Unternehmen Neue Strategien und Führungswechsel bei Air Berlin

Eine Boeing 737-700 von Air Berlin

Eine Boeing 737-700 von Air Berlin© Air Berlin

Mitten im Überlebenskampf wechselt Air Berlin den Piloten. Der neue Vorstandschef könnte die angekündigte tiefgreifende Umstrukturierung bringen - aber nicht alle Probleme beseitigen.

Wäre es möglich, hätte Wolfgang Prock-Schauer als Chef von Air Berlin sicher graue Haare bekommen. Doch der Österreicher war längst schlohweiß, als er vor zwei Jahren das Cockpit von Deutschlands zweitgrößter Fluggesellschaft übernahm. In der Zwischenzeit hat der 57-Jährige kaum eine gute Nachricht verkündet – dafür die schlechten ganz wienerisch mit einem Lächeln dekoriert.

Für die Rettung der angeschlagenen Airline reicht das nicht. Jetzt rückt Prock-Schauer zurück in die zweite Reihe – „auf eigenen Wunsch“, wie die Fluggesellschaft betont. Im Februar übernimmt der frühere Lufthanseat Stefan Pichler.

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Der Zeitpunkt ist für Air Berlin kein schlechter. Die Sanierung war ohnehin nicht so recht ins Rollen gekommen. Es gab große Worte, doch an den Tabus rüttelte Prock-Schauer bestenfalls zaghaft. Dabei ist Deutschlands Nummer zwei am Himmel schon lange im Krisenmodus. Rote Zahlen schreibt das Unternehmen mit einer vom arabischen Großaktionär Etihad beförderten Ausnahme seit sechs Jahren. 2013 standen unter dem Strich ein Minus von rund 316 Millionen Euro und Schulden von 796 Millionen Euro. Im Grunde hält Etihad Air Berlin über Wasser.

Vor diesem Hintergrund war Prock-Schauers Aufgabe auch eine Art Himmelfahrtskommando. Er versuche ja zu sparen, sagte er kürzlich. „Aber wir haben jede Menge Gegenläufer.“ Manchmal wünsche er sich in Länder zurück, wo eine Restrukturierung einfacher sei, sagte der erfahrene Manager. Er klang etwas hilflos.

Flotte soll um weitere zehn Flugzeuge schrumpfen

Überhaupt ist Prock-Schauer – ganz anders als sein Vorgänger Hartmut Mehdorn – kein Mann der lauten Auftritte. Und offenkundig auch kein Mann der schmerzhaften Schritte. Erst kündigte er vor Monaten eine „tiefgreifende Neustrukturierung“ ohne Tabus an – um jetzt zu betonen, viele hätten zu Unrecht den „ganz radikalen großen Wurf erwartet“. Hauptsächlich soll die Flotte von 144 Maschinen noch einmal um zehn Flugzeuge schrumpfen, die Flugbasen werden reduziert.

Nun rückt Prock-Schauer also eine Stufe zurück. Er bekommt seinen alten Posten als Chefstratege wieder, von dem er vor zwei Jahren zum Airline-Chef aufgestiegen war. Er soll die Streckennetze umgestalten und rentabler machen. Strategiedenken im Hintergrund, das könnte eher sein Ding sein, als die Show in der ersten Reihe.

Dahin rückt ein alter Hase. Stefan Pichler hat 25 Jahre Branchenerfahrung, führte zuletzt die Fiji Airways wieder in die Gewinnzone. Verwaltungsrats-Chef Hans-Joachim Körber nennt ihn eine „starke Führungspersönlichkeit“ und eine höchst willkommene Verstärkung.

Luftverkehrssteuer und BER

Pichler hat Baustellen zu schließen, die schon lange bei der Airline klaffen. Die Fluggesellschaft war unter dem langjährigen Patriarchen Joachim Hunold durch Zukäufe sehr schnell gewachsen. Mehrere Sparprogramme haben die desaströse Finanzlage nicht wesentlich gebessert. Kritiker werden auch gespannt beobachten, ob das Geschäftsmodell weiter unangetastet bleibt: jenes entschiedene „Jein“ zwischen Europaflügen, Touristikgeschäft und Langstrecke. Daran rüttelte selbst Mehdorn nicht, der Hunold 2011 übergangsweise beerbte.

An einigen „Gegenläufern“ kann aber auch der Neue wenig ausrichten. Da ist etwa die Luftverkehrssteuer, von der sich Air Berlin stärker betroffen sieht als die meisten anderen. Da ist die unsichere Zukunft der gemeinsam mit Etihad angebotenen Flüge, die das Luftfahrtbundesamt für den Winter nur nach heftigem Protest noch genehmigte. Und da ist der neue Hauptstadtflughafen, der Air Berlins großes Drehkreuz werden soll. In der Konzernzentrale nahe dem überlasteten Flughafen Tegel rechnen die Air-Berlin-Strategen mittlerweile nicht mehr mit einem Start vor 2017.

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