BKK-Gesundheitsreport Langzeiterkrankungen: In kleinen Firmen sind sie besonders häufig!

In Kleinunternehmen mit bis zu neun Beschäftigten sind Langzeiterkrankungen die Ursache für fast die Hälfte aller Fehltage.

In Kleinunternehmen mit bis zu neun Beschäftigten sind Langzeiterkrankungen die Ursache für fast die Hälfte aller Fehltage.© Marco Drux / Fotolia.com

Langzeiterkrankungen in Unternehmen nehmen zu - in kleinen mehr als in großen. Der Grund: In kleinen Firmen kommt eine wichtige Sache oft zu kurz.

Die Zahl der Arbeitnehmer, die in ihrem Betrieb krankheitsbedingt mehr als sechs Wochen am Stück ausfallen, steigt stetig. Langzeiterkrankungen wie Rückenbeschwerden, Krebs, Diabetes oder psychische Störungen machen fast die Hälfte der Fehltage in deutschen Unternehmen aus – und sie steigen weiter an. Dies geht aus dem Gesundheitsreport des Dachverbandes der Betriebskrankenkassen (BKK) hervor, der am Mittwoch in Berlin vorgestellt wurde. Vor zehn Jahren habe der Anteil der Ausfälle durch langwierige Krankheiten noch bei 41 Prozent und damit 5 Prozentpunkte niedriger gelegen als heute.

Muskel- und Skeletterkrankungen wie Rückenleiden und psychische Störungen sind dem BKK-Report zufolge die häufigsten Ursachen von Langzeiterkrankungen. Auf diese beiden Krankheiten geht mehr als jeder zweite Krankengeldtag zurück.

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In Kleinunternehmen mit bis zu neun Beschäftigten sind fast die Hälfte aller Fehltage (49 Prozent) mit Langzeiterkrankungen verbunden. Diese Quote liegt in Großunternehmen um rund zehn Prozentpunkte niedriger. Das hängt offenbar auch mit den Präventionsangeboten zusammen. Unternehmen mit vielen Beschäftigten haben oft bessere Strukturen und Angebote für ihre Beschäftigten in der betrieblichen Gesundheitsförderung.

Arbeitnehmer sind im Schnitt 12 Tage krank

2014 war jedes beschäftigte BKK-Mitglied laut Report im Schnitt 16 Tage arbeitsunfähig. Ein Krankheitsfall dauerte demnach im Durchschnitt 12,7 Tage.

Der größte Teil der Gesundheitsausgaben in Deutschland entfällt nach Angaben der Techniker Krankenkasse (TK) auf die Behandlung sogenannter Zivilisationskrankheiten wie Rückenbeschwerden, Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Schätzungen gehen demnach von bis zu 70 Prozent aus. Allen gemeinsam sei, „dass sie oft lebensstilbedingt und damit eigentlich vermeidbar sind – hervorgerufen durch ungesunde Ernährung, Bewegungsmangel und Stress“, erklärte die TK am Mittwoch. Mit besserer Prävention, mit einer gesünderen Lebensweise ließe sich viel dagegen tun.

Deutliche Kritik am Gesundheitssystem

Allerdings würden die Anreize im Gesundheitssystem falsch gesetzt. Im Finanzausgleich zwischen den Kassen, dem sogenannten Morbi-RSA, sei es finanziell besonders attraktiv, möglichst viel Krankheit zu dokumentieren. Denn je mehr Krankheiten eine Kasse bei ihren Versicherten nachweisen könne, umso mehr Geld erhalte sie aus dem Gesundheitsfonds.

Diejenigen Kassen würden also finanziell bestraft, die sich zum Beispiel darum kümmerten, dass sich die Zuckerkrankheit eines Versicherten nicht verschlechtere, erläuterte TK-Chef Jens Baas und fügte hinzu: „Ein Gesundheitssystem, in dem niemand mehr ein Interesse an gesunden Menschen hat, ist ein krankes System.“

1 Kommentar
  • Dr. Böhm 1. Dezember 2015 08:00

    Eine Teillösung des Problems:
    Keine Krankschreibung für psychische „Erkrankungen“. Wir leben in einem freien Land. Jeder kann seine Ausbildung und seinen Beruf recht frei wählen. Wer überfordert ist kann kündigen.

    Komischerweise mußten die psychischen Erkrankungen zum Großteil erst von Psychiatern erfunden werden, sonst gäbe es kaum welche.

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