Unternehmen Mitarbeiter-App im Unternehmen: „Die Jüngeren sind verrückt danach“

Hotelchefin Nicole Kobjoll ist überzeugt von Mitarbeiter-Apps. "Man muss nicht im Hotel sein, um wichtige Infos zu bekommen", sagt sie.

Hotelchefin Nicole Kobjoll ist überzeugt von Mitarbeiter-Apps. "Man muss nicht im Hotel sein, um wichtige Infos zu bekommen", sagt sie.© Picjumbo.com

Dienstplan checken, Ideen posten: das geht im Nürnberger Hotel Schindlerhof per Mitarbeiter-App. Im impulse-Interview beschreibt Geschäftsführerin Nicole Kobjoll die Vorteile für Unternehmen.

Frau Kobjoll, Ihr Hotel hat vor einigen Jahren eine Smartphone-App speziell für Ihre knapp 70 Mitarbeiter eingeführt. Wie kam es dazu?

Nicole Marie-France Kobjoll: Vor fünf Jahren war ich schwanger und wollte vor der Entbindung noch zwei Wochen von zuhause aus arbeiten. Das war ziemlich schwierig, weil ich plötzlich an keine Informationen mehr rangekommen bin, die das Hotel betrafen: Ich musste 15 bis 20 Mal am Tag im Hotel anrufen, um Kleinigkeiten nachzufragen. Extrem nervig. Dann kam mir die Idee, dass man das ja auch über ein Tool abwickeln könnte – und so haben wir eine Entwicklungsfirma damit beauftragt, die dann unsere erste App programmiert hat. Mittlerweile haben wir die siebte Version in Betrieb.

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Was können Ihre Mitarbeiter mit der App machen?

Das Wichtigste ist: Sie können auf die aktuellen Dienstpläne zugreifen und kommen ganz einfach an alle wichtigen Informationen ran, die das Hotel betreffen.

Klingt so, als sei die App Ihre Version des Intranets …

Ja, aber die App hat den Vorteil, dass man sie von überall aus nutzen kann. Man muss nicht im Hotel sein, um wichtige Infos zu bekommen – sondern kann einfach mit dem Handy darauf zugreifen. Dazu haben wir viele weitere praktische Funktionen integriert – die App ist im Prinzip so etwas wie ein kleines Facebook für unsere Mitarbeiter.

Mitarbeiter-Facebook? Wie kann man sich das vorstellen?

Wenn ich zum Beispiel auf einer Messe bin und ein tolles Möbelstück für eines unserer Hotelzimmer entdecke, dann kann ich einfach ein Foto machen und das in der App posten. Alle anderen können dann kommentieren, wie ihnen das Möbelstück gefällt. Das Gleiche gilt für die Ankündigung der nächsten Mitarbeiter-Party, für Ideen, die die Mitarbeiter haben und vieles anderes.

Die App ist also auch Ihr virtuelles „schwarzes Brett“?

Ganz genau. Junge Mitarbeiter haben aber einfach keine Lust mehr auf schwarze Bretter. Da kommt so ein digitales Tool einfach viel besser an.

In der Mitarbeiter-App gibt es unter anderem ein schwarzes Brett. Auch Fotos können hier gepostet werden.

In der Mitarbeiter-App gibt es unter anderem ein schwarzes Brett. Auch Fotos können hier gepostet werden.© Kobjoll

Sie haben angesprochen, dass Ihre Mitarbeiter über die App auch ihre eigenen Ideen für das Hotel einbringen können. Wie funktioniert das?

Es gehört zu unserer Unternehmenskultur, dass wir von allen Mitarbeitern monatlich eine Idee oder einen Verbesserungsvorschlag erwarten. Den posten die Mitarbeiter in die App. Der Rest kann dann darüber abstimmen, wie gut die Idee ist. Alles ist also ganz transparent und nachvollziehbar. Auf Transparenz legen wir insgesamt großen Wert, deshalb veröffentlichen wir in der App beispielsweise auch unsere Umsätze des Vortages.

Wie rege wird das Programm von Ihren Mitarbeitern genutzt?

Anfang dieses Jahres hat jeder Mitarbeiter von uns ein iPad bekommen. Dadurch haben wir sichergestellt, dass auch die, die nicht so Smartphone-affin sind, die App benutzen können. Insgesamt wurde sie aber auch davor sehr rege genutzt. Um auf das „schwarze Brett“ zurückzukommen: Da hingen früher manchmal monatelang alte Informationen. Seitdem wir die App haben, kommen verstärkt Mitarbeiter auf mich zu und sagen: Diese oder jene Information ist veraltet und muss dringend auf den neuesten Stand gebracht werden.

Wahrscheinlich sprechen Sie vor allem die jungen Mitarbeiter damit an, oder?

Ich hatte selten ein Werkzeug im Unternehmen, durch das sich die Mitarbeiter so aktiv eingebracht haben, egal ob jung oder alt. Aber klar: Insbesondere die jungen Mitarbeiter haben richtig Lust auf die App, die sind regelrecht verrückt danach.

Auch alle Dienstpläne sind in der App verfügbar.

Auch alle Dienstpläne sind in der App verfügbar.© Kobjoll

Gerade in großen Unternehmen sagt man den Mitarbeitern heute: Schaltet eurer Smartphone aus, wenn ihr Feierabend habt und checkt auch nicht mehr ständig eure Mails. Stichwort Work-Life-Balance. Ihre App widerspricht diesem Ansatz doch völlig, opder?

Wir haben uns darüber lange unterhalten, auch was den Aspekt der so genannten Work-Life-Balance angeht. Aber wir denken: Man kann letztendlich keinen völligen Cut machen und sagen: Jetzt bin ich im Job, jetzt bin ich privat. Wir sprechen von Lebenszeit und suchen auch gezielt nach Mitarbeitern, die bereit sind, sich einzubringen, unser Hotel mit zu entwickeln. Viele unserer Mitarbeiter wollen sich irgendwann mal selbstständig machen und sind so etwas wie „Vollblut-Mitunternehmer“ im Hotel. Die haben kein Problem damit, sich auch im privaten Rahmen mit dem Unternehmen zu beschäftigen – im Gegenteil, sie fragen eher noch nach weiteren Informationen.

Die App gibt Ihren Mitarbeitern also Infos, die sie wollen – anstatt sie in ihrer Freizeit zu „belästigen“?

Das Problem in vielen Unternehmen ist, dass Mitarbeiter außerhalb der Führungsebene an zu wenige Informationen herankommen. Je größer das Unternehmen, desto größer das Informationsdefizit – und die Gefahr, dass Gerüchte entstehen, weil keiner weiß, was Sache ist. Diese Lücke schließt die App und das kommt bei unseren Mitarbeitern an. Letztendlich kann man die App aber auch deaktivieren – eben so, dass man überhaupt nicht gestört wird. Aber selbst wenn Mitarbeiter im Urlaub sind und komplett abschalten wollen, hat die App noch einen entscheidenden Vorteil: Man kann ganz einfach in ein paar Sekunden im Dienstplan nachgucken, in welcher Schicht man nach dem Urlaub arbeitet – und spart sich den sonst üblichen Anruf im Hotel.

nicole-koboll_100Zur Person:
Nicole Marie-France Kobjoll (38) ist seit 2001 Mitglied der Geschäftsleitung des Hotels Schindlerhof in Nürnberg.

2 Kommentare
  • Uwe Matern 13. Juni 2015 16:23

    Hallo Herr Düsterhöft,

    ein sehr interessanter Artikel mit einem guten Beispiel für die „digitale Transformation“ in einem kleine/mittelständischen Unternehmen. Das ist für mich Digitalisierung in der Praxis.

    Ich hatte auf der diesjährigen CeBit das Vergnügen, ein StartUp kennenzulernen, welches genau in diesem Bereich clevere Lösungen anbietet. Es handelt sich um „SmapOne“. Wenn ich die Idee richtig verstanden habe, bietet SmapOne Tools an, um basierend auf existierenden Business Prozessen, Apps für Mitarbeiter zu erstellen. Somit können diese Prozesse dann mobil benutzt/bedient werden.

    Viele Grüße aus Hamburg
    Uwe Matern

  • Martin Böhringer 11. Juni 2015 14:35

    Sehr informatives Interview, vielen Dank! Auch wir sehen, dass aktuell viele Unternehmen die Idee einer App als mobile Version des Intranets haben.

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