Unternehmen Mehrheit der Betriebe hatte noch nie einen Azubi mit ausländischen Wurzeln

Berufsausbildung zur Floristin in Dortmund: Bewerber mit ausländischen Wurzeln stoßen bei der Lehrstellensuche noch häufig auf Vorbehalte in Unternehmen.

Berufsausbildung zur Floristin in Dortmund: Bewerber mit ausländischen Wurzeln stoßen bei der Lehrstellensuche noch häufig auf Vorbehalte in Unternehmen.© Picture Alliance / Joker

Für junge Menschen mit ausländischem Hintergrund bleibt es schwer auf dem Ausbildungsmarkt. Viele Betriebe vergeben Lehrstellen eher an andere Bewerber. Die Begründung finden Wissenschaftler nicht schlüssig.

In vielen deutschen Unternehmen stoßen Bewerber mit ausländischen Wurzeln bei der Lehrstellensuche einer Studie zufolge auf Vorbehalte. In einer Befragung der Bertelsmann-Stiftung, die am Donnerstag vorgestellt wurde, gaben 58,9 Prozent der aktiven Ausbildungsbetriebe an, noch nie einem Jugendlichen mit Migrationshintergrund eine Lehrstelle gegeben zu haben. Angesichts von Fachkräftemangel werde hier Potenzial verschenkt, kritisieren die Autoren der Studie.

Als Grund nannten drei Viertel der Unternehmen, die bislang keine Azubis mit ausländischen Wurzeln beschäftigt haben, fehlende Bewerbungen dieser Jugendlichen. Diese Aussage halten die Studienautoren jedoch für wenig plausibel. Jeder vierte Jugendliche in Deutschland habe einen Migrationshintergrund. Gerade diese Klientel bewerbe sich bei vielen Betrieben. Ein Drittel der Abgänger mit mittlerem Schulabschluss und ausländischen Wurzeln finde gar keine Lehrstelle.

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Bei 38 Prozent der Unternehmen spielt die Sorge vor Sprachbarrieren eine Rolle. 14,7 Prozent fürchten, kulturelle Unterschiede seien zu groß und könnten das Betriebsklima belasten. Fast genauso viele sahen ihren Betrieb auf solche Unterschiede nicht vorbereitet. Schlechtere Leistungen der Bewerber befürchten dagegen nur 9,1 Prozent.

Welche Rolle die Sprache spielt

„Wer einen mittleren Schulabschluss hat, dürfte in der Regel keine großen Sprachprobleme mitbringen“, sagte Claudia Burkard von der Bertelsmann-Stiftung. Die Autoren der Studie sehen es daher als wesentlich für gelingende Integration und Fachkräftesicherung an, diesen jungen Menschen den Zugang zu Ausbildung zu erleichtern.

Gleichzeitig zeigte die repräsentative Umfrage unter rund 1000 Unternehmen bundesweit, dass Azubis mit Migrationshintergrund für eine große Zahl der 450.000 Ausbildungsbetriebe in Deutschland längst Normalität geworden sind. 41,1 Prozent der Betriebe haben in den vergangenen fünf Jahren Erfahrungen mit Lehrlingen mit ausländischen Wurzeln gemacht. Aktuell bilden 15 Prozent der Unternehmen Jugendliche mit Migrationshintergrund aus.

Als bemerkenswert hebt die Studie hervor, dass drei Viertel dieser Betriebe keine besonderen Einstellungsgründe aufführt. Dies könne als Hinweis dafür gesehen werden, dass für diese Unternehmen bei ihrer Entscheidung für einen Bewerber die Herkunft gar keine Rolle mehr spielt.

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