Unternehmen Lokführer-Streik: DIHK warnt vor Millionen-Schaden für die Wirtschaft

Die Gewerkschaft der Lokführer (GDL) bei einer Streikaktion im Herbst.

Die Gewerkschaft der Lokführer (GDL) bei einer Streikaktion im Herbst. © dpa/picture-alliance

Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) warnt vor massiven Auswirkungen durch einen tagelangen Lokführer-Streik: Der Wirtschaft könnte dadurch ein Schaden von einer halben Milliarde Euro entstehen. Die Fakten über den möglichen 100-Stunden-Ausstand - von A bis Z.

ARBEITSZEIT: Die will die GDL verkürzen. Eine Stunde weniger sollen die Lokführer arbeiten müssen, gleichzeitig sollen sie fünf Prozent mehr Lohn bekommen.

BUNDESRAT: GDL-Streiks in Endlosschleife? Ein Gesetz soll das verhindern. Es soll regeln, dass pro Betrieb nur noch die größte Gewerkschaft Tarifverträge abschließen darf. Kleine Gewerkschaften wie die GDL dürften dann möglicherweise nicht mehr streiken. Im Juli soll das Thema im Bundesrat die letzte Hürde nehmen.

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CHAOS-CLAUS: Er ist während des Streiks der natürliche Feind jedes Bahnfahrers: GDL-Chef Claus Weselsky. Schon bei den letzten Lokführer-Streiks lästerten Bahnfahrer in sozialen Netzwerken über „Chaos-Claus“. Der stellte sich im Fernsehen bei „Mainz bleibt Mainz“ tapfer dem Narren-Spott.

DINGE, DIE MAN ALTERNATIV TUN KANN: Wer wegen des Streiks zu Hause bleiben muss, hat endlich Zeit, zum Beispiel um sich alte Folgen der ARD-Sendung „Die schönsten Bahnstrecken Deutschlands“ anzuschauen.

EINMALZAHLUNG: Sie wurde von der GDL als Durchbruch gefeiert. Doch mehr als die Einmalzahlung von 510 Euro für 2014 hat die Gewerkschaft für die Lokführer bisher nicht rausholen können.

FAHRGASTRECHTE: Fällt der Zug aus oder ist während des Streiks verspätet, dürfen Bahnfahrer auf andere Züge ausweichen. Ab einer Stunde Verspätung gibt es einen Teil des Gelds zurück.

GÜTERVERKEHR: Nicht nur die Bahnfahrer müssen wegen des Bahnstreiks an Ort und Stelle bleiben. Auch der Güterverkehr ist oft mitbetroffen, Händler müssen auf die Straße ausweichen oder Verzögerungen in Kauf nehmen.

HKX: Der Expresszug zwischen Hamburg und Köln gehört zu den Verbindungen privater Bahnunternehmen, die nicht vom Streik betroffen sind. Auch im Regionalverkehr gibt es Alternativen. Im Norden können Bahnfahrer zum Beispiel auf den Metronom ausweichen, im Süden fährt die Bayerische Oberlandbahn.

HUNDERT: GDL-Chef Claus Weselsky hatte in früheren Interviews angekündigt, dass der mittlerweile siebte Streik der Lokführer in diesem Tarifkonflikt mindestens 100 Stunden dauern könne. In dieser Woche lehnte er es allerdings ab, sich „von den Medien“ auf diese Mindestdauer festlegen zu lassen.

HOFFNUNGSSCHIMMER: Die Bahn versucht weiterhin, die Gewerkschaft von ihrem Vorhaben abzubringen. Bahn-Manager Weber zeigte sich verhalten optimistisch: „Ich bleibe bei meiner Einschätzung: Wir sind nah an einer Verständigung. Das müsste uns gelingen, wenn wir uns beide anstrengen.“

Die GDL hatte die Verhandlungen zuvor abermals für gescheitert erklärt und daraufhin den Beschluss für einen erneuten Streik gefasst. Zuletzt schien aber auch möglich, dass die GDL den Ausstand noch abbläst. Bis zum Freitagmittag nannte die Gewerkschaft auf Nachfrage keinen Streiktermin. Ein Ausstand an diesem Wochenende wird damit eher unwahrscheinlich – die GDL hatte eine rechtzeitige Information der Fahrgäste versprochen.

ICE: Trotz Bahnstreik fallen nicht alle Züge aus. Auf der Internet-Seite der Bahn kann man nachschauen, ob der gebuchte ICE oder die Regionalbahn trotzdem fährt.

JURISTISCHE PRÜFUNG: Beim Streik im November 2014 hatte die Bahn versucht, den Streik vom Landesarbeitsgericht Hessen stoppen zu lassen. Doch das Gericht befand den Streik für verhältnismäßig.

KONKURRENZ: Die GDL will künftig auch für Zugbegleiter verhandeln, was bislang die rivalisierende Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) macht. Die Bahn will aber unterschiedliche Tarifverträge vermeiden, damit etwa Arbeitszeiten in ein und derselben Berufsgruppe gleichbleiben.

LOHN: Die Lokführer wollen mehr Geld, aber wie viel verdienen sie eigentlich? Ohne Zulagen bekommt ein Lokführer zwischen rund 2500 und 3200 Euro brutto.

MITARBEITER DER MONATS: Mit diesem Titel hatte der Autovermieter Sixt GDL-Chef Weselsky während des letzten Streiks scherzhaft geehrt. Der Autovermieter ist aber nicht der einzige, der vom Bahnstreik profitiert: Viele Menschen werden auch diesmal auf Mitfahrzentralen und Fernbusse umsteigen.

NORMAL: Normal ist in dem Konflikt zwischen Bahn und GDL gar nichts mehr. Thema, Dauer und Intensität des Streits sind bislang einmalig in der Geschichte der Bahn.

OHNE FAHRER: Tatsächlich gibt es in einigen Städten bereits Züge ohne Lokführer, etwa in Nürnberg. Fahren die Züge in geschlossenen Systemen, also zum Beispiel durch Tunnel, ist der Einsatz kaum ein Problem. Bei offenen Strecken kommen aber äußere Einflüsse dazu – zum Beispiel Menschen an Bahnübergängen.

PENDLER: Rund sechs Millionen Menschen sind bei ihrem täglichen Weg zur Arbeit auf die Bahn angewiesen.

QUERULANT: Mit Zorn und Zähigkeit – und natürlich Streiks – setzten früher Gewerkschaftsbosse wie ÖTV-Chef Heinz Kluncker, von Freund und Feind „der Dicke“ genannt, Lohnerhöhungen von mehr als zehn Prozent durch. Fast glaubte man, die Zeit dieser Haudegen sei vorbei – bis mit GDL-Chef Weselsky ein „würdiger“ Nachfolger erschien.

REKORD: 64 Stunden im Personenverkehr und 75 Stunden im Güterverkehr dauerte der Streik der Lokführer im November. Damit war er bislang der längste in der Geschichte der Deutschen Bahn.

STREIKKASSE: Wer streikt, bekommt als Entschädigung für die finanziellen Einbußen Geld aus der Kasse der Gewerkschaft. 50 Euro maximal gibt es pro Tag. Wie viel die GDL zahlt, ist nicht bekannt.

TRAUMERGEBNIS: Bei der GDL-Urabstimmung stimmten 91 Prozent der Teilnehmer für einen Streik. Von den rund 16.000 Tarifbeschäftigten bei der DB hatten aber nur 81 Prozent teilgenommen.

UNTERSCHRIFT: Am vergangenen Mittwoch hat die GDL den mittlerweile siebten Streik beschlossen, weil die Bahn sich weigerte, ein Protokoll zum bisherigen Verhandlungsstand zu unterschreiben.

VERSTÄNDNIS: Viele Bahnfahrer können das Vorgehen der Lokführer nicht verstehen und sind sauer. Sie haben nicht mehr das Gefühl, dass es um Inhalte geht, sondern um die Machtpositionen der GDL.

WIRTSCHAFT: Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) warnt nach der Streikankündigung der Gewerkschaft GDL vor massiven Schäden für die deutsche Wirtschaft. „Ein längerer Bahnstreik kann sich als Bremse für die Konjunktur erweisen“, sagte DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben der „Bild“-Zeitung. Täglich würden eine Million Tonnen Güter per Bahn transportiert, mehr als sechs Millionen Berufspendler seien auf die Bahn angewiesen. „Transportausfälle, Lieferengpässe und Arbeitszeitverlust zusammengenommen, steht nach mehreren Streiktagen schnell eine halbe Milliarde Euro auf der Schadensrechnung für die deutsche Wirtschaft“, rechnete Wansleben vor. Das Institut der Deutschen Wirtschaft Köln (IW) schätzt, dass der Wirtschaft pro Streiktag etwa 100 Millionen Euro verloren gehen.

X: Die große Unbekannte. Über die inhaltlichen Forderungen – etwa nach mehr Lohn – ist in den Verhandlungen mit der Bahn noch nicht einmal gesprochen worden.

YOUTUBE: Irgendwann geht auch beim größten Bahnstreik der Gesprächsstoff aus. Die NDR-Sendung „Extra 3“ hat das Problem auf den Punkt gebracht: Tausende klickten das Video „Jasmin mit einem typischen Bahnstreik-Bericht“ an.

ZETSCHE: Der Daimler-Chef Dieter Zetsche ist einer von vielen, der sich auf einen Streik vorbereiten muss, damit die Produktion des Autoherstellers nicht ins Stocken gerät. Einen guten Draht zur Bahn dürfte er haben: Konzernchef Rüdiger Grube war lange bei Daimler im Vorstand.

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