Sattler-Branche Luxus aus Leder

Gute Ledersättel aus Deutschland werden rund um den Globus exportiert.

Gute Ledersättel aus Deutschland werden rund um den Globus exportiert.© picture alliance / dpa

Eine kleine Branche mit langer Tradition behauptet sich erfolgreich im Schatten der Öffentlichkeit: Sattler. Sie produzieren hochwertige Pferdesättel - und restaurieren sogar Ledersitze von Oldtimer-Autos. Auch im Ausland sind die deutschen Luxuswaren gefragt.

„Drei Pferde sichern einen Arbeitsplatz“, sagt Georg Kannemeier. Der Vorsitzende der Fachgruppe Pferdesport im Bundesverband der Sportindustrie (BSI) muss es eigentlich wissen. Auf der internationalen Fachmesse „Spoga Horse“ in Köln spürte er mit Vertretern der Branche aus dem In- und Ausland gerade den Trends auf und unterm Sattel nach. „Deutschland ist mit Abstand der größte Reitsportmarkt, den es weltweit gibt – aber zugleich ist er auch der umkämpfteste“, sagt der Geschäftsführer des renommierten Traditionsherstellers G. Passier & Sohn aus Langenhagen bei Hannover.

Der Betrieb ist schon seit 1867 im Geschäft und sieht sich selbst mit einer Produktion von 4000 bis 6000 Sätteln pro Jahr als Marktführer im Reitsattelgeschäft. Niedersachsen gilt nach Nordrhein-Westfalen als eine der bedeutendsten deutschen Pferderegionen – und damit als Sattler-Land. „Im ganzen Land kommen wir auf 173 Sattlerei-Betriebe“, sagt Hannovers Handwerkskammer-Sprecherin Brigitte John.

Anzeige

Was das Luxuslabel Hermès mit Sattlern zu tun hat

Allerdings bringen nicht alle davon Ross und Reiter auf Trab: Viele Sattler möbeln auch abgewetzte Ledersitze von Oldtimer-Fahrzeugen auf oder stellen wie die in Oldenburg ansässige Manufaktur Ackermann edle Lederwaren her. Offizielle Zahlen der kleinen, aber feinen Branche sind Mangelware. Viele der Unternehmen sind Familienbetriebe – sie halten sich bedeckt mit Angaben zu Umsatz und Gewinn.

Neben Passier sieht der BSI die Firmen Kieffer in München, Sommer in Pirmasens und Stübben in Krefeld bundesweit unter den Top vier der Branche. Die Niederrhein-Stadt hat eine lange Tradition: Auch die Wurzeln des heutigen Pariser Luxustaschen-Herstellers Hermès gehen auf einen deutschen Sattler zurück, der seine Produkte an der Seine später auf edle Taschen umstellte. Doch begehrt sind vor allem hochwertige Freizeitsättel – nicht nur bei Reitern, sondern auch bei Dieben, die immer wieder ganze Sattelkammern leeren.

Ein guter Dressursattel kostet so viel wie ein Mittelklassewagen

„Die Trends gehen zu breiteren Sitzflächen, auf denen der Reiter sein Gewicht besser verlagern kann“, sagt Sprecherin Sarah Kraft von der Kölner Spoga-Messe, „denn der Sattel muss ja passen, damit der Reiter mit dem Pferd auch kommunizieren kann.“ Immerhin wird der Sattel als wichtigstes Bindeglied zwischen Pferd und Reiter auch im Zeitalter der Digitalisierung noch immer aufwendig von Hand gefertigt. Damit sind Pferdesättel teuer – vor allem, wenn sie dem Pferd angepasst nach den Wünschen des Käufers individuell hergestellt wurden.

Ein guter Dressursattel kann leicht schon mal den Wert eines gebrauchten Mittelklassewagens erreichen. „Nach oben ist die Spanne der Preise offen“, sagt Sabine Wilp von der Handwerkskammer Hannover.

„Rund 90 Prozent aller Sattel passen nicht optimal aufs Pferd“

„Gute Sattelhersteller sind Mangelware“, sagt Gerd-Jürgen Just und schätzt: „Rund 90 Prozent aller Sattel passen nicht optimal aufs Pferd – das ist schon eine hohe Kunst.“ Im Betrieb seiner Frau Anke im Emsland sind ständig 500 Sättel vorrätig, sagt er. Zusätzlich zu drei Eigenmarken sind rund 25 Marken, die exklusiv in Schottland oder Italien hergestellt und nach Kundenwünschen individuell angepasst werden. Just: „Es ist heute schwieriger, einen guten Sattel gebaut zu bekommen als ihn zu verkaufen.“

Kein Wunder, dass Sättel aus Deutschland auch im Ausland begehrt sind. Neben Dubai, Russland, den Benelux-Staaten und der Schweiz kommen die Kunden auch aus dem außereuropäischen Ausland. Bei Passier mit seinen rund 80 Mitarbeitern gehen rund 40 Prozent der Produktion in den Export – vor allem in die Benelux-Staaten, aber auch Japan oder Skandinavien. Der Betrieb liefert allerdings nicht an den Endverbraucher, sondern nur an Weiterverkäufer.

Hinterlassen Sie einen Kommentar

(Kommentare werden von der Redaktion montags bis freitags von 10 bis 18 Uhr freigeschaltet)

Bitte beantworten Sie die Sicherheitsabfrage (Anti-Spam-Schutz): * Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.