Unternehmen Nach Piëch-Rücktritt: Volkswagen nominiert zwei Frauen für den Aufsichtsrat

Das Logo von VW: Wie dramatisch büßt die Marke an Strahlkraft für den Standort Deutschland ein?

Das Logo von VW: Wie dramatisch büßt die Marke an Strahlkraft für den Standort Deutschland ein?© Christoph Braun / Wikimedia Commons / CC0

Wenige Tage vor der mit Spannung erwarteten VW-Hauptversammlung ist der Aufsichtsrat wieder komplett: Zwei Frauen aus dem Familienclan Porsche/Piëch füllen die Lücke auf, die Ex-Chefkontrolleur Ferdinand Piëch und seine Frau Ursula gerissen haben.

Der Aufsichtsrat des Autobauers Volkswagen ist nach dem Rücktritt von Chefkontrolleur Ferdinand Piëch und seiner Ehefrau Ursula wieder vollzählig. Mit Louise Kiesling (57) und Julia Kuhn-Piëch (34) ziehen zwei Frauen in das 20-köpfige Kontrollgremium ein, wie die Volkswagen AG am Donnerstag mitteilte. Beide stammen aus dem Familienclan der VW-Großeigner Porsche/Piëch. Unklar bleibt aber bis auf weiteres, wer der nächste Aufsichtsratsvorsitzende wird. Klar ist nun jedoch: Mit den zwei Nachrückerinnen bleibt die Kapitalseite des Gremiums weiterhin geprägt von der österreichischen Autodynastie.

Die zwei Frauen rücken mit sofortiger Wirkung für das am Samstag zurückgetretene Ehepaar Ferdinand und Ursula Piëch nach. Beide stammen aus dem PS-Clan der Porsches und Piëchs. Mit ihnen erfüllt die Seite der Kapitaleigner im VW-Aufsichtsrat die ab 2016 geltende Zielvorgabe von 30 Prozent Frauenanteil schon heute. Annika Falkengren ist die dritte Frau auf der insgesamt zehnköpfigen Kapitalseite. Aufseiten der Arbeitnehmer sitzt bisher erst eine Frau: Babette Fröhlich von der IG Metall.

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Louise Kiesling ist nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur aus Kreisen der Salzburger PS-Dynastie eine Tochter der verstorbenen Louise Daxer-Piëch (1932 bis 2006). Deren Mutter Louise Porsche (1904 bis 1999) war wiederum die Tochter des Porsche-Gründers und VW-Käfer-Ingenieurs Ferdinand Porsche (1875 – 1951). Sie hatte in den Namen Piëch hineingeheiratet, weswegen der PS-Clan seither nicht mehr einheitlich Porsche heißt, sondern in zwei Flügel aufgeteilt.

Wer die neuen Kontrolleure sind

Kiesling ist 57 Jahre alt. Sie hat den Angaben zufolge nach Studienabschlüssen in Modedesign (Universität für Angewandte Kunst, Wien) und Automobildesign (Royal College of Art, London) als Designerin in Deutschland, Österreich und Großbritannien gearbeitet. Sie ist Gesellschafterin und Geschäftsführerin mehrerer Wirtschaftsunternehmen, darunter befindet sich die Textilmanufaktur Backhausen GmbH (Hoheneich, Österreich).

Julia Kuhn-Piëch ist laut den dpa-Informationen eine Tochter von Hans Michel Piëch, der bereits im Aufsichtsrat sitzt und Ferdinand Piëchs jüngerer Bruder ist. Seine Generation umfasst vier Geschwister. Die beiden Nachrücker entstammen beide der vierten Familiengeneration.

Julia Kuhn-Piëch ist 34 Jahre alt, wohnt wie Großteile des PS-Clans in Salzburg und ist Immobilienkauffrau. Sie übt bereits eine Aufsichtsratsfunktion bei der VW-Nutzfahrzeugtochter MAN aus. Sie studierte Jura und anschließend an der Technischen Universität Wien Immobilien- und Liegenschaftsmanagement.

DIW: Wegweisende Entscheidung

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin hält die Entscheidung für wegweisend. „Das ist ein gutes Beispiel dafür, dass qualifizierte Frauen für eine Kontrolleursfunktion in der Industrie gar nicht erst lange gesucht werden müssen, sondern dass es vor allem um den Willen geht, sie auch einzusetzen“, sagte die Forschungsdirektorin des DIW Berlin, Elke Holst. Sie beschäftigt sich seit Jahren mit Aufstiegschancen von Frauen in Führungspositionen.

VW-Patriarch Ferdinand Piëch (78) und seine Ehefrau Ursula (58) waren am vergangenen Samstag von ihren Ämtern zurückgetreten. Mit der Nachbesetzung geht der PS-Clan nun auch erste Schritte eines Generationenwechsels.

Keine Vorentscheidung für den Chefposten

Eine Vorentscheidung für den Chefposten der Kontrolleure sind die beiden Personalien aber noch nicht. Er wird aktuell kommissarisch vom Vize-Aufsichtsratschef Berthold Huber geführt. Der ehemalige Chef der IG Metall wird auch die VW-Hauptversammlung nächsten Dienstag leiten.

Die Berufung der beiden Frauen erfolgte auf Antrag des VW-Vorstandes über das Amtsgericht in Braunschweig. Das ist grundsätzlich erst nach drei Monaten Vakanz der Fall, kann „in dringenden Fällen“ aber auch früher geschehen. Die als Ersatz bestellten Mitglieder brauchen nun, sollte es demnächst nicht anders geregelt werden, die Amtszeit des Ehepaars Piëch auf – das wäre bis Frühling 2017.

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