im Netz. Bei einigen kann der Christbaum sogar komplett geschmückt inklusive Lichterkette geordert werden.

Der gerade frisch gegründete Berliner Online-Versand „meinetanne.de“ will in diesem Jahr mindestens 10.000 Bäume absetzen. Die Idee für sein Weihnachtsbaum-Start-up kam Firmengründer Guido Veth im vergangenen Jahr, als er völlig entnervt ohne Auto einen Christbaum quer durch Berlin transportieren musste. „Bei uns kommt der Baum in den Versandkarton. Dann gibt es keinen Ärger mit Nadeln im Auto oder zerstochenen Händen.“

Anzeige

Der Kunde kann die Bäume auch an Familienmitglieder, Freunde, Kollegen oder Geschäftspartner liefern lassen. Geliefert wird in drei verschiedenen Größen – 130, 150 und 170 Zentimeter – innerhalb von zwei bis drei Werktagen. „Und das bis in jede Ecke der Republik“, verspricht Veth, der schon länger im Online-Geschäft tätig ist.

Wird der Lieferdienst sogar zum Exportschlager?

Sein Partner ist ein Landwirt in Schleswig-Holstein. Die Bäume – überwiegend Nordmanntannen – werden nahe der dänischen Grenze aufgezogen. Für den Online-Vertrieb werden sie schon Wochen vorher ausgesucht. Der Versand kostet pauschal 9,90 Euro.

Für „Santa Fidi“ ist dieses Jahr die zweite Saison. Geschäftsführer Christian Fiedler hatte 2013 den Weihnachtsbaumbestand der insolventen Baumarktketten Max Bahr und Praktiker übernommen. „Da suchten wir recht kurzfristig nach neuen Absatzwegen und kamen auf die Online-Idee.“ Mit mittlerweile vier Mitarbeitern koordiniert Fiedler von Hamburg aus das Geschäft. Im kommenden Jahr will er sich „internationalisieren“. Dann sollen deutsche Weihnachtsbäume via Internet auch nach Paris oder in andere europäische Großstädte geliefert werden. 

Rund 24 Millionen Christbäume werden in Deutschland jedes Jahr verkauft, davon gut 21 Millionen an private Haushalte, schätzt Hans-Georg Dressler vom Verband der Weihnachtsbaum- und Schnittguterzeuger. Gut 700.000 Bäume „made in Germany“ werden ins Ausland verkauft, nach Polen, Irland, Großbritannien und Frankreich. Einige gehen sogar nach Ägypten, Kenia oder Dubai.

Was ein Weihnachtsbaum dieses Jahr kostet

Im Inlandsgeschäft liege der Umsatz stabil zwischen 450 und 480 Millionen Euro. „In den vergangenen drei Jahren hat sich bei den Absatzpreisen so gut wie nichts bewegt“, betont Dressler. So koste die bei den Deutschen so beliebte Nordmanntanne weiterhin zwischen 16 und 22 Euro pro Meter. Die Christbaumtrends gehen in zwei Richtungen: Entweder zünftig bei Glühwein und Plätzchen in der Plantage selber schlagen oder praktisch und bequem im Internet vor die Tür bestellen.

Deutschlandweit gibt es rund 2000 Erzeugerbetriebe. Die meisten Tannen werden im Sauerland angebaut. Viele Bäume stammen außerdem aus Niedersachsen, Schleswig-Holstein, Bayern und Baden-Württemberg. Der Markt wird mittlerweile von der Nordmanntanne dominiert (80 Prozent). Die Kunden schätzen sie, weil sie ihre schön grün glänzenden Nadeln kaum verliert. Blaufichten haben nur noch einen Marktanteil von 15 Prozent. „Ansonsten geht noch ein bisschen Rotfichte und Nobilis“, erläutert Dressler. 

Die Branche zählt insgesamt zwischen 15.000 und 20.000 Beschäftigte. Der Baumverkauf vor Weihnachten ist inzwischen eine logistische Herausforderung. Bei manchen Betrieben verlassen pro Tag einige zehntausend Bäume auf riesigen Lastwagen den Hof. Im Online-Geschäft sprechen die Zusteller allerdings noch von überschaubaren Mengen. „Bei uns werden nur Bäume bis 1,20 Meter als Paket verschickt. Alles andere geht per Spedition auf Sendung“, heißt es beim DHL-Paketdienst.  

Hinterlassen Sie einen Kommentar

(Kommentare werden von der Redaktion montags bis freitags von 10 bis 18 Uhr freigeschaltet)

Bitte beantworten Sie die Sicherheitsabfrage (Anti-Spam-Schutz): * Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.