Unternehmen Kristina Stabernack: „Mit dem Herzen war ich nicht richtig dabei“

Kristina Stabernack, 53, Beiratsvorsitzende des Lauterbacher Verpackungsherstellers STI Group, über das Versäumnis, sich mit aller Kraft auf das eigene Familienunternehmen zu konzentrieren.

Heute habe ich Frieden gefunden, mit mir selbst und meiner Rolle in unserem Familienunternehmen. Mein Vater hatte mir nur Nebenrollen zugestanden. Es fiel ihm schwer, meine Leistung anzuerkennen. Selbst als es mir gelang, eine Internationalisierung für das Unternehmen durch Gründung einer Niederlassung in Frankreich zu initiieren, kam kein Lob über seine Lippen. Dennoch bin ich davon überzeugt, dass er an mich glaubte – auch wenn er wie viele Patriarchen seine Gefühle nicht zeigen konnte.

Als er 1999 starb, war ich auf mich allein gestellt. Jetzt lag die Verantwortung auf meinen Schultern, der vierten Generation. Ich traf Personalentscheidungen und glaubte, die Firma neben meiner Berufung als Ärztin aus dem Beirat führen zu können. Dies sah ich als meine Verpflichtung an. Doch innerlich tobte ein Zwiespalt in mir. Eigentlich wollte ich weiter Medizin praktizieren, trotz Ausbildung im Bankbetrieb, BWL-Studium und mehrjähriger Erfahrung in der Unternehmensführung im In- und Ausland. Ich wollte am Ball bleiben, mich beweisen und mich nicht ins gemachte Nest setzen. Der Zwiespalt machte mich fertig, auch körperlich. Ich haderte, kämpfte mit mir selbst. Erst vor wenigen Jahren wurde mir klar, was sich in mir abspielte: Was ich äußerlich tat, stimmte nicht mit meinem Inneren überein. Ich arbeitete zwar für unser Unternehmen, doch mit dem Herzen war ich nicht richtig dabei.

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Heute, nach all der Zeit, weiß ich: Wir müssen mit Hingabe die Aufgaben annehmen, die uns das Leben stellt. Ich hätte mich von Anfang an auf das Unternehmen einlassen sollen. Dies nicht getan zu haben ist mein größter Fehler. Solch eine Firma führen zu dürfen, betrachte ich heute als große Chance und Geschenk. Ich habe die Nähe wiedergefunden. Als Vorsitzende des Beirats kümmere ich mich vor allem um die menschlichen Belange, ohne Wärme und Emotion geht es nicht in einem Familienunternehmen. Wer glaubt, alles rational entscheiden zu können, wird scheitern.

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Dieser Beitrag stammt aus impulse-Ausgabe 10/2012.Abonnenten erhalten die neueste Ausgabe des Unternehmermagazins impulse jeden Monat frisch nach Hause geliefert. impulse gibt es auch zum Download als PDF sowie in einer mobilen Version für Tablets und Smartphones als impulse-App für Android und iOS.

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