Unternehmen Litauen darf 2015 den Euro einführen – trotz Risiken

Die Flagge der Europäischen Union.

Die Flagge der Europäischen Union.© MPD01605/Wikimedia Commons/Lizenz: CC BY-SA 2.0

LItauen ist reif für den Euro: Zum 1. Januar 2015 kann das Land nach Ansicht der EU-Kommission und der Europäischen Zentralbank den Euro einführen. Die Währungshüter warnen allerdings auch vor Risiken.

Die Eurozone wächst weiter: Litauen kann nach Auffassung der EU-Kommission zum 1. Januar 2015 den Euro einführen. Das baltische Land erfülle die Beitrittskriterien, teilte die EU-Kommission am Mittwoch in Brüssel mit. Auch die Europäischer Zentralbank (EZB) gab eine positive Empfehlung ab. Litauen wird damit voraussichtlich das 19. Land sein, das den Euro einführt. Die EU-Staaten müssen dem Beitritt allerdings noch zustimmen.

Litauen würde den Beitritt der baltischen Staaten zur Eurozone komplettieren. Zuletzt hatte Lettland im Januar auf den Euro umgestellt. 19 von 28 EU-Ländern hätten dann die gemeinsame Währung. Für Litauen ist es bereits der zweite Anlauf, Mitglied im Währungsclub zu werden: Ursprünglich wollte das Land bereits 2007 den Euro einführen, scheiterte aber wegen einer leicht überhöhten Inflation.

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EU-Währungskommissar Olli Rehn lobte den Kurs Litauens, das die Krise wirkungsvoll bekämpft habe: „Dass Litauen nun die Voraussetzungen für die Einführung des Euro erfüllt, ist das Ergebnis einer langjährigen umsichtigen Haushaltspolitik und wirtschaftlicher Reformen.“

Sorgen vor höherer Preissteigerung als im gesamten Währungsraum

Auch Europas Währungshüter halten Litauen fit für den Euro – trotz einiger Bedenken. Der Staat erfülle alle Maastricht-Kriterien, schreibt die EZB in ihrem in Frankfurt veröffentlichten Bericht. Litauen habe Inflation, Haushaltsdefizit und Staatsverschuldung im Griff. Auch die Währung Litas bewege sich seit Jahren stabil zum Euro.

Sorgen bereitet den Notenbankern aber mittelfristig der Inflationsdruck in dem Land. Da Preisniveau und Pro-Kopf-Einkommen in Litauen niedriger sind als im Euroraum, sei tendenziell mit einer höheren Preissteigerung zu rechnen als im Währungsraum insgesamt. Die EZB sieht die Gefahr, dass die Inflation in dem Land getrieben von Lohnerhöhungen überdurchschnittlich anziehen könnte, zumal das Land seine Währung anders als früher nicht mehr abwerten kann.

Zudem betonte die EZB, dass Litauen das Vertrauen in die Stärke seines Finanzsektors stärken müsse. Dafür müsse vor allem die Bankenaufsicht effektiver werden. Hoffnung setzen die Währungshüter in die Europäische Bankenaufsicht, die unter dem Dach der EZB im November an den Start geht und auch die Banken Litauens überwacht.

In Sachen Staatsfinanzen ist Litauen aktuell zwar ein Musterschüler. Im vergangenen Jahr blieb das Haushaltsdefizit nach den Angaben mit 2,1 Prozent vom Bruttoinlandsprodukt (BIP) deutlich unter der Marke von 3,0 Prozent, die der Maastricht-Vertrag erlaubt. Auch die Staatsverschuldung lag mit 39,4 Prozent des BIP weit unter den erlaubten 60 Prozent. Dennoch müsse Litauen das Defizit weiter senken und die Konsolidierung fortsetzen. Risiken seien etwa staatseigene Unternehmen und die geringe Steuerehrlichkeit, angesichts der alternden Bevölkerung langfristig auch das Rentensystem.

Litauens Ministerpräsident ist zufrieden

Litauens Ministerpräsident Algirdas Butkevicius ist zufrieden mit den positiven Empfehlungen: „Unsere gemeinsamen konzertierten Anstrengungen und konsequente Arbeit sind wahrgenommen und anerkannt worden“, kommentierte Butkevicius die Berichte der beiden EU-Institutionen. „Die Euro-Einführung ist ein strategischer Schritt Litauens“, betonte Butkevicius. Angesichts der Situation nahe der litauischen Grenze trage sie zur „wirtschaftlichen, finanziellen und politischen Sicherheit“ des größten Baltenstaates bei, sagte er mit Blick auf die Ukraine-Krise.

Auch der litauische Finanzminister Rimantas Sadzius und Zentralbank-Chef Vitas Vasiliauskas begrüßten die positive Entscheidung, die der Anfang auf dem Weg zum Euro sei. „Wir müssen sicherstellen, dass der Euro von den Bürgern angenommen wird und seine Übernahme reibungslos verläuft“, sagte Sadzius.

 

Litauen: Der größte Staat im Baltikum

Litauen ist der südlichste und größte der drei baltischen Staaten. Nach Russland ist Deutschland wichtigster Handelspartner der katholisch geprägten Ostseerepublik mit knapp drei Millionen Einwohnern und ein wichtiger Investor. Deutsche Unternehmen exportieren vor allem chemische Erzeugnisse, Autos und Maschinen. Litauen, mit einer Fläche von 65 300 Quadratkilometern etwas kleiner als Bayern, erklärte sich am 11. März 1990 als erste Sowjetrepublik für unabhängig. Seit 2004 ist das Land Mitglied von EU und Nato, 2015 will es als 19. Staat den Euro einführen. Mehr als ein Viertel der Einwohner zwischen 15 und 24 Jahren sind arbeitslos.

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