Unternehmen „Man stelle sich vor, Griechenland sei ein Unternehmen …“

Touristen auf der Akropolis: "Es wäre spannend zu wissen, was eines Tages in den Geschichtsbüchern über diese historische Phase Europas stehen wird."

Touristen auf der Akropolis: "Es wäre spannend zu wissen, was eines Tages in den Geschichtsbüchern über diese historische Phase Europas stehen wird."© picture-alliance / landov

Soll man den Griechen den Geldhahn zudrehen - oder weiter Geld zuschießen? Für die Entscheidung hilft es, Griechenland mit einem Unternehmen zu vergleichen. Ein Kommentar von impulse-Chefredakteur Nikolaus Förster.

Die Versuchung ist groß, beim Thema Griechenland Argumente irgendwann ganz auszublenden – zumal ja alles gesagt ist, vielleicht nicht von jedem, aber fast von jedem, und das nicht nur einmal. Irgendwann wird der Drang so stark, einfach nur noch seinen Emotionen zu folgen – und einen vermeintlichen Schlussstrich zu ziehen. Zu viel hat sich in den vergangenen Wochen, Monaten und Jahren angestaut.

Dumm nur, dass es in einer globalisierten, vernetzten Welt einen Schlussstrich gar nicht geben kann; selbst ein Ausscheiden Griechenlands aus der Eurozone wäre keine Lösung. Die Debatten – und selbst die Geldzahlungen – gingen weiter, nur unter anderen Vorzeichen (humanitäre Hilfe). Die Krise lässt sich nicht schnell aus der Welt schaffen, so sehr wir uns dies auch wünschen. Es gibt keine einfache Lösung.

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Man kann auf Dauer nicht über seine Verhältnisse leben

Es wäre spannend zu wissen, was eines Tages in den Geschichtsbüchern über diese historische Phase Europas stehen wird. Was wir gerade erleben, ist aber nicht nur Stoff für Historiker, sondern auch für Rhetoriker. Ein Satz, der zuletzt immer wieder als Argument angeführt wurde (übrigens nicht nur in Sachen Griechenland), lautet: „Man kann auf Dauer nicht über seine Verhältnisse leben.“

Ich sehe viele Unternehmer vor meinen Augen, die bei diesem Satz zustimmend nicken, weil dies ihren eigenen Werten entspricht: Unternehmer lieben ja bekanntlich kaum etwas mehr als die eigene Freiheit, und so würden sie wohl (fast) alles tun, um nicht in Abhängigkeit von Dritten zu geraten, etwa von Investoren oder Banken.

Dem Drang, den Griechen schleunigst den Geldhahn zuzudrehen, steht allerdings ein gewichtiges anderes Argument entgegen – nämlich eine kühle Kalkulation, für die Unternehmer ja bekanntlich ebenfalls ein offenes Ohr haben: Wie lassen sich die Verluste – jenseits aller Provokationen, Fehler, Emotionen etc. – jetzt noch möglichst klein halten? Wie lässt sich verhindern, dass nicht zig Milliarden verloren sind, sondern zumindest eine Chance besteht, noch etwas Geld (und sein Gesicht) zu retten?

Die Chance auf einen Turnaround bleibt gewahrt

Man stelle sich vor, Griechenland sei ein Unternehmen. Wenn man das Land in die Insolvenz schlittern lässt, ist das Geld der Gläubiger unwiederbringlich weg. Schießt man aber zur Überbrückung (ja, wie in den vergangenen Jahren) Geld zu, damit das operative Geschäft weiterlaufen kann und die Chance auf einen Turnaround gewahrt bleibt, so kann sich das Blatt noch einmal wenden – solange es ein Vertrauen in die Führungsspitze und ihre Konzepte gibt, was aber ja bekanntlich kaum mehr der Fall ist.

Und dennoch: Wer schreibt gerne gewaltige Verluste ab, wenn noch die Chance besteht, etwas zu retten?

 

Zu diesem Kommentar haben uns bereits einige Leserbriefe erreicht. Wir veröffentlichen an dieser Stelle die Reaktion von Dr. Axel Braun aus Düsseldorf:

 

Macht den Laden dicht

Ja, stellen wir uns mal vor, Griechenland wäre ein Unternehmen, und die Banken stellen die Kredite glatt. Dann folgt der Gang zum Amtsgericht, und ein Gutachter wird unter anderem eine Fortführensprognose erstellen. Unter anderem von dieser hängt ab, ob und wie es weitergeht. (Leider muss ich mich gerade mit diesem Fall beschäftigen, mit einem Unternehmen, in dem ich investiert und strategisch beratend, aber nicht operativ tätig war. Insofern ist die Materie gut vertraut.)

Wenn man also merkt, dass man ein totes Pferd reitet, und die Frage im Raum steht, schlechtem Geld noch gutes Geld hinterher zu werfen, lohnt ein Blick auf die Fortführungsprognose. Und die ist leider düster: Weder ist man willens, ein effizientes Steuersystem einzuführen, noch deren Hinterziehung zu bekämpfen.

Damit wird die Einnahmeseite nicht gerade gestärkt. Ist das Volk weiterhin der Meinung, man solle nichts verändern und ruhig weiter über seine Verhältnisse leben, wird auch die Ausgabenseite nicht entlastet.

Insofern: Macht den Laden dicht und gebt den Griechen die Chance zu einem Neuanfang. Außerhalb des Euro, damit ein fairer Wechselkurs entstehen kann. Und das besser sofort als morgen.

 

Ein weiterer Leserbrief erreichte uns von Dr. Lothar Wessolly aus Stuttgart:
Wenn Griechenland jetzt fällt, geht mehr kaputt als 40 Milliarden

Recht so, wenn sogar die Weltbank meint, der geforderte Sparkurs sei kontraproduktiv, Wachstum zu erzeugen (eigentlich eine Binsenweisheit), sollte man konsequent sein. Gerade Deutschland ist so peinlich unehrlich.

Überall haben wir Transfersituationen und 1,5 Billionen eingesetzt. Und der Soli steht immer noch. Zonenrandgebiete waren wegen ihrer Grenzlage immer benachteiligt. Geografisch ist Griechenland eben peripher. Und die 1000 Inseln sind noch peripherer. Leicht für uns: Im Zentrum läuft immer alles automatisch zusammen.

Und kommen wir zu Firmensituationen zurück. Die vorige Leitung ist wegen Missmanagement gefeuert. Sollte man von der Neuen die gleichen Wege einfordern, andernfalls sanktionieren. Und sollte man nicht wenigstens eine Einarbeitungszeit zugestehen und sie nicht permanent bedrängen.

Europa hat das nicht nötig, Deutschland schon einmal gar nicht. Die schwarze Null als narzisstische Größe ist hier äußerst gefährlich. Die schwäbische Hausfrau ist klüger als der badische Hartkopf, der so unehrlich ist, die 100 Milliarden zu verschweigen, die ihm die wegen der Probleme provozierten niedrigen Zinsen gebracht haben.

Wenn Griechenland jetzt fällt, geht mehr kaputt als die vom Bürger kaum spürbaren Verluste von 40 Milliarden. Später wird man sich vor den Kopf schlagen. Denn dann steht ein totkranker, niemandem mehr verpflichteter Mann an der Pforte zu Russland bzw. dem Islamischen Staat. Gute Nacht.

19 Kommentare
  • KLaus Peter Kraa 13. Juli 2015 20:12

    Im Grunde genommen ist Gauweiler recht zu geben: Die ursprünglichen Vorstellungen vom Europa der Vaterländer, ein freiwilliger Zusammenschluss, der die jeweilige kulturelle Tradition der Einzelstaaten überarbeitet und alles ausgrenzt, was dem Kulturaustausch und der Zusammenarbeit auf dem Gebiete der Entwicklung einer humanistischen Kultur bisher im Wege stand und Konfliktstoff der Vergangenheit war und immer noch ist mit dem Ziel: Endlich eine Versöhnung von Geist und Natur in Europa gemeinsam zu erreichen, ist durch diese Form der europäischen Einigung, zusammengedrängt auf eine genetisch kranke Währungsunion, verschüttet worden. Schade, denn angesichts der Kulturtradition von Antike, Renaissance, Humanismus und Aufklärung in Vorderasien, Griechenland, Italien, Frankreich, England und Deutschland wäre das eine spannende Aufgabe, die auch dieser noch jungen Nation Deutschland ermöglichen könnte, ihre geistige Entwicklung der letzten 200 Jahre gründlich zu überprüfen und selbstkritisch aufzuarbeiten und sich danach einer humanistischen Kulturtradition im Sinne Johann Gottfried Herders für die Zukunft zu nähern. Alles in Anlehnung an die Erkenntnis eines 1967 aus diesem Lande verjagten Philosophen aus seiner „Philosophie angesichts der Offenbarung“: Wir suchen heute den Boden, auf dem Menschen aus allen nationalen Kulturen sich über Europa hin sinnvoll begegnen können, bereit, ihre je eigene Geschichte neu anzueignen, zu reinigen und zu verwandeln, aber nicht preiszugeben.
    Und was haben wir heute? Genau das Gegenteil davon, nämlich den bösen und verkrampften Versuch, die guten Eigenschaften (nicht Eigenheiten oder Eigenarten, die bleiben leider und verstärken sich durch die Zwangseinigung noch, wie immer wieder Repliken auf den Faschismus beweisen) der europäischen Länder über eine Haftungs- und Schuldenunion in einem alptraumhaften Euro-Topia des Wettlaufs um die besten noch vorhandenen Renditen zu verwischen und das auch noch Dilettanten zu überlassen, die schon mehrfach in ihren eigenen Ländern gescheitert sind. Und der Ober-Depp des europäischen Parlaments, ehemals Bürgermeister eines Nestes bei Aachen und jetzt aller-oberster Spesenritter der europäischen Union (Hans Herbert von Arnim – Das Europakomplott) gibt auch hier seinen Senf dazu: Maastricht soll an die „Realitäten“ angeglichen werden. Eine erwartete Bauchgeburt, Politik der Beliebigkeit, typisch für die alternativlosen Blockparteien – Größere Aporie politischer Tätigkeit und dringendere Forderung nach einer völlig neuen politischen Kultur in Europa kann es doch nicht geben, oder?

  • Name Siggi D. 12. Juli 2015 11:11

    Deutschland ist kein Unternehmen?

    Schauen Sie mal im Berliner Handelsregister nach, da ist Deutschland als GmbH eingetragen und wir haben Personalausweise dieser Firma in der Tasche.

    Darüber hinaus lebt Deutschland im Zustand eines Waffenstillstandes, da ein Friedensvertrag bis heute nicht geschlossen wurde.

    Ja, ja – es ist offensichtlich, dass aus der Geschichte nicht automatisch auch Erkenntnisse für die heutige Realität zum tragen kommen und die sogenannten Hochkulturen immer wieder an ihre Grenzen stossen.

    Ein geeintes Europa sieht anders aus – alles Kapital in einen Topf und alle Schulden auch und dann bedarfgerecht verteilen.

    Utopie? Klar, da stehen zuviele Profilneurosen im Weg und eine Neuordnung kann nur aus Chaos entstehen, bis wieder ein Scheitelpunkt erreicht ist.

    Das Karusell dreht sich weiter und jeder sollte die Dinge ändern die er auch ändern kann und ein guter Teamplayer sein, so wie in jeder Stellenanzeige doch gefordert wird.

  • KLaus Peter Kraa 11. Juli 2015 16:01

    Was für Griechenland gilt, sollte auch für dieses Land nicht falsch sein: „In Deutschland steigen seit 1970 die Kredite Jahr für Jahr, weil Deutschland Jahr für Jahr mehr ausgibt als es einnimmt. Bei einem Unternehmen nennt man das Konkursverschleppung“, schreibt hier ein Kollege: Der Schuldenstand dieses Landes ist, lässt man die interne Verschuldung der sogenannten Nachhaltigkeitshaushalte für soziale Sicherung gegen Krankheit, Pflege und Alter nicht außer Betracht (was unsere Finanzminister aber regelmäßig tun), inzwischen auf 8,0 Bio. Euro, 300% des BIP oder 100% des nationalen Nettovermögens, das aber noch nicht einmal mit 10% für eine Schuldendeckung überhaupt noch zur Verfügung steht, angewachsen – die oben genannte Konkursverschleppung ist geradezu eine Form der Verniedlichung. Die Leute, die heute noch Staatspapiere kaufen, gehören fest zum Finanzsystem, die haben Narrenfreiheit, denn Draghi fängt sie auf – whatever ist takes – den Steuerzahler nämlich, der wird derweil immer ärmer.

  • KLaus Peter Kraa 11. Juli 2015 15:24

    „Es wäre spannend zu wissen, was eines Tages in den Geschichtsbüchern über diese historische Phase Europas stehen wird.“ – Wenn die Geschichte tatsächlich – wie seit 1970 versprochen – nicht mehr als Geschichte der „großen Männer“, sondern als Geschichte deren Leistungen für die Entwicklungen der Sozialstrukturen, also die Lebensbedingungen der Menschen, geschrieben wird, dann müsste der Satz heißen: Zwei durchgeknallte, verantwortungslose Politiker wie Mitterrand und Kohl haben 1988 beim Kuhhandel um die deutsche Einheit, trotz besseren Wissens in totaler Ignoranz das „größte währungspolitische Abenteuer aller Zeiten“ (Valery Giscard d´Estaing) ausgeöst, das deren Nachfolger, die zur Zeit alle in politischer Aporie verharren, von einem Vertreter internationaler großkapitalistischer Interessen, dem Rockefeller-Mann Mario Draghi, ohne jede demokratische Legitimation, durchpeitschen lassen – whatever it takes. Sie haben damit die Interessen des Großkaitals gepflegt,den Lebensbedingungen der Völker Europas, die allerdings mit offenem Mund, hirnlos, diese Entwicklung wie im Märchen verfolgt haben, einen Bärendienst erwiesen – sie mögen im 9. Höllenkreis des Danteschen Jenseits schmoren.

  • Werneer Dao 10. Juli 2015 18:52

    Im Falle einer privatwirtschaftlichen Insolvenz würde man den Fall Griechenland eine Sanierung in Eigenverwaltung nennen. In diesem Falle verbleibt das alte Management im Amte und versucht, das Geschäft runzureißen. Voraussetzung wäre in jedem Falle ein vom Insolvenzgericht abgesegneter tragfähiger Sanierungsplan und das Vertrauen der Gläubiger im Management.

    An genau diesen beiden Punkten würde die selbstverwaltete Sanierung Griechenlands fehlen. Ach ja, auch ein Insolvenzgericht fehlt.

    Was es gibt sind auf der Gläubigerseit die Kleinaktionäre (EU-Bürger), die keine Weisungsbefugnisse gegenüber ihren Vorständen (Regierungen) haben.

    Auf der schuldnerseite weigert sich das (kurz zuvor neu eingesetzte) Management aktiv, die verkrustete Strukturen aufzubrechen und stachelt die Mitarbeiter an, lauthals OXI zu Lohnkürzungen zu schreien. Wärenddessen es Zeit gewinnt, sich systematisch in die klientelistischen Strukturen einarbeitet, die höchst lukrativ sind, solange die Gläubigergelder weiter fließen.

    Die Vorstände der Gläubiger sind im Glauben, daß diese Appeasement Politik schon die anderen – mediterranen – Gesellschaften im Konzernunternehmen davon abhalten werde, ebenfalls abspenstisch sein zu wollen.. Welche ein Irrglaube. Welch arme Gläubiger….

  • Egon Stumpf 10. Juli 2015 16:26

    Hier werden tatsächlich die Wirtschaft in Deutschland mit der in Griechenland gleich gesetzt. Nur, In Deutschland gibt es wesentlich mehr als Olivenöl, Feta und einer sterbenden Touristik. Welche Werte (ruhig in Pro-Kopf gerechnet) produziert Griechenland, welche Deutschland? Es ist grober Unfug diese beiden Länder zu vergleichen, genau so wie es grober Unfug ist, in beiden die selbe Währung zu nutzen. Eigentlich ist das einzig viruelle der Euro, kein gemeinsamer Finanzminister, keine gemeinsame Finanzpolitik aber eine gemeinsame Währung? Kann nicht funktionieren. Griechenland ist da nur der Anfang, es werden in der Zukunft Länder folgen, deren Wirtschaftskraft nicht annährend mit der von Deutschland vergleichbar ist. Aber solange diese Länder als Absatzmarkt funktionieren, wird das ignoriert und schön gerechnet.

  • Jan 10. Juli 2015 12:30

    K. Ghaffari, Sie haben vollkommen Recht. Das ganze Wirtschaftssystem ist komplett marode und virtuell, seit Banken nicht mehr Geld aufbewahren und niedrig verzinsen und zu einem höheren Zinssatz weiterverleihen – wie man sich das eigentlich vorstellt – sondern sich Geld ausdenken können. Das kann auf Dauer nur scheitern, es ist ein Schneeballsystem – man müsste es komplett reformieren, aber daran haben die Profiteure dieses Systems kein Interesse und es hat dafür wahrscheinlich auch schon zu viel Eigendynamik entwickelt. Wir werden alle noch erleben, dass es uns um die Ohren fliegt – dagegen wird jede andere Wirtschaftskrise dann lächerlich aussehen.

    Einige hier haben angemerkt, dass Griechenland und Deutschland eben keine Unternehmen sind. Das ist richtig. Aber warum werden sie nicht so sorgfältig wie Unternehmen geführt? Warum sind sie so schlecht organisiert, warum verdienen Politiker so wenig, dass es sich für gute Leute viel mehr lohnt in die Wirtschaft zu gehen und die Politiker sich mit Korruption fördernden Nebenjobs und ihrer eigenen „Anschlußverwendung“ beschäftigen sollten und dürfen?

    Und warum kann das Volk im Zeitalter des Internets nicht wichtige Entscheidungen (wie die Griechenland-Hilfe) wieder demokratisch selbst entscheiden? Weil die Leute nicht verstehen was gut für sie ist? Wenn das so ist, wie sollen sie dann entscheiden wer sie gut vertritt – das Problem wird durch die repräsentative Demokratie nur um eine Ebene verlagert, aber nicht gelöst.

  • Horst Fisbeck 10. Juli 2015 12:13

    Ich bin kein Experte, daher kann ich auch keine Empfehlung geben. Ich schließe mich dem Inhalt des „offenen Briefes“an Frau Merkel an. Ich füge
    aber hinzu, dass diejenigen, die das Chaos in der Vergangenheit durch Überhäufung von Milliarden an die Ihnen genehme Regierung zugelassen haben, ohne zu beurteilen, ob aufgrund der wirtschaftlichen Situation (kaum Industrie) eine Rückzahlung möglich ist. Sie sollten endlich den“A…. In der Hose haben“ einen Beitrag zur Beseitigung ihres angerichteten Schadens zu leisten und der liegt nicht in Sparmaßnahmen, die der Wirtschaft Schaden zufügen, wie der Bevölkerung Ausgabemittel zu entziehen.

  • Paul J. Sparwasser 10. Juli 2015 11:32

    Ihre interessante Frage ist hypothetisch – denn Griechenland ist KEIN Unternehmen! Leider gibt es für „Staatspleiten“ offenbar keine internationalen (VERBINDLICHEN!) Regelungen nach denen zu verfahren ist. Vielleicht sollte dies einmal (im Interesse der Staatengemeinschaft) geändert werden – zumindest innerhalb der EU bzw. innerhalb der EURO-Währungsunion. Es gibt noch nicht einmal innerhalb der EURO-Währungsunion verbindliche Ausstiegskriterien (=der Ausstieg eines EURO-Landes aus der Währungsunion war NIE vorgesehen!) – alles dramatische Versäumnisse der EU(-Administration), die schleunigst (zumindest innerhalb der EURO-Währungsunion bzw. EU!) behoben werden sollten!
    Somit gilt für GR weder das Privat noch das Unternehmensinsolvenzrecht – wobei auch das (Unternehmens-) Insolvenzrecht innerhalb der verschiedenen Rechtsräume sehr unterschiedlich ist (z.B. deutsches Insolvenzrecht vs. US-Insolvenzrecht usw.) d.h. man hat ein unterschiedliches – kulturell bedingt – Rechtsverständnis über Gläubiger- und Schuldnerschutz.
    Vom pragmatischen Ansatz zur Lösung der „Staatspleite“ GR würde ich mich dem vorgeschlagenen Rettungsplan des Prof. Sinn (ifo, München) anschließen – wobei man diesen schon viel früher hätte anwenden sollen bzw. Vorbereitungen zur Einführung einer Parallelwährung treffen sollen. Ein „Weitertreiben der Schuldenlawine“ nun sollte beendet werden. Ich glaube auch, dass mit „humanitären Hilfskrediten“ zur Abdeckung der humanitären Importkosten für benötigte Medizin, Energie usw. für wirklich Bedürftige für Gläubiger und Schuldner fairer und günstiger wegkommt, als durch Fortführung der fragwürdigen Kettenkredite.
    Durch die Einführung einer (vorübergehenden) Parallelwährung – Euro für den Außenhandel – Neu-Drachme für den Binnenhandel – wird auch die heimische Wirtschaft (z.B. dominierende Landwirtschaft) deutlich gestärkt.
    Wichtig ist, dass die griechische Wirtschaft bald (wieder) ihre internationale Wettbewerbsfähigkeit und Wirtschaftswachstum erlangt (wettbewerbsfähige Arbeitsplätze geschaffen werden usw.), Wirtschaft und Verwaltung hinsichtlich Effizienz saniert und auch höherwertige Industrien ansiedelt…
    Hinsichtlich des gewaltigen faktischen „Schuldenbergs“ (2Q2015 330 Mrd. Euro) bedarf es auch umfassender Aufklärung, wie diese entstanden sind ? Wer hier in die Haftung zu nehmen ist ? Steht hier Korruption, Kapitalflucht (& Steuerflucht) usw. im Spiel- d.h. wurde hier (von Mandats- und Entscheidungsträgern) NICHT im Interesse des griechischen Staates und der EU bzw. Euro-Währungsunion gehandelt, sollte man auf Kosten der rechtswidrigen Verursacher „rückabwickeln“ oder diese Institutionen mit in die Haftung nehmen, denn diese haben ja sowohl den griechischen Staat als auch die Euro-Währungsgemeinschaft (und damit auch den deutschen Steuerzahler) betrogen!
    Ergänzend dazu wären weitere wachstumsfördernde Maßnahmen, wie Errichtung von Freihandelszonen, Solarthermen –und Windparkkraftwerke zur Stromerzeugung (zunächst für die heimische Versorgung und zur Vermeidung teuren Stromimports, evtl. auch für den Export in die angrenzenden Länder), Exploration der Erdöl/-gasvorkommen in der Ägäis (in einem internationalem Konsortium evtl. gemeinsam mit den Anrainerstaaten), Sales and Lease-Back von Militärgerät, mehr (einnahmefördernde) internationale Einsätze der großen griechischen Armee uvam denkbar. Dies hätte man schon lange seitens der EU bzw. der Euro-Währungsunion initiieren können…

  • Saure 10. Juli 2015 10:57

    … nun wie schon gesagt wurde, Griechenland ist kein Unternehmen. Nur ökonomische Betrachtungsweisen greifen zu kurz oder werden der Sache nicht gerecht. Nun sollte es darum gehen Griechenland ökonomisch, politisch und sozial unter die Arme zu greifen. Die bis heute angehäuften Schulden werden in eine „bad bank“ überschrieben, die neuen Finanzierungshilfen sollten eher in „Mikrokrediten“ für gezielte Maßnahmen eingesetzt werden, mit realistischen Ratenzahlungsbedingungen. So besteht die Chance, dass griechische Unternehmen wieder am Marktprozess teilnehmen können und die soziale Infrastruktur sich wieder stabilisiert. Der politischen Sumpf kann nur selbst vom souveränen Land gelöst werden.

  • Dirk Wurm 10. Juli 2015 10:51

    Die aktive Begleitung von nachhaltigen Change Prozessen ist meine Leidenschaft. Hierfür braucht es neben der notwendigen Einbeziehung aller Betroffenen (im konkreten Fall Griechenland + die anderen EU Länder), einer klaren Vision und langfristigen Strategie vor allem den Willen zur praktischen Umsetzung von Veränderungen. Gerade an Letzterem scheint es bislang (nicht zuletzt vielleicht auch auf Grund von fehlender Regierungserfahrung der aktuellen Regierung) zu mangeln.

    Wie in der Betriebswirtschaft (Unternehmen) gilt auch in der Volkswirtschaft (Länder): Wenn sich etwas ändern soll, müssen Taten folgen! Es braucht umsetzungswillige und umsetzungsstarke Persönlichkeiten, die die Arme hochkrempeln, Vorbild sind und etwas bewegen können. In allen anderen EU Ländern existiert wenig Verständnis, dass es Griechenland (mit gutem Willen) nicht schafft, Umsatzsteuerprozesse aus anderen Ländern zu kopieren und so die Einnahmeseite wenigstens in die Nähe dessen zu bringen, was dem Staat aus Verkäufen wirklich zusteht. Es gibt kein Verständnis, dass bestimmte „Reiche“ keine Steuern zahlen und dass auch künftig Griechen früher in Rente gehen, als im europäischen Vergleich. Wenn hier anstelle bloßer Lippenbekenntnisse endlich aktive Veränderungsprozesse in Gang gesetzt werden, wird sich dies mittel- und langfristig positiv auf die Wirtschaftslage in Griechenland auswirken.

    Monate sind nutzlos verstrichen, ohne dass diese Veränderungen (Reformen) auf den Weg gebracht wurden. Es ist an der Zeit, endlich Taten folgen zu lassen und die Politiker und Bevölkerungen in den anderen EU Ländern (vor allem auch in den wirtschaftlich schwächeren Ländern) nicht länger hinzuhalten.
    Ich bin sicher, dass sich nach ersten Erfolgen auch eine breite Mehrheit in der EU für einen Schuldenschnitt finden wird.

  • Ivo Häusle 10. Juli 2015 10:43

    Viele Lärm um nichts? Nein, das ist es wahrlich nicht, aber…
    Aber wenn man das teils wieder national angehauchte ganze „Zeter und Mordio“ Geschrei der Euroländer und anderer um Griechenland hört und nicht wie die Kanzlerin in alternativlosen Endlosschleifen denkt, so könnte man auch meinen, dass vielleicht noch etwas anderes dahinter stecken könnte, als der Gerechtigkeitssinn des aufrechten und ehrlichen Europäers.

    Und hoppla, tatsächlich fällt dem erstaunten und aufgeweckt, kritisch reflexiven Menschen bei all der Propaganda auf: Es werden satte Gewinne gefahren durch dieses Gezeter und durch die Verschleppung und Umdeutung einer Krise von privaten Investoren in eine humanitäre Staats Krise; und das seit Jahr und Tag. Und je größer das Geschrei, desto höher die Unternehmensgewinne, weil schön längst eine „Transfergesellschaft“ das Geschäftsmodell stützt.

    PrivateBanken, die hoch spekulativ ins Risiko gegangen sind und deshalb über Jahre hinweg hohe Renditen eingefahren haben, werden nun vom Steuerzahler gerettet (wir zahlen also gerade diese Renditen aus), Hedgefonds steigen seit geraumer Zeit massiv in griechische Staatspapiere und mehr ein, um auf einen noch höheren Gewinn zu wetten, das Tafelsilber eines ganzen Landes wird zum Spottpreis an private Hände veräussert usw. und so fort.

    Da geht es zu wie auf dem Viehmarkt, aber die Marktschreier scheinen mit den Taschendieben gemeinsame Sache zu machen, damit diese ungestört ihrer Arbeit nachgehen können.
    Es wird Zeit, dass wir uns wieder an eine andere Art des Unternehmertums erinnern, den der Verantwortung übernahm und den Gesellschaftsvertrag als höchstes Gut ansah. Weder die heutige Gier des RaubritterKapitals noch Manipulation durch Emotionalität und Vereinfachung steht der Menscheit des 21. Jahrhunderts besonders gut zu Gesicht.

    Als die privaten Investoren über ihre Verhältnisse gelebt haben, wer von Ihnen hat da die Stimme erhoben und es Ihnen vergellt, dass wir Steuerzahlrer sie gerettet haben? Sind es wirklich die Griechen als Volk gewesen, oder instrumentalisierte man ein Volk für den eigenen Raubzug? Wenn es so wäre, dann würde man für Gier und das Kapital einen ganzen Kontinent aus dem Gleichgewicht bringen, man würde Europa auf dem Altar des Finanzkapitalismus opfern und ein nationalistisches Feuer entfachen, ohne zu merken, dass man am Ende keine Welt mehr hat, in der man seine ergaunerten Gewinne genießen kann. Aber so weit denkt der kleine Taschendieb ja in der Regel auch nicht. Und wenn man nur Zuschauer ist und das Ganze nicht so sehr an sich rankommen lassen möchte, vielleicht auch weil man es sonst mit der Angst zu tun bekommen würde, dann verlgeicht man halt lieber mal Birnen mit Äpfeln, oder Staaten mit Unternehmen.. Naja.. ich denke, um es mit Vygotski zu sagen, unser aller Zone der nächsten Entwicklung ist noch recht groß..

    Mit freundlichem Gruße, Ivo Häusle

  • manuel 10. Juli 2015 10:31

    Die Griechen haben mitnichten entschieden, dass sie nichts ändern wollen. Sie haben nur entschieden, dass eine Fortführung der aktuellen Politik nichts anderes als Konkursverschleppung ist, da so nichts getan wird/werden kann, um die Situation zu verbessern.
    Wenn Griechenland ein Unternehmen wäre, müsste es investieren, um seine Einnahmensituation zu verbessern. Ein Unternehmen, das nicht investiert, hat keine Zukunft. Vielleicht ist das das Problem mit dem von Ihnen beratenen Unternehmen?

    Wie soll man denn mit einem kaputtgesparten Verwaltungsapparat die notwendigen Steuerreformen durchführen?
    Wer soll denn die Wirtschaft retten, wenn niemand Geld in die Hand nimmt und damit die (Binnen-)Nachfrage erhöht, sei es nun Konsum oder Investition zu erhöhen. Welcher Unternehmer würde denn in einem Land mit fallenden Einkommen investieren?

    Es wäre also wichtig, nicht nur Kredite zu verlängern (und damit deutsche und französische Banken zu retten) sondern zusätzliche Hilfen zu geben, um die notwendigen richtungsweisenden „Investitionen“ zu tätigen.

    Zu guter Letzt: nicht umsonst sind Betriebswirtschafts- und Volkswirtschaftslehre sehr verschiedene Wissenschaften mit nur geringen Überschneidungen. Solche Vergleiche sind also ziemlich müßig, selbst _wenn_ sie konsistent sind.

  • Name Gerhard Grimm 10. Juli 2015 10:26

    Hallo Herr Förster,
    den Rand will ich etwas erweitern:
    Die vor der türkischen Küste liegenden Inseln werden gegen viel Geld von den Griechen an Russland oder China auf (sehr) lange Zeit verpachtet. Mit den Türken werden sich die Griechen diesmal einig sein bzw. werden, der EU weiterhin „Kante“ zu zeigen.
    Noch mehr Geld, mit dem sie sich weitestgehend von nicht mehr beherrschbaren Schulden befreien könnten, würden die Griechen vermutlich erhalten, wenn sie den Häfen von Piräus an Russland verpachten.

    Bei einer Verpachtung könnten die Griechen bei etwas rhetorischen Geschick der europäischen Öffentlichkeit als harmlos im Vergleich zu einem Verkauf dargestellt werden, zumal die Europäer beim Wort Greichenland mittlerweile eh schon genervt abschalten; auch ein Teil der Strategie der Griechen (oder von wem auch immer).
    Dass Putin sich diese Standorte nicht mehr nehmen läßt, so oder so, weiß zwar jeder, doch sind die Konsequenzen dafür zuvor in der Ukraine ausgetestet worden.

    Die Griechen können aller Welt zeigen, dass sie recht hatten und als souveräner Staat eigene, wenn auch eigenwillige Sanierungswege gefunden haben, ohne die Troika (oder wie das sonst genannt wird) und (vermeintliche) Einmischung von außen.

    Das süffisante Lächeln/Grinsen von Tsipras im EU-Parlament könnte auf dieses oder ein ähnliches Szenario hinweisen…
    Auch wäre das doch ein „gutes“ Argument, die EU weiter um Geld zu „bitten“, da man sonst gezwungen wäre, …
    Anmerkung: Auch Leute von der Mafia und den chinesischen Triaden sind sehr freundlich und lächeln ………solange man/frau ihre Wünsche erfüllt.

    Eine Gute Zeit
    Gerhard Grimm

  • Gudrun Jung 10. Juli 2015 09:29

    Als Unternehmerin habe ich in meinem Laden eine Greichenland Feinkostecke eingerichtet, mein solidarischer Beitrag von Volk zu Volk. Ansonsten sind wir eh alle Überrannt von Großkonzernen, bspl.
    Kleinbauern finden kein Weideland mehr für ihr Vieh, da ales dem Maisanbau zum Opfer fällt, Biotreibstoff.
    Am Ende wenn bei uns die Blase platz hat nur der was zu futtern der anbauen kann, falls bis dahin der Mutterboden nicht schon völlig verseucht ist, Dennoch steckt in diesem Desaster unsere einziege Chance was draus zu lernen und eine neue Menschlichkeit zu leben..Die allgemeine Lebensfreude hat in den letzten Jahren extrem nachgelassen, meine Kunden sind erschöpft , gestresst, ausgesaugt und krank. Unsere Krebsrate steigt auf 50% und aufgeklärt sein tut richtig weh. Als Mutter habe ich zumindest gerlernt welches Unkraut essbar ist und meine erste Moringa Plantage gut über den Winter gebracht..

    freundlichst Gudrun Jung

  • Karl-Heinz Braun 10. Juli 2015 09:24

    Es ist doch volkommen egal, was auf der Passivseite der Zentralbankenbilanz steht. Diese Verbindlichkeiten schuldet ein Währungsraum sich selbst, und wir Euroner können diese Verbindlichkeiten einfach so stehen lassen. Jede Währung folgt einem Ponzischema. Solange Schulden mit neuen Schulden getilgt werden, gibt es (immer mehr) Geld.

    Transferunion lautet die Lösung. Macht Deutschland ja schon immer – Stichwort Länderfinanzausgleich. Der Schwabe schenkt bem Berliner einen Euro, damit der Berliner für zwei Euro beim Schwaben einkaufen kann. Das funktioniert auch für den Euroraum.

    Eine bessere Staatsführung in den Mittelmeerländern sollte dann allerdings Bedingung für diese Transferunion sein.

  • Thomas Leopold 9. Juli 2015 18:27

    Griechenland ist aber nun einmal kein Unternehmen; Deutschland auch nicht. Den Maßstäben für Unternehmen folgend würde es auch für Deutschland keine positive Fortführungsprognose geben. Dazu ist der Schuldenstand zu hoch. Über welchen Zeitraum sollen diese Schulden zurückgezahlt werden?? Ich brauche keine Statistik um zu wissen, dass das nicht funktioniert.

    Wichtiger ist mir jedoch die Frage, was konkret dieses wirtschaftliche Umfeld für die mittelständischen Unternehmen in Deutschland bedeutet!! Wie verändert sich das Bankenumfeld? Was bedeutet das für die Unternehmensfinanzierung??? Welche Risiken muss ich für die nahe Zukunft beurteilen .. und wie kann ich diesen Risiken begegnen??

    Ich kümmere mich in meinem täglichen Tun lieber um Dinge, die ich beeinflussen kann.

    Herzliche Grüße
    Thomas Leopold

  • gbcc, K. Ghaffari 9. Juli 2015 16:16

    Wenn man sich auf den „Man stelle sich vor“-Gedanken einlassen will, braucht man nicht Griechenland zu untersuchen, sondern kann sich direkt mit dem „Musterknaben“ Deutschland auseinandersetzen.

    In Deutschland steigen seit 1970 die Kredite Jahr für Jahr, weil Deutschland Jahr für Jahr mehr ausgibt als es einnimmt. Bei einem Unternehmen nennt man das Konkursverschleppung.

    In Deutschland scheint die Expansion der Unternehmen allein von Banken und der Gesetzgebung verhindert zu werden. Banken zögern mit Kreditvergaben, wenn die Bonität der Unternehmen sich verschlechtert. Das Insolvenzrecht macht es auch nicht leichter. Keine Wachstumsstrategie der Unternehmen = kein Wachstum des BIP.

    Dennoch gehen sowohl die Politik als auch die Privatwirtschaft von einer ewigen Expansion aus. Andernfalls würde das politische System der Nettoneuverschuldung sofort zusammenbrechen. Und kein Wirtschaftslenker würde freiwillig Begriffe wie „Konsolidierung“ in den Mund nehmen. Sogar Branchen, deren Produkte auf knappen/ raren Ressourcen basieren, planen eine Wachstumsstrategie. Logik wird gemeinhin überschätzt.

    In Deutschland/ Europa hat man noch nicht entdeckt, dass die Kreditknappheit für Unternehmen ebenfalls eine rein fiktive und willkürliche Hürde darstellt. Dafür braucht man nur nach Japan zu schauen. Dort funktioniert das Spiel der Politik genauso in der Privatwirtschaft: Unternehmen können mit neuen Bankkrediten die alten Kredite zurückzahlen und ein Kreditausfall ist dadurch praktischerweise ausgeschlossen. Einige japanische Großkonzerne, die ich analysieren durfte, hatten über Jahre hinweg *negative* freie Cashflows und dennoch ausstehende Kredite im hohen zweistelligen Mrd.-Bereich und traumhafte Wachstumsraten! Geht doch! An solchen Kleinigkeiten soll das Wachstum (der Unternehmen, der Banken, des Landes) wahrlich nicht scheitern.

    Fazit für mich: Das ganze Wirtschaftssystem ist eine einzige virtuelle Realität, die an „Holodecks“ in den Star Trek-Serien erinnert. Ich, Sie, wir alle tun so, als ob es real wäre, weil wir uns ignorant verhalten oder den Weg (zurück) in die Realität für nicht umsetzbar erachten. Peinlich genug. Aber auf andere mit dem Finger zu zeigen und „mein Holodeck ist realer als deins“ zu rufen, ist eindeutig zu viel des Guten.

  • Klaus Modrow 9. Juli 2015 15:22

    Sehr geehrter Herr Förster,

    gern greife ich Ihr Beispiel mit dem Amtsgericht auf – das Sie aber leider nicht zu Ende geführt haben. Richtig ist zu unterscheiden, ob man seine Entscheidungen unter Fortführungs – oder Liquidationsgesichtpunkten trifft. Ohne positive Ertragsprognosen ( das griechische Volk hat demokratisch entschieden nicht sparen und sich somit nicht ändern zu wollen ) geht es an die Verwertung aller Vermögensgegenstände – dabei sind Immobilien die Goldstücke.

    Etwas über den Rand zeichnend:
    Kreta wird für 99 Jahre an internationale Geldgeber in eine Freihandeszone umgewandelt, und die vor der türkischen Küste liegenden Inseln ( da waren die Türken schon immer „scharf drauf“) werden an diese verkauft ,verpachtet oder ebenfalls internationalisiert.

    Die betroffenen Menschen werden griechisch intern entschädigt – dafür stellt Deutschland dann gern das Instrumentarium und Know-how des Lastenausgleiches zur Verfügung, der sich ja ohne Frage bewährt hat.

    Einfach mal quer denken und die allerbesten Grüße aus München – Haimhausen

    Klaus Modrow

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