Themenspezial "Energieeffizienz im Unternehmen"
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© KfW

Ein Interview mit Diplom-­Ingenieurin und Energieberaterin Melanie Schlepütz über Energieeinsparpotentiale in Unternehmen.

Wo gibt es bei gewerblichen Gebäuden den größten Nachholbedarf in Bezug auf Energieeffizienz?

Melanie Schlepütz: Vor allem bei der Anlagentechnik. Wir treffen oft auf Heizungen, die 20 Jahren und älter sind. Dabei kann man mit moderner Technik ein Drittel der Heizkosten sparen. Auch viele Dächer sind ungenutzt, dabei könnten dort Photovoltaikanlagen Strom für den eigenen Gebrauch produzieren.

Und wie sieht es aus mit den Produktionsanlagen und -prozessen?

Auch in der Produktion gibt es noch Einsparmöglichkeiten, zum Beispiel in der Drucklufttechnik. Energieverluste entstehen hier durch Leckagen und falsche Aufstellorte. Die Abwärme kann zudem gespeichert und zur Warmwasserbereitung genutzt werden. Und überall dort, wo der Warmwasserverbrauch hoch ist, lohnt es sich, Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen zu installieren.

Wie sieht das in der Praxis aus?

Wir haben zum Beispiel einen Großhändler beraten. Die Herausforderung lag darin, dass seine Halle 1970 gebaut und nicht ordentlich gedämmt war. Am Dach konnte weder eine Dämmung angebracht, noch Strahlungsplatten oder Dunkelstrahler montiert werden. Eine Fußbodenheizung kam ebenso wenig in Frage wie eine Flächenheizung an den Wänden, da überall Kühlmöbel aufgestellt sind. Deshalb haben wir Hellstrahler empfohlen. Sie heizen nicht den gesamten Raum, sondern wärmen punktuell und sind deshalb ideal für große Hallen. Kombiniert wird die Technik mit effizienter Brennwerttechnik. Zudem wird die Abwärme der Kühlgeräte genutzt. Ein zweiter Schwerpunkt liegt auf effizienter Kühltechnik. Der Großhändler hat zwei Millionen Euro investiert, davon 600.000 Euro für Kühltechnik inklusive Wärmerückgewinnung mit 45.000 Euro. Die Stromeinsparung liegt bei rund 50 Prozent, bei Gas bei 20 Prozent.

Das sind große Investitionen. Kann man auch mit kleineren Maßnahmen etwas bewirken?

Oft wird das Offensichtliche übersehen – die Beleuchtung. Dabei könnten die anteiligen Stromkosten für die Beleuchtung um 50 Prozent reduziert werden, indem man LED-Lampen installiert bzw. sich überlegt, ob Lampen ausgeschaltet werden können. Außerdem können Unternehmen viel bewirken, indem sie ihre Mitarbeiter dafür sensibilisieren, Strom zu sparen. Grundsätzlich lohnt es sich, in Energieeffizienz zu investieren, weil dieser Bereich vom Staat gefördert wird.

Für welche Bereiche gibt es die besten Aussichten auf Fördermittel?

Unternehmer können sowohl für Gebäudesanierungen als auch für die Modernisierung ihrer Anlagen vergünstigte Kredite und Tilgungszuschüsse erhalten. Die KfW bietet ein Heizungs- und ein Lüftungspaket an, Förderung gibt es auch für die Beleuchtung. Besonders attraktiv sind momentan die Konditionen bei der Nutzung von Abwärme. Auch der Einsatz der Energieberater wird gefördert. Das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) übernimmt zum Beispiel 80 Prozent der Beratungskosten.


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