Unternehmen Wie Unternehmen von offenen Laboren profitieren

Der Projektleiter des "Josephs", Frank Danzinger im offenen Labor in Nürnberg.

Der Projektleiter des "Josephs", Frank Danzinger im offenen Labor in Nürnberg.© dpa-picture alliance

Wenn ein Produkt am Markt floppt, kann das gerade für kleine Unternehmen zum ernsten Problem werden. In einem offenen Labor können Firmen nun neue Produkte von Kunden testen und bewerten lassen – und dadurch Schwachstellen und Fehlentwicklungen vermeiden.

Es ist ein Service, der sich für Unternehmen auszahlen kann. Im „Josephs“, einem kleinen Laden in der Nürnberger Innenstadt, können Unternehmen Prototypen oder Dienstleistungen testen lassen und die Meinung potenzieller Kunden einholen. Firmen könnten ihre Produkte damit bereits in einem sehr frühen Stadium besser auf die verschiedenen Bedürfnisse zuschneiden und Fehler ausmerzen, sagt Frank Danzinger, Projektleiter des vom Wirtschaftsministerium geförderten Projekts des Fraunhofer-Instituts und der Universität Erlangen-Nürnberg.

Derzeit gibt es im 400 Quadratmeter großen „Josephs“ bereits die fünfte „Themenwelt“. Unter dem Motto „Zukunft Handel“ präsentieren sich eine Hand voll Unternehmen. Eines hat eine Einkaufsberater-App entwickelt, die etwa Allergiker auf mögliche Unverträglichkeiten in Lebensmitteln hinweist. Eine andere Firma arbeitet mit elektronischen Werbetafeln, die sich per Kamera und Gesichtserkennung auf den jeweiligen Betrachter einstellen.

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Die Voraussetzung für eine Präsentation im „Josephs“ ist, dass die Besucher etwas anfassen, ausprobieren, mit dem Produkt interagieren können. „Es soll nicht nur das bloße Anschauen wie auf einem Messestand sein“, sagt Danzinger. Manche Firmen haben auch extra Fragebögen entwickelt, die die Besucher ausfüllen können. Für alles, was dort keinen Platz findet, gibt es Klebezettel. Die Gäste geben etwa an, ob sie das Produkt überhaupt nutzen würden oder welchen Preis sie dafür bezahlen würden. Etwa 30 Besucher zählt das „Josephs“ im Schnitt pro Tag. Samstags kommen die meisten. Und sie bleiben zwischen 30 und 60 Minuten. Am Ende der dreimonatigen Themenwelt bekommen die Firmen dann eine Auswertung der Erkenntnisse.

Wertvolle Rückmeldungen bei der Produktentwicklung

Gerade für neue kleine Firmen ist das ein Service, den sie sich sonst nicht leisten könnten – wobei sie auch für die Zeit im „Josephs“ einen erklecklichen Betrag bezahlen müssen. Thomas Harmes vom Duisburger Start-up Mifitto ist dennoch mit der Zeit im „Josephs“ zufrieden: „Für uns war das optimal.“ Mit einer Mannschaft von damals sechs Leuten hätte er nicht so leicht ein paar Mann für die Marktforschung abstellen können. Die Firma bietet Größenberatung bei Kleidung und Schuhen an – unter anderem mit einem Fußscanner. „Durch das Josephs haben wir herausgefunden, dass die Kunden immer an eine Ecke des Scanners stoßen. Die haben wir dann weg gemacht.“ Auch die Software sei danach verändert worden.

Genau auf diese Rückmeldungen von Kunden wollen immer weniger Firmen verzichten. Denn die frühe Einbindung lässt nicht nur Schwachstellen von Produkten früh zutage treten, auch die Bindung des Verbrauchers an das Unternehmen wächst. Die Wahrscheinlichkeit, dass man ein Produkt kauft, das man selbst mitentwickelt hat, ist groß. BMW etwa lädt in seinem Co-Creation Lab im Internet zum Mitentwickeln ein und auf der Web-Plattform „Unseraller“ können Verbraucher über Nagellack-Kollektionen abstimmen oder ihre Ideen für den Innenraum eines Fords abgeben. Und Haribo ließ über Gummibärchen abstimmen.

Der Vorteil im Vergleich zu Online-Plattformen

„Die Idee ist es, nah am Kunden zu sein“, sagt die Wirtschaftswissenschaftlerin Angela Roth von der Uni Nürnberg. „Man will nicht im stillen Kämmerlein ein Produkt entwickeln, das dann vielleicht hilft, vielleicht aber auch nicht.“ Der Vorteil des „Josephs“ im Vergleich zu Online-Plattformen sei, dass man hier auch Leute erreiche, die nichts mit dem Internet am Hut haben oder ganz zufällig vorbei kommen. Man könne so auch ganz neue Kunden erreichen. Im Internet beteiligten sich meist nur Menschen, die ohnehin schon Fans einer Marke sind.

Die Gegenstrategie des absolut geheimen Entwickelns, wie etwa Apple sie betreibt, funktioniere nur bei großen Namen und mit einer gezielten Strategie, die einen Hype um ein Produkt aufbaut. „Das funktioniert für Apple, aber nicht bei einem unbekannten Start-Up.“

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