Unternehmen Nachfolge: Neustart für einen Juwelierladen

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Sandra (links) und Tanja Volkwein in ihrem Juwelierladen.

Sandra (links) und Tanja Volkwein in ihrem Juwelierladen.© Heiko Meyer

Sandra und Tanja Volkwein haben den Juwelierladen ihres Vaters übernommen. Lohnt sich die Nachfolge überhaupt in Zeiten des steigenden Goldpreises? Und was verändern die neuen Inhaberinnen?

Frau Volkwein, Sie haben mit Ihrer Schwester Tanja den Juwelierladen Ihres Vaters übernommen. Warum?

Mein Vater hat den Laden schon mit meinem Opa geführt. Als ich sechs war, schaute ich zu, wie Opa eine Halskette lötete. Kaputtes wieder ganz machen – das wollte ich auch. Ich kenne hier jeden Winkel von klein auf, arbeite seit meiner Ausbildung vor sechs Jahren mit im Betrieb, meine Schwester ist zehn Jahre hier. Dass wir in Bad Wildungen bleiben und den Laden übernehmen, war immer klar.

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Juweliere plagt der steigende Goldpreis. Lohnt sich die Übernahme?

Durch das teure Gold lassen die Leute ihren Schmuck lieber bei uns ändern, bevor sie etwas Neues kaufen. Mit den Kur-Touristen haben wir viel Laufkundschaft. Unser Verkaufsschlager sind Wecker, die vergisst jeder Zweite daheim. Einen Media Markt etwa gibt es hier nicht, deshalb haben wir Hunderte Wecker auf Lager. Und nur noch wir reparieren Stand- und Kuckucksuhren. Dass Vintage in Mode ist, kommt uns sehr entgegen: Die Werkstatt platzt vor alten Stücken aus allen Nähten.

Der Laden läuft, sagen Sie. Verändern Sie als Nachfolgerinnen überhaupt etwas?

Auf jeden Fall, wir brauchen einen Neustart. Als Symbol bauen wir den Laden um. Keine simple Renovierung – wir reißen Wände ein! Das dunkle Holz und die alte Tapete kommen raus, das war schlimm. Jetzt tapezieren wir goldfarben und legen roten Teppich aus, der Laden wächst auf 200 Quadratmeter. Unser Vater hält sich zum Glück raus.

Sie stecken viel Geld in den Umbau – ist das ein finanzielles Risiko?

Klar, die Angst, den Familienbetrieb gegen die Wand zu fahren, ist immer da. Ich mache mir auch Sorgen, wie die Stammkunden auf das neue Geschäft reagieren. Seit 35 Jahren hat sich bei uns nichts verändert, hoffentlich sagen die Alten jetzt nicht: „Was habt ihr denn angestellt?! Das passt nicht zur Stadt.“ Aber wir glauben, dass unsere Ideen dem Betrieb guttun. Seit meine Schwester und ich hier sind, ist der Umsatz gestiegen.

Sie sind beide Chefinnen. Klappt das?

Wir haben uns von Anfang an aufgeteilt: Ich bin gelernte Goldschmiedin und mache den Schmuck, meine Schwester Tanja übernimmt die Uhren. Bisher hat es nur Vorteile, zu zweit zu sein. Wir teilen ja auch die Verantwortung. Wenn ich mir vorstelle, wichtige Entscheidungen allein zu treffen – das wäre Wahnsinn!

Juwelier Volkwein: Das steht im Handelsregister

Amtsgericht Fritzlar, Aktenzeichen: HRA 16351Bekannt gemacht am: 19.01.2015, 22:02 Uhr

In () gesetzte Angaben der Anschrift und des Geschäftszweiges erfolgen ohne Gewähr.

Neueintragungen 19.01.2015

HRA 163651: Juwelier Volkwein OHG, Bad Wildungen, Brunnenstraße 43, 34537 Bad Wildungen. (Gegenstand des Unternehmens ist der Einzelhandel mit Uhren und Schmuck aller Art und damit verbundene Dienstleistung.). Offene Handelsgesellschaft. Persönlich haftender Gesellschafter: Volkwein, Sandra, Bad Wildungen, *17.10.1985; Volkwein, Tanja, Bad Wildungen, *25.08.1987 (…)

impulse-Magazin Mai 2015

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