Unternehmen Mittelständler am Zuckerhut: „Brasilien steht sich selbst im Weg“

Die Skyline der brasilianischen Millionenmetropole Rio de Janeiro.

Die Skyline der brasilianischen Millionenmetropole Rio de Janeiro.© sfmthd - Fotolia.com

Katerstimmung am Zuckerhut: Viele deutsche Unternehmen in Brasilien schwanken zwischen Hoffnung und Enttschäuschung, auch der Schmierstoff-Hersteller Fuchs-Petrolub. Firmenchef Stefan Fuchs ist bei Investitionen inzwischen vorsichtiger geworden - und spart nicht an Kritik an der einst großen Wirtschaftslokomotive Lateinamerikas.

Aus Brasilien wird nach Ansicht von Fuchs-Petrolub-Chef kein zweites China. „Der Markt ist interessant, aber er wird sich nie so rasant entwickeln wie einige asiatische Märkte“, sagte der Vorstandsvorsitzende des Schmierstoffherstellers, Stefan Fuchs, am Unternehmenssitz in Mannheim. Der Schmierstoffhersteller verdiene dort zwar Geld und sei auch zufrieden, aber Brasilien entwickele sich nicht so schnell wie China. Das Land tue sich schwer mit seiner Wirtschaftspolitik.

Vor allem die starke Abwertung des brasilianischen Real, Schutzzölle und Korruption machten dem Land zu schaffen. „Es ist ein schwieriges Land. Weil es so schwierig ist, steht sich Brasilien selbst im Weg“, sagte Fuchs. Dennoch bereue das Unternehmen nicht, in Brasilien engagiert zu sein. Es ist schon seit Anfang der 70er Jahre im Land.

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Allerdings plane Fuchs Petrolub den Bau des neuen Werks in der Nähe von Sao Paulo nun vorsichtiger. „Wir haben ein bisschen abgespeckt, um potenziell unnötige Kapazitäten zu vermeiden“, sagte Fuchs. Das Unternehmen werde zunächst nur die Hälfte des gekauften Grundstücks bebauen. Das Volumen könne aber trotzdem ohne weiteres verdoppelt werden. Wie auch bei anderen Werksneubauten hat das Unternehmen Fuchs zufolge auch schon einen finalen Ausbauplan in der Schublade. Die Erweiterung von Werken erfolge aber schrittweise.

Petrolub-Fuchs verbucht Rekordjahr

Neben dem Wachstum aus eigener Kraft wie etwa durch den Bau neuer Werke setzt der Fuchs-Petrolub-Chef auch weiter auf Zukäufe. An den finanziellen Mitteln mangelt es dem Unternehmen nicht. „Grundsätzlich könnte Fuchs Petrolub Fremdkapital in Höhe des Eigenkapitals aufnehmen und hätte immer noch eine akzeptable Bilanz“, sagte der Unternehmenschef. Ende März wies das Unternehmen ein Eigenkapital von knapp 850 Millionen Euro aus. Mit dieser Größenordnung sollte man aber nicht bei möglichen Zukäufen in der Zukunft rechnen, fügte Fuchs hinzu.

Zukaufen will der Unternehmenschef allerdings nicht zu jedem Preis. „Es muss finanziell und strategisch Sinn machen und es darf unsere Wachstumsinitiative nicht hemmen“, sagte Fuchs. „Momentan zieht das eine oder andere an uns vorbei, weil exorbitante Preise gezahlt werden.“ Es sei viel Geld zu extrem günstigen Konditionen im Markt.

Fuchs Petrolub stellt Schmierstoffe unter anderem für die Automobilindustrie, die Landwirtschaft und den Bergbau her. 2013 hatte die im MDax notierte Gesellschaft mit einem Rekordjahr geschlossen. Der Umsatz war um zehn Prozent auf gut 1,8 Milliarden Euro und der Gewinn um knapp sechs Prozent auf 220 Millionen Euro gestiegen. Ende März beschäftigten die Mannheimer knapp 4 000 Mitarbeiter.

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