Gründung Messestand: Wie Start-ups kostenlos auf die Cebit kommen

Ein Stand auf der Cebit ist für Start-ups aus eigener Tasche kaum zu bezahlen. Das Team von Pixolus konnte umsonst auf der Messe ausstellen. Die Gründer einer Bilderkennungs-Software, die zum Beispiel Zählerstände erfasst, haben beim Messewettbewerb "Start me up!" einen Stand gewonnen. Gründer Stefan Krausz erklärt im Interview sein Erfolgsrezept.

impulse: Herr Krausz, wie gewinnt man einen Stand auf der Cebit?

Stefan Krausz: Die Messe-Gesellschaft hat den Innovationswettbewerb „Start me up!“ ausgeschrieben und da haben wir mitgemacht. Über einen Stand auf der Cebit hätten wir sonst gar nicht nachgedacht. Der kostet in dieser Größenordnung locker 6000 Euro. Für ein junges Unternehmen wie uns ist das nahezu unbezahlbar.

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Wann und wie haben Sie sich beworben?

Etwa ein halbes Jahr vorher, da hatten wir das Unternehmen noch gar nicht gegründet. Wir sind wahrscheinlich das jüngste Unternehmen hier. Als Bewerbungsunterlagen reichte unsere Idee. Man sollte einfach eine prägnante Beschreibung seines Unternehmens einreichen. Dazu haben wir noch ein Foto eingestellt, das war‘s.

Wie lief die Auswahl ab?

Es gab zwei Runden. In der ersten entschied ein Publikums-Voting, bei dem man im Internet abstimmen konnte. Da waren wir weit vorne, aber nicht auf Platz eins. Wir haben uns zwar gefreut, aber nicht mehr mit dem Sieg gerechnet. In der zweiten Runde wurden allerdings die besten fünf Start-ups noch einmal einer Fachjury vorgestellt. Und die haben sich letztendlich doch für unsere Idee entschieden.

Womit haben Sie die Jury überzeugt?

Unser Ansatz ist übergreifend, die anderen Start-ups waren viel spezifischer. Wir konnten damit punkten, dass unsere Bilderkennungssoftware für mehrere Branchen interessant ist. Energieunternehmen, die Deutsche Bahn und der Handel sind derzeit unsere Zielkunden. Das lässt sich natürlich auch noch zum Beispiel auf Online-Banking ausweiten, um die IBAN einzuscannen.

Wie setzen Sie sich als Start-up von der Konkurrenz auf der Cebit ab? Das etablierte QR-Code-System funktioniert ja ähnlich und ist hier überall zu finden.

Der QR-Code ist für uns nicht nur Konkurrenz, sondern auch Vorbild. Wir haben uns von der Technik für unsere Software inspirieren lassen. Aber wir setzen uns dadurch ab, dass wir auch veränderbare Zahlen erfassen können, zum Beispiel die Geschwindigkeit auf dem Auto-Tacho. Deshalb konzentrieren wir uns auch derzeit auf Zählerstände. Zum anderen kann man die Informationen mit unserer Software nicht nur weiterleiten, sondern auch selbst als Nutzer verstehen und für sich speichern. Durch einfaches Abfotografieren des Stromzählers kann man zum Beispiel seinen Verbrauch archivieren und im Auge behalten, ohne dass das gleich die Stadtwerke mitbekommen. Anders als der QR-Code ist Pixolus auch noch auf Bilder anwendbar, die vielleicht schon vor Jahren entstanden sind.

Und, hat sich die Cebit für Sie gelohnt?

Auf jeden Fall, wir haben hier sehr viel Zuspruch bekommen. Und auch direktes, ehrliches Feedback, wenn einem Besucher etwas nicht gefällt. So haben wir die Möglichkeit, in einer frühen Phase unser Produkt zu testen. Und wir mussten eine Deadline einhalten, auf die wir gut hinarbeiten konnten. Einen Messetermin kann man nicht verschieben, bis dahin musste also alles stehen. Das hat uns sehr geholfen zu strukturieren, was wichtig ist. Mittlerweile würde ich sagen, wir hätten uns den Stand auf der Cebit auch gönnen sollen, hätten wir ihn nicht gewonnen.

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