Unternehmen Lokführerstreik löst Ansturm auf Fernbusse aus

Fernbusse sind eine beliebte Alternative zur Bahn.

Fernbusse sind eine beliebte Alternative zur Bahn.© rasica - Fotolia.com

Die Bahnkunden stehen vor vier schwierigen Streiktagen. Etwa zwei Drittel der Züge dürften durch den Ausstand der Lokführer ausfallen. Nach der Ankündigung hat bei den betroffenen Reisenden ein Ansturm auf Fernbusse begonnen.

Der viertägige Lokführerstreik zwingt die Fahrgäste zum Umdenken. Erneut setzen viele Reisende auf Fernbusse und Mitfahrzentralen. Die Anbieter verzeichnen Rekordanfragen. „Das wird eine große Bewährungsprobe für uns. Wir können beweisen, dass wir eine ernst zu nehmende Alternative im Fernverkehr sind“, sagte eine Sprecherin des Fernbus-Anbieters Flixbus am Mittwoch in München. Sie rechnet mit einem Umsatzanstieg von mindestens 30 Prozent.

Ähnlich bei den ADAC-Post-Bussen: Es herrsche Hochbetrieb, die Zahl der Fahrgäste werde sich in den kommenden Tagen um 50 Prozent erhöhen, sagte ein ADAC-Sprecher in München. „Direkt nach der Streikankündigung hatten wir fünfmal so viele Anfragen wie an einem normalen Tag.“

Anzeige

Beide Anbieter wollen Ersatzbusse und Doppeldecker einsetzen. Die meistgefragten Strecken bei den Fernbussen sind den Angaben nach Hamburg-Berlin, die Routen von den Millionenstädten Berlin, Hamburg und München ins Ruhrgebiet sowie von und nach Frankfurt.

Ansturm auf Fernbusse und Mitfahrgelegenheiten

Wer zunächst kein Ticket mehr für eine bestimmte Strecke bekommen hat, braucht etwas Geduld. „Interessenten sollten immer wieder im Internet nachschauen, weil weitere Kapazitäten aktualisiert werden“, sagte der Sprecher des Bundesverbandes Deutscher Omnibusunternehmen (bdo) in Berlin. Aufgrund der bestehenden Lizenzen dürften die Anbieter keine zusätzlichen Takte anbieten, sondern lediglich zu den festen Abfahrtszeiten zusätzliche Fahrten oder größere Busse einsetzen.

Den bundesweit größten Marktanteil bei Fernbussen hat den Angaben nach MeinFernbus mit 45 Prozent, gefolgt von Flixbus (24 Prozent) und ADAC-Postbus sowie berlinlinienbus mit jeweils 8 Prozent.

Bei der Internet-Plattform mitfahrgelegenheit.de, bei der private Autofahrer ihre freien Sitzplätze anbieten, werden derzeit etwa doppelt so viele Fahrten vermittelt wie üblich. „Besonders auffällig ist die Zahl der neuen Autofahrer gestiegen, die einen Platz zur Verfügung stellen“, sagte Sprecher in München. Für die kommenden Tage würden zusätzlich etwa 100.000 Plätze angeboten. Die Preise seien dabei nicht gestiegen. So kostet eine Fahrt von München nach Berlin etwa 28 bis 30 Euro. Mitfahrgelegenheit.de hat nach eigenen Angaben sechs Millionen registrierte Nutzer.

Bahn legt Ersatzfahrplan auf

Vom Lokführerstreik sind bundesweit Fahrgäste des Nah- und Fernverkehrs und der S-Bahnen betroffen. Der Ausstand im Personenverkehr beginnt am Donnerstag um 2.00 Uhr früh und endet am Montag um 4.00 Uhr. Die Bahn reagierte mit Ersatzfahrplänen, um die wichtigsten Verbindungen aufrecht zu erhalten. Über eine Live-Auskunft können Reisende erfahren, ob ein bestimmter Zug fährt – oder nicht.

Die Bahn hatte zuletzt noch versucht, die Arbeitnehmerseite zu einer Schlichtung in dem festgefahrenen Tarifkonflikt zu bewegen. Die Lokführergewerkschaft GDL lehnte den Vorschlag jedoch ab. Es gehe um das Grundrecht auf Koalitionsfreiheit, das die Bahn verletzen wolle, sagte der GDL-Vorsitzende Claus Weselsky am Mittwoch in Berlin. Darüber könne man nicht verhandeln.

Hinterlassen Sie einen Kommentar

(Kommentare werden von der Redaktion montags bis freitags von 10 bis 18 Uhr freigeschaltet)

Bitte beantworten Sie die Sicherheitsabfrage (Anti-Spam-Schutz): * Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.