Zwar erwarteten die Firmen eine Besserung der Wirtschaftslage, teilte die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young zu ihrer Umfrage unter 3000 Unternehmen mit. Das reiche aber nicht aus, um einen Anstieg der Pleiten zu verhindern. Die Zahl der Firmeninsolvenzen kletterte im vergangenen Jahr bereits um 16 Prozent auf gut 34.300 Fälle, teilte die Neusser Wirtschaftsauskunftei Creditreform mit.
"Es wird noch mindestens zwei Jahre dauern, bis wir beim Produktionsvolumen wieder auf dem Stand vor der Krise sind", sagte Peter Englisch von Ernst & Young. "Eine solche Unterauslastung der Kapazitäten beschleunigt die Marktbereinigung." Im Schnitt sagen die Unternehmen das Ende der Krise für Juni 2011 voraus, die Hälfte erwartet sogar schon für dieses Jahr wieder einen Aufschwung.
Bei jedem zehnten Unternehmen könnte das Ausbleiben eines nachhaltigen Aufschwungs zu existenziellen Problemen führen. In Ostdeutschland sei sogar jede sechste Firma gefährdet. Das könnte auch bisher gesunde Unternehmen in Schwierigkeiten bringen, sagte Englisch. "Forderungsausfälle können durchaus zu existenzbedrohenden Situationen führen." Dazu komme die Zurückhaltung der Banken bei der Kreditvergabe. "Wer schon vor der Krise Probleme hatte, kann jetzt kaum noch auf Entgegenkommen vonseiten der Banken hoffen. Die Banken sind bei der Kreditvergabe zu Recht sehr vorsichtig geworden."
Die Deutsche Bank will mittelständischen Firmen mit einem speziellen Fonds Eigenkapital zur Verfügung stellen. Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann hatte die Fonds-Idee im Dezember beim Konjunkturgipfel im Kanzleramt als Reaktion auf die Kritik an einer zögerlichen Kreditvergabepolitik der Institute vorgebracht. Die Industrie hatte das Volumen von 300 Millionen Euro aber als nicht ausreichend bezeichnet.
Firmen sind nicht für den Aufschwung gerüstet
Die Mittelständler blieben daher trotz einer erwarteten Konjunkturbelebung zurückhaltend bei ihren Investitionsplänen, zudem wollten etwas mehr Firmen Stellen abbauen als neue Mitarbeiter einstellen. Zwei von drei Firmen setzten derzeit darauf, das Kerngeschäft zu stabilisieren. "Viele mittelständische Unternehmer trauen dem Frieden nicht und gehen vorerst auf Nummer sicher - sie wollen vermeiden, womöglich einem neuerlichen Konjunktureinbruch zum Opfer zu fallen", sagte Englisch. "Diese Haltung ist zwar verständlich, in der Summe aber gefährlich." Denn auf diese Weise liefen die deutschen Unternehmen Gefahr, bei einem Aufschwung den Anschluss zu verlieren.
Quelle: ftd.de
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