"Hier gibt es nur Idioten" - nach dieser markanten Botschaft eines freien Mitarbeiters, der gerade zwei Tage an Bord war, gab es für Hans-Christian Boos nur eins. Er feuerte den Mann. "Das ist der Vorteil, wenn man Freiberufler beschäftigt - man wird sie sofort los, und zwar ohne schlechtes Gewissen", sagt der Gründer und Vorstandschef der Frankfurter IT-Beratung Arago. Der 34-Jährige verstärkt seine 66-köpfige Belegschaft in Auftragsspitzen immerhin um bis zu zehn Freelancer.
Dies ist beileibe nicht der einzige Grund, warum vor allem Unternehmensgründer ihre Belegschaft so flexibel wie möglich aufstellen. Wer etwa auf freie Mitarbeiter oder Zeitarbeitskräfte setzt, erspart sich Zusatzkosten für Urlaub und Krankheit. Und die Auftragsspitzen lassen sich am besten mit (befristeten) Aushilfen und Minijobbern abfedern.
Entsprechend groß ist der Bedarf an der flexiblen Task-Force. Im vergangenen Jahr beschäftigten Deutschlands Firmen 11,1 Prozent ihrer Angestellten als Minijobber, zusätzlich waren 1,9 Prozent als freie Mitarbeiter tätig. Dies ermittelte das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung in Nürnberg in seinem aktuellen Betriebspanel mit über 15.000 Firmen. Herzlich willkommen sind selbst Zeitarbeiter: 2006 machten diese schon 1,5 Prozent der Gesamtbeschäftigten aus - viermal mehr als noch zehn Jahre zuvor. Besonders stark stieg in diesem Zeitraum auch die befristete Beschäftigung: von 3,7 Prozent auf 6,4 Prozent (2006). Bei den Neueinstellungen sind heutzutage bereits 43 Prozent aller Verträge befristet - Tendenz weiter steigend.
"Personelle Flexibilität ist für Betriebe eine Schlüsselkompetenz, um im globalen Wettbewerb bestehen zu können. Daher werden diese Beschäftigungsformen weiter zunehmen", prophezeit Gesa Münchhausen vom Bundesinstitut für Berufsbildung Bonn (Bibb). Und im Idealfall profitieren nicht nur die Firmen. "Flexible Beschäftigungsverhältnisse können eine Gewinnsituation für beide Parteien sein", erläutert Christiane Flüter-Hoffmann, Projektleiterin im Bereich betriebliche Personalpolitik beim arbeitgebernahen Institut der deutschen Wirtschaft (IW Köln). So ist zum Beispiel die Zeitarbeit oftmals das Sprungbrett in die Festanstellung. Und flexible Teilzeitmodelle helfen vor allem jungen Eltern, Beruf und Privates zu synchronisieren.
Auftragsspitzen abfedern
Doch Vorsicht: Nicht alle Aufgaben im Betrieb eignen sich gleichermaßen für Flexi-Worker. Schlüsselfunktionen, etwa bei Produktentwicklung oder Vertriebsleitung, sollten für die Stammbelegschaft reserviert bleiben. Hier wiegen ein eingespieltes Team, spezielles Know-how und Loyalität mehr als Unabhängigkeit. Randbereiche hingegen - wie Marketing, Öffentlichkeitsarbeit oder Webdesign - eignen sich zur Vergabe an Freie. Auch in Auftragsspitzen und bei Projektarbeiten helfen Leute von außen.
Vorausgesetzt, sie finden sich. Besonders bei anziehender Konjunktur lassen sich Fachkräfte oft nur mit unbefristeten Verträgen locken. Wer sie dennoch für sich gewinnen kann, muss aufpassen. "Verträge über flexible Arbeitsverhältnisse sind sehr kompliziert", warnt Thilo, auf die Beratung von Arbeitgebern spezialisierter Arbeitsrechtler bei der Berliner Kanzlei Wilmer-Hale.
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