Unternehmen Nikolaus Förster: Warum sich Freiheit auszahlt

impulse-Chef Nikolaus Förster, hier auf der Feier zum einjährigen Geburtstag des Verlags

impulse-Chef Nikolaus Förster, hier auf der Feier zum einjährigen Geburtstag des Verlags© Roland Magunia

Im Januar 2013 löste sich impulse durch einen Management-Buy-out vom Großkonzern Gruner + Jahr. Rund ein Jahr später steht fest: impulse ist noch da! Und vor allem: impulse ist erfolgreich! Auf der Party zum Einjährigen erklärte impulse-Chef Nikolaus Förster, warum die Freiheit die richtige Entscheidung war - und wie fatal es ist, dass viele Verleger ihre Produkte verscherbeln.

Meine Damen und Herren, ich begrüße Sie herzlich zu diesem wunderbaren Abend! Danke, dass Sie sich heute die Zeit nehmen, mit uns zu feiern. Einige von Ihnen haben lange Wege auf sich genommen. Ob aus Aachen (wie meine Eltern) oder Leipzig (wie unser heutiger Festredner), ob aus Kiel oder Salzburg. Ich danke Ihnen allen, dass Sie da sind – es ist eine Wertschätzung, die wir Ihnen hoch anrechnen.

Viele von Ihnen waren vor einem Jahr dabei, als wir diese schönen Räume hier im Industriehof bezogen. Viele von Ihnen haben uns damals Glück gewünscht und die Daumen gedrückt – eine Tafel in diesem Gang dokumentiert die Zukunftswünsche. Ich darf Ihnen verraten: Es hat gewirkt! Es gibt heute etwas zu feiern.

Anzeige

Fangen wir lakonisch an: Es gibt uns noch! Wir sind noch da!

Aber die Botschaft des heutigen Abends – ein Jahr nach dem impulse-Neustart – ist eigentlich eine andere. Wir haben das Jahr nicht nur überstanden. Nein. Es war und ist ein Erfolg!

Seit ein paar Tagen liegt unser erster Jahresabschluss vor. Morgen früh veröffentlichen wir die Zahlen. Aber ich kann Ihnen schon heute etwas verraten: Der Umsatz lag 2013 bei 5,1 Millionen Euro. Und das „Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit“ – wobei von „gewöhnlich“ bei uns eigentlich keine Rede sein kann – bei 228.224 Euro und 6 Cent. Wir liegen damit über unserem Businessplan.

Freiheit, die sich auszahlt

Das mag für diejenigen, die zweistellige Renditen gewohnt sind, mager klingen. Für uns – als junges Unternehmen – ist dies ein großer Erfolg. Immerhin lagen allein unsere Gründungskosten im sechsstelligen Bereich. Wer hätte gedacht, dass wir bereits im ersten Jahr schwarze Zahlen schreiben? Freiheit, so scheint es, zahlt sich aus.

Lassen Sie mich an dieser Stelle dem gesamten impulse-Team danken, das sich auf dieses Wagnis eingelassen hat. Was Ole Jendis als Verlagsleiter und Antonia Götsch in der Chefredaktion mit ihren Teams geleistet haben, ist wirklich unglaublich; das macht ihnen so leicht keiner nach. Es ist ein gemeinsamer Erfolg: Jeder Einzelne – auch die, die erst im Laufe des Jahres dazu gestoßen sind – hatten daran einen Anteil.

Lassen Sie mich zwei Personen herausgreifen: meine Assistentin Anna Bicker, ohne die ich längst in meinem Chaos versunken wäre. Und Anita Krüger, die – wie im vergangenen Jahr – diese Feier mit einer unglaublichen Akribie organisiert hat. Und – es soll angeblich ja auch ein Privatleben geben – meiner Familie. Es ist keineswegs selbstverständlich, wie mich meine Familie, die mich im vergangenen Jahr nur selten gesehen hat, unterstützt hat.

Freiheit, so sagte ich, zahlt sich aus.

Im Rückblick war die Gründung des neuen Verlags nur der erste Schritt dazu. Wir zogen in den Industriehof, wechselten die Druckerei, wählten höherwertigeres Papier, installierten ein neues Redaktionssystem, strichen sämtliche Aboprämien und staffelten die Anzeigenpreise nach Firmengröße.

Übernahme der Kundenkommunkation

Und doch war dies nur das Vorspiel für die wesentlichen Entscheidungen, die im Sommer fielen. Der MBO im Januar 2013 war zwar spektakulär und zog eine Menge Aufmerksamkeit auf sich. Doch wirklich radikal war eher das, was – von der Öffentlichkeit kaum wahrgenommen – dann folgte. Wir entschieden uns, unsere Dienstleisterverträge zu kündigen, an denen mehr als 90 Prozent des Umsatzes hingen. Die Vermarktung gaben wir in die Hände des mittelständischen Verlags Inspiring Network. Den Einzelverkauf der Hefte übertrugen wir an Stella Distribution.

Doch das Entscheidende, was den Kern unseres Geschäftsmodells ausmacht, den Abovertrieb und die Kundenkommunikation übernahmen wir selbst. Für Unternehmer – außerhalb der Verlagsbranche – mag es eine Selbstverständlichkeit sein, dass man einen direkten Draht zu seinen Kunden sucht. Für Verlage gilt dies leider nicht.

Im Nachhinein kommt es mir wie ein unglaubliches Privileg vor, dass wir tatsächlich frei agieren konnten, dass wir das, was wir in den vergangenen Jahren so oft beschrieben haben, jetzt selbst leben können. Die Loslösung von einem Konzern bedeutet für uns, nicht mehr abhängig zu sein von Entscheidungen anderer, sondern selbst in die Rolle des Akteurs zu kommen. Jetzt ist es in unserer eigenen Hand, wie es weitergeht.

„Das ist wirklich mutig“

Als vor einem Jahr publik wurde, dass wir impulse selbst weiterführen würden, gab es unzählige Glückwünsche – meist versehen mit dem Satz: „Respekt. Das ist wirklich mutig!“ Ich kam mir vor wie jemand, der – wie im antiken Rom – den Löwen zum Fraß vorgeworfen wird, mit einer minimalen Chance zu überleben. Und alle schauten ungläubig zu. Natürlich war der Schritt mutig, nur: Ich habe mir das gut überlegt. Es war – trotz der Schnelligkeit – kein Schnellschuss.

Ich gebe offen zu: Als ich den MBO plante, war ich fest von der Stärke des impulse-Teams und der Marke überzeugt, aber Detailkenntnisse über die Untiefen des Verlagswesens hatte ich nicht. Ich war ein verlegerisches Greenhorn – und vielleicht war das ja genau die Chance: Fragen zu stellen, die sonst keiner stellt. Und vor allem: nicht einfach so weiter zu machen wie bisher.

Ein Jahr später hört sich das, woran wir gerade arbeiten, sehr simpel an. Wir versuchen, mit einem engagierten Team gute Qualität zu bieten, Kunden dafür zu begeistern – und damit Geld zu verdienen.

Für uns hat dies reale Konsequenzen: Seit dem MBO haben wir das 20-köpfige Team um ein Dutzend neue Stellen erweitert. Wir haben seit Dezember eine eigene Kundendatenbank und Kundenbetreuung aufgebaut, alle Informationen laufen jetzt bei uns zusammen. Und drittens: Wir haben das alte Abo-Modell verabschiedet – keine Abofallen, keine Tricks, kein Kleingedrucktes mehr. Vorbei die Zeiten, als man Leser mit Prämien und Tricks in Aboverträge lockte, sie dann möglichst in Ruhe ließ, damit sie die Kündigungsfrist verpassten und weiterzahlen mussten. Bei uns können Leser jederzeit kündigen – und erhalten dann zu viel gezahltes Geld zurück. Es liegt in unserer Verantwortung, eine hohe Qualität zu liefern, damit Sie uns treu bleiben.

Der Irrsinn der Barprämien

Ich glaube fest daran, dass man auch künftig mit Qualitätsjournalismus Geld verdienen kann. Wer dies schaffen will, braucht nicht nur gute Journalisten, kreative Ideen und eine klare Ausrichtung – sondern er muss auch Kunden zur Kasse bitten, statt die eigenen Produkte zu verscherbeln. Ich finde es erstaunlich, dass es vor allem Verleger selbst sind, die den größten Anteil daran haben, dass Qualität kaum mehr wertgeschätzt wird.

Wer – wie jüngst beispielsweise die „Süddeutsche Zeitung“ oder das „Handelsblatt“ – potenziellen Abonnenten Barprämien in Höhe von mehreren hundert Euro aufdrängt, muss sich nicht wundern, wenn kaum mehr jemand bereit ist, Geld für Qualitätsmedien auszugeben. Was dort passiert, ist nichts anderes als eine Bankrotterklärung. Dass Chefredakteure dies lautlos geschehen lassen – wohl wissend, dass ihnen damit ihre Geschäftsgrundlage entzogen wird – ist mehr als befremdlich.

Unsere Lehre aus den vergangenen 12 Monaten bei impulse ist einfach: Entscheidend ist, ob wir mit unserer Arbeit tatsächlich Engpässe unserer Leser treffen. Ob es uns gelingt, Unternehmern mit unserem Magazin, unseren digitalen Angeboten und Veranstaltungen tatsächlich Impulse zu vermitteln: Ideen und konkreten Nutzen.

Das gilt im Übrigen auch für uns selbst: Was wir recherchieren und aufschreiben, ist auch für uns selbst als Mittelständler relevant – egal ob es um juristische Fragen geht, um Kinderbetreuung oder Kundenfeedback.

Freiheit, so sagte ich, zahlt sich aus. Dass wir es uns leisten können, den Verlag völlig umzukrempeln, hat entscheidend mit unserer Unabhängigkeit zu tun. Es ist ein großes Privileg, dass wir finanziell unabhängig sind – auch dank des Vertrauens, das der Unternehmer Dirk Möhrle, als Mitgesellschafter, in uns gesteckt hat. Die Freiheit, ein Unternehmen aufzubauen, das nicht kurzfristige Profite anstrebt, sondern nachhaltigen Erfolg im Blick hat – ist wohl das Wertvollste, was wir haben. Und wenn dann bereits im ersten Jahr schwarze Zahlen dazu kommen – umso besser.

Dennoch: Einfach wird es nicht. Aber ich bin fest davon überzeugt, wenn man es – mit einem hervorragenden Team wie hier bei impulse – richtig anstellt, wird sich Freiheit auch in Zukunft auszahlen.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit!

Zur Party-Bilderstrecke

Zur Festrede von Knut Löschke

Hinterlassen Sie einen Kommentar

(Kommentare werden von der Redaktion montags bis freitags von 10 bis 18 Uhr freigeschaltet)

Bitte beantworten Sie die Sicherheitsabfrage (Anti-Spam-Schutz): * Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.