• Neue Stromautobahnen für die Energiewende

    Mit dem Bau von drei Stromautobahnen will die Bundesregierung die Energiewende in Schwung bringen. 2800 Kilometer an neuen Höchstspannungsleitungen sollen gebaut werden, um Windstrom vom Norden in den Süden Deutschlands zu transportieren. Insgesamt fällt die Bilanz aber gemischt aus.

    Die Bundesregierung will die Energiewende mit dem Bau von drei Stromautobahnen in Schwung bringen. Das Kabinett beschloss am Mittwoch, dass Höchstspannungsleitungen mit 2800 Kilometern Länge errichtet werden sollen, um Windstrom vom Norden in den Süden Deutschlands zu transportieren. Zudem sollen im bestehenden Höchstspannungsnetz 2900 Kilometer optimiert werden. Die Kosten für alle 36 Projekte betragen rund zehn Milliarden Euro. Ab 2013 gibt es zudem 1,8 Milliarden Euro für das Dämmen von Gebäuden.

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    EEG soll überarbeitet werden

    “Die Energiewende hin zu Erneuerbaren Energien war richtig, ist richtig und bleibt richtig, auch im Hinblick auf langfristig bezahlbare Energiepreise”, sagte Bundesumweltminister Peter Altmaier mit Blick auf steigende Kosten für knapper werdende fossile Rohstoffe wie Öl, Gas und Kohle. Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler und Altmaier bekräftigten ihren gemeinsamen Willen, das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) zur Förderung von Ökostrom zu überarbeiten. Rösler wies darauf hin, dass bis März ein Konzept für eine Reform vorliegen soll. Die Förderung zahlen die Bürger über den Strompreis, etwa 185 Euro pro Durchschnittshaushalt ab 2013.

    Beim Stromnetzausbau sieht die Regierung sich auf Kurs. “Hier sind wir absolut im Zeitplan”, sagte Rösler. Planungszeiten sollten von zehn auf vier Jahre verkürzt werden. Die Ausbaupläne müssen noch von Bundestag und Bundesrat gebilligt werden, erst danach sollen die konkreten Trassenverläufe festgelegt werden.

    Angespannte Situation in Süddeutschland

    Eine Stromautobahn soll von Emden (Niedersachsen) über Osterath (Nordrhein-Westfalen) nach Philippsburg (Baden-Württemberg) gebaut werden, eine weitere von Brunsbüttel (Schleswig-Holstein) nach Grafenrheinfeld (Bayern) und Großgartach (Baden-Württemberg), die dritte Trasse von Lauchstädt (Sachsen-Anhalt) nach Meitingen (Bayern). Die Länder haben sich bereiterklärt, die Planung an den Bund abzugeben, damit Netze schneller gebaut werden können. Um Klagezeiten zu verkürzen, soll es nur noch eine Instanz geben: das Bundesverwaltungsgericht.

    In ihrem Monitoringbericht betont die Regierung: “Aufgrund des langsamen Netzausbaus sind zur Sicherstellung der Versorgung in Süddeutschland zusätzliche Maßnahmen erforderlich.” Die Situation werde dort angespannt bleiben. Mit einer durchschnittlichen Unterbrechungsdauer von 15,3 Minuten (2011) stehe Deutschland aber weiter mit an der Spitze der Staaten mit der größten Zuverlässigkeit.

    Die Energiewende besteht aus einer Vielzahl an Gesetzen, Verordnungen und Förderprogrammen. Besonders hapert es bei Energieeinsparungen, Kosten und im Verkehrsbereich. Ein Überblick über die Ziele bis 2020 und 2050 – und wie die Lage derzeit aussieht

    Klimaschutz: 40 Prozent weniger Treibhausgasemissionen bis 2020 (im Vergleich zu 1990) und 80 bis 95 Prozent weniger bis 2050. Bis zum Jahr 2011 wurden minus 26,4 Prozent erreicht.

    Erneuerbare Energien: Bis 2020 mindestens 35 Prozent Anteil am Stromverbrauch, bis 2050 mindestens 80 Prozent. Bis 2011 waren 20,3 Prozent erreicht. 2012 gibt es nach vorläufigen Zahlen bereits einen Anteil von rund 23 Prozent für Strom aus erneuerbaren Energien.

    Gebäude: Der Wärmebedarf soll bis 2020 um 20 Prozent sinken, bis 2050 soll der gesamte Energiebedarf um bis zu 80 Prozent sinken. Zum jetzigen Stand fehlen Angaben. Die Regierung will die Rate bei den energetischen Gebäudesanierungen gemessen an den 18 Millionen Gebäuden in Deutschland von ein auf zwei Prozent jährlich verdoppeln.

    Effizienz: Der Energieverbrauch soll im Vergleich zu 2008 bis 2020 um 20 Prozent sinken, bis 2050 um 50 Prozent. Bis 2011 wurden 6 Prozent weniger erreicht. Der Stromverbrauch soll bis 2020 um 10 Prozent sinken, bis 2050 um 25 Prozent. 2011 waren es 2,1 Prozent.

    Verkehr: Gegenüber 2005 soll der Verbrauch bis 2020 um 10 Prozent zurückgehen, bis 2050 um 40 Prozent. Zwar sank der Verbrauch von 8 Litern auf 100 Kilometern (1998) auf 5,9 Liter (2011) – zugleich gibt es aber mehr Autos, der Gesamtverbrauch sank daher nur um 0,5 Prozent. Bis 2020 soll es eine Millionen Elektroautos geben, bis 2030 sechs Millionen. Bis 2011 gab es aber bundesweit erst rund 6600 E-Autos.

    Kosten: Die Umlage zur Förderung erneuerbarer Energien sollte nicht über 3,5 Cent je Kilowattstunde steigen. Nun steigt sie aber 2012 auf knapp 5,3 Cent – auch wegen einer Ausweitung von Industrierabatten bei den Förderkosten, die die Umlage für die Bürger aufblähen. Da auch fast alle anderen Energiewendekosten, etwa für den Netzausbau und den Anschluss von See-Windparks, auf den Strompreis aufgeschlagen werden, wird es 2013 Erhöhungen um im Schnitt zwölf Prozent geben.

    • Quelle: dpa
    • Copyright: impulse.de

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