Unternehmen Ölpreis-Verfall als Jobkiller: US-Energiefirmen droht die Pleite

Mitarbeiter einer Bohranlage für Schiefergas von "Tekton Energy" in Colorado (USA).

Mitarbeiter einer Bohranlage für Schiefergas von "Tekton Energy" in Colorado (USA).© dpa

Der massiv gesunkene Ölpreis hat nicht nur positive Effekte. Für Förderfirmen in den USA rechnet sich das Geschäft inzwischen immer weniger, einigen Unternehmen droht sogar die Pleite.

Als Marcus Benson aus der Ostküstenmetropole Philadelphia 2012 von der boomenden Energiewirtschaft in North Dakota erfuhr, setzte er sich kurzerhand ins Auto, fuhr mehr als 2400 Kilometer, um bei der Öl-Förderung mitzumachen. Der 28-Jährige, der sich bis dahin mit schlecht bezahlten Gelegenheitsjobs durchgeschlagen hatte, fand sofort eine attraktive Stelle. In der Ölindustrie verdiente er rasch 30 Dollar pro Stunde. „Das war verrückt“, sagte Benson dem US-Sender CNN. Ende 2014 kam jedoch die Kündigung. „Sie sagten, der Hauptgrund sei der fallende Ölpreis.“

Benson steht stellvertretend für viele, die es in den letzten Jahren in US-Ölstaaten wie North Dakota oder Texas zog, wo sie von der Fracking-Revolution profitieren wollten. Dank dieser – ökologisch höchst umstrittenen – Fördertechnik, bei der tief lagerndes Schiefergas und -öl mit Chemikalien gelöst wird, produziert Amerika wieder so viel Öl wie seit den 1970er Jahren nicht mehr.

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Die gestiegene US-Förderung hat zu einem weltweiten Überangebot an Rohöl geführt. Denn andere große Produzenten wie Saudi-Arabien wollen ihre Marktanteile verteidigen und drosseln ihre Produktion nicht. Die Konsequenz: ein massiver Ölpreisverfall, durch den sich das Geschäft für immer mehr Frackingfirmen nicht mehr rechnet. Investitionen in neue Projekte werden gestrichen, Mitarbeiter gekündigt. Unternehmen, die zuviele Schulden haben, droht die Pleite.

Schlecht für die Ölfirmen – gut für die Konjunktur

Finanzanalysten führen diese Auswirkungen der sinkenden Ölpreise zuletzt häufig als Grund für Unsicherheiten an den internationalen Börsen an. Die Ölindustrie sei in den vergangenen Jahren einer der größten Stabilisatoren des US-Arbeitsmarktes gewesen. Der Energiesektor sei eine wichtige Stütze der US-Konjunktur. Und die Öl-Jobs würden in der Regel gut bezahlt. Wie problematisch sind die Folgen des abflauenden Schiefer-Booms für die weltgrößte Volkswirtschaft?

„Die positiven Effekte der niedrigeren Ölpreise für Konsumenten und viele Unternehmen überwiegen die Nachteile für die Energiefirmen bei weitem“, sagt Expertin Liz Annn Sonders von der Investmentberatung Charles Schwab. „Die US-Wirtschaft wird zu 68 Prozent von Verbraucherausgaben getrieben.“ Die Neuinvestitionen in der Öl- und Gasindustrie machten hingegen nur etwa ein Prozent am US-Bruttoinlandsprodukt aus.

Die sinkenden Energiepreise wirken deshalb wie ein Konjunkturpaket und nicht wie eine Wachstumsbremse. Je günstiger das Öl, desto geringer die Produktionskosten vieler Firmen. Verbraucher haben mehr Geld übrig, weil sie weniger für Benzin und Heizen ausgeben. Somit ist der fallende Ölpreis für die Wirtschaft der USA insgesamt eine gute Nachricht – auch wenn das für Glücksritter wie Benson, der sich gerade arbeitslos gemeldet hat, ein schwacher Trost sein dürfte.

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