Prozess zwischen dm und Alnatura Darum dreht sich der Konflikt zwischen Alnatura und dm

Markenstreit und Preiskampf: Als dm seine Eigenmarke einführte, standen Alnatura-Produkte neben der neuen Konkurrenz im Regel. Jetzt haben die Kunden nur noch seltener die Wahl.

Markenstreit und Preiskampf: Als dm seine Eigenmarke einführte, standen Alnatura-Produkte neben der neuen Konkurrenz im Regel. Jetzt haben die Kunden nur noch seltener die Wahl.© dm

Zwischen dm und Alnatura kracht es gewaltig. Obwohl die Firmenchefs familiär verbunden sind, stehen sie sich gleich in zwei Prozessen gegenüber. Die wichtigsten Streitpunkte im Überblick.

Alnatura-Chef Götz Rehn und dm-Gründer Götz Werner waren nicht nur 30 Jahre lang erfolgreiche Geschäftspartner, sondern sind auch Schwager. Lange Zeit schien es, als passe kein Blatt zwischen die Gründer der erfolgreichen Handelsunternehmen: Rehns Alnatura verkaufte seine Bio-Lebensmittel zum größten Teil in dm-Märkten – und zwar sehr erfolgreich. Alnatura macht heute 760 Millionen Euro Umsatz und betreibt über 100 eigene Filialen. Rehns Schwager und dm-Gründer Götz Werner übertrifft diese Erfolgsgeschichte noch: Dm zählt mit über 3000 Geschäften und 9 Milliarden Euro Jahresumsatz zu den größten Drogerieketten Europas.

Doch mit der Harmonie zwischen den Schwagern ist es seit einigen Monaten vorbei. Gleich zweimal sind sie gegeneinander vor Gericht gezogen. Die wichtigsten Streitpunkte im Überblick:

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Worum geht es in der aktuellen Verhandlung?

Am Dienstag verhandelte das Landgericht Darmstadt im Zivilprozess zwischen der Drogeriekette dm und dem Bio-Hersteller Alnatura. Es geht um einen Kooperationsvertrag aus den 1980er Jahren. Alnatura sieht sich daran nicht mehr gebunden, seit dm auf eine eigene Bio-Linie setzt und zahlreiche Alnatura-Produkte aus den Regalen genommen hat. Indes besteht dm auf der Einhaltung des Vertrags und hat deshalb Klage eingereicht.

Das Gericht vernahm am Dienstag einen Rechtsanwalt als Zeugen, der für dm an der Entwicklung des Kooperationsvertrags beteiligt war. Der Kontakt zwischen dm-Gründer Götz Werner und Alnatura-Chef Götz Rehn sei privat wie beruflich sehr eng gewesen, sagte der 73-Jährige. Streit zwischen den beiden habe er sich damals nicht vorstellen können. Der Vorsitzende Richter Werner Schäfer schien sich von dem Zeugen etwas mehr Aufklärung versprochen zu haben. „Das hilft uns nicht so viel weiter“, sagte er am Ende der Sitzung. Eine Entscheidung will das Gericht am 9. Dezember verkünden.

Was war Auslöser für den Streit?

Eine eigene Bio-Linie, die dm vor einiger Zeit gestartet hat. Rund 200 Alnatura-Produkte verschwanden deshalb bis Ende 2015 aus den Regalen der Drogeriekette. Nach Alnatura-Angaben wird bis Ende 2016 sogar fast das gesamte Sortiment bei dm ausgelistet sein. Alnatura sucht auch deshalb nach neuen Vertriebsmöglichkeiten.

Warum landete der Streit vor Gericht?

Es besteht ein Kooperationsvertrag zwischen den beiden Unternehmen aus den 1980er Jahren. Dieser Vertrag sichert dm unter anderem Mitspracherechte bei der Auswahl neuer Vertriebspartner zu. Nachdem zahlreiche Alnatura-Produkte aus den dm-Regalen genommen wurden, sieht sich der Biolebensmittel-Hersteller nicht mehr an den Vertrag gebunden. dm besteht jedoch auf der Einhaltung des Vertrags und hat Alnatura vor dem Landgericht in Darmstadt verklagt. Parallel dazu hat dm-Gründer Werner seinen Schwager noch ein zweites Mal vor Gericht gebracht.

Worum geht es in diesem zweiten Fall?

Werner verlangt von Rehn die Markenrechte an Alnatura. Dieser Fall wird in Frankfurt verhandelt. Der dm-Gründer argumentiert damit, dass Alnatura nur durch dm erfolgreich geworden sei. Das Landgericht Frankfurt hat die Klage in erster Instanz aber abgewiesen. Werner legte Berufung beim Oberlandesgericht ein, verhandelt werden soll aber erst im Februar 2017.

Kommentieren die Unternehmen den Verlauf der Verfahren?

Nein. Eine Alnatura-Sprecherin sagte, es handele sich um zwei „äußerst unangenehme Rechtsstreite“, die völlig unnötig seien. „Wir finden das bedauerlich.“ Zu laufenden Verfahren wolle man sich aber nicht weitergehend äußern. Auch dm lehnte eine nähere Stellungnahme ab.

Warum hat dm überhaupt eine eigene Bio-Linie gestartet?

Dazu sagt dm offiziell nur wenig. Man richte sich bei der Gestaltung des Sortiments nach den Bedürfnissen und Wünschen der Kunden, heißt es in einem Statement des Vorsitzenden der dm-Geschäftsführung, Erich Harsch. Die positive Rückmeldung der Kunden zeige, dass man auf dem richtigen Weg sei. Branchenkenner gehen davon aus, dass sich der Drogeriewarenhändler durch die Eigenmarke auch eine größere Marge verspricht – es lässt sich also damit wohl mehr Geld verdienen.

Wie hat Alnatura auf die Auslistung reagiert?

Indem sich das Unternehmen nach Alternativen zum Vertrieb bei dm bemüht. Alnatura intensivierte den Online-Handel, weitete das Geschäft in Österreich und der Schweiz aus und ging eine Vertriebspartnerschaft mit dem größten deutschen Lebensmittelhändler Edeka ein. Die Zahl der Verkaufsstellen für Alnatura-Produkte im In- und Ausland verdoppelte sich so im Geschäftsjahr 2014/2015 auf 7500. Alnatura betreibt seit dem Beginn in den 1980er Jahren auch eigene Filialen,  inzwischen sind es 106. Vom 4. Oktober an gibt es die Produkte darüber hinaus auch beim dm-Konkurrenten Müller zu kaufen.

1 Kommentar
  • Kohlhase 29. September 2016 21:22

    Interessanter Punkt: wenn dm Anspruch auf die Marke hat, weil es Alnatura erfolgreich gemacht hat, dann haben wir als dm Kunden ja auch einen Anspruch auf die Markenrechte von dem- denn wer wenn nicht wir Kunden haben dm und Alnatura erfolgreich gemacht?!

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