Unternehmen Modern aber unrentabel: Eigentümer wollen Gaskraftwerk Irsching stilllegen

Erst 2008 wurde eine Versuchsgasturbine der neuesten Generation von Siemens Energy installiert. Jetzt soll das Gaskraftwerk Irsching stillgelegt werden.

Erst 2008 wurde eine Versuchsgasturbine der neuesten Generation von Siemens Energy installiert. Jetzt soll das Gaskraftwerk Irsching stillgelegt werden.© dpa picture alliance

Die Energiewende soll Schuld sein: Das Gaskraftwerk Irsching ist erst wenige Jahre alt und eines der modernsten in Europa. Doch der Betrieb lohnt sich nicht mehr.

Deutschlands modernstes Gaskraftwerk Irsching bei Ingolstadt steht nach ARD-Informationen vor dem Aus. Die Gesellschafter Eon, HSE, Mainova und N-Ergie wollten noch im März die Stilllegung beantragen, berichtet der Sender. Im vergangenen Jahr habe das Kraftwerk nicht Energie für den Strommarkt produziert, sondern lediglich auf Anweisung der Bundesnetzagentur und der Übertragungsnetzbetreiber, um das Netz zu stabilisieren.

Die Betreiber gingen nicht mehr davon aus, dass das Werk im kommenden Jahr schwarze Zahlen schreiben werde. „Energiepolitisch veränderte Rahmenbedingungen haben es so weit an den Rand des Marktes gedrängt, dass die Kosten kaum noch erwirtschaftet werden können“, sagte ein Eon-Sprecher dem ARD-Hauptstadtstudio.

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Eine Stilllegung dürfte vor allem Bayerns Ministerpräsidenten, CSU-Chef Horst Seehofer, unter Druck setzen. Denn Bayern benötigt fossile Kraftwerke um nach der Stilllegung aller Atomkraftwerke 2022 Versorgungssicherheit zu gewährleisten. Die Lage wird noch dadurch verschärft, dass das Land bei der Planung zweier Stromtrassen zum Transport von Windenergie aus dem Norden in den Süden auf der Bremse steht.

Das Gaskraftwerk Irsching

In Irsching bei Ingolstadt stehen drei große Gaskraftwerke, die bei der Stromerzeugung zusammen rund 1800 Megawatt leisten. Wegen der großen Konkurrenz durch Strom aus Wind und Sonne lassen sich die Anlagen aber immer weniger wirtschaftlich betreiben und stehen vielfach still. Haupteigentümer ist der Düsseldorfer Energieriese Eon. An dem mit 845 Megawatt größten Block 5 sind drei weitere Versorger – HSE, Mainova und N-Ergie – beteiligt.

Block 5 und Block 4 zählen mit einem Wirkungsgrad – dem Verhältnis aus nutzbarer und für den Anlagenbetrieb eingesetzter Leistung – von rund 60 Prozent zu den modernsten Gaskraftwerken Deutschlands. Sie waren erst 2010 (Block 5) beziehungsweise im Sommer 2011 ans Netz gegangen. Block 3 ist dagegen eine ältere Anlage aus den 70er Jahren mit nur 39 Prozent Wirkungsgrad, die noch Öl verfeuern kann. Sie wird noch für den Notfall von Netzschwankungen in Bereitschaft gehalten.

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