Unternehmen Mifa: Industriespionage in der Fahrradschmiede?

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Neue Fahrräder© Anton Gvozdikov - Fotolia.com

Abkupfern statt Kaufen? Der indische Hero-Cycles-Konzern will Mifa zuerst übernehmen, dann springen sie ab. Jetzt steht der Vorwurf der Industriespionage im Raum.

Nach der Insolvenz des Fahrradbauers Mifa will der Sachwalter des Unternehmens Schadensersatzansprüche gegen den indischen Hersteller Hero Cycles prüfen. Dabei gehe es sowohl um Berichte, wonach Hero Cycles die Firma ausspioniert haben könnte, als auch um mögliche Ansprüche gegen frühere Manager von Mifa, teilte ein Sprecher der Kanzlei Flöther & Wissing mit.

Hero Cycles wies den Vorwurf der Industriespionage zurück. „Solche Vorwürfe werden vor Gericht keinen Bestand haben“, sagte Finanzchef Rohit Maheshwari der Nachrichtenagentur dpa. Das „Handelsblatt“ hatte berichtet, ein Gutachten im Auftrag von Aktionären werfe Hero Cycles Industriespionage vor.

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Großaktionär bei Mifa mit rund 600 Mitarbeitern ist der frühere AWD-Chef Carsten Maschmeyer. Er war für eine Stellungnahme zunächst nicht zu erreichen. Mifa mit Sitz in Sangerhausen hatte am Montag Insolvenz in Eigenverwaltung angemeldet, nachdem die Verhandlungen über einen Einstieg der indischen Investoren gescheitert waren.

Inder sollten Mifa retten

Anfang des Jahres hatte das Unternehmen Fehler in der Bilanz eingeräumt. Nach neuen Zahlen entstand vergangenes Jahr ein Verlust von mehr als 13 Millionen Euro, nachdem Bestände falsch bewertet worden waren. Der indische Weltmarktführer sollte als Retter des Unternehmens einspringen und die Mehrheit übernehmen.

Der Finanzchef von Hero Cycles warf Mifa vor, bestimmte Voraussetzungen aus dem Vertrag über den Einstieg nicht erfüllt zu haben. Außerdem habe Mifa nicht klar über die finanzielle Lage des Unternehmens berichtet. Die Finanzzahlen der vergangenen vier Jahre seien nicht korrekt gewesen.

Ermittlungsverfahren wurde eingeleitet

Der vorläufige Sachwalter ist nach eigenen Angaben verpflichtet, alle Schadensersatzansprüche zu prüfen. Für jeden möglichen Anspruch werde in der Bilanz jeweils ein Euro als „Erinnerungswert“ eingestellt. Der Sachwalter will auch mit der Staatsanwaltschaft zusammenarbeiten. Die Justiz hatte aufgrund von Anzeigen ein Ermittlungsverfahren wegen der falsch bilanzierten Zahlen eingeleitet.

Nach Angaben des Sachwalters gibt es bereits zwei Interessenten für das Unternehmen, die sich selbst gemeldet hätten. Nähere Angaben wollte er dazu nicht machen. Sachsen-Anhalt Wirtschaftsminister Hartmut Möllring (CDU) hatte bereits von einem Interessenten gesprochen. Nach Informationen der dpa soll es sich bei den beiden, die auf das Unternehmen zugegangen sind, jeweils um Finanzinvestoren handeln.

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